Kri­mi­nal­ober­rat Ha­rald Schmidt

Dem SWR ist ein Coup ge­lun­gen: Der frü­he­re La­te-Night-Tal­ker über­nimmt ei­ne fes­te Rol­le im neu­en „Tat­ort“, der im Schwarz­wald an­ge­sie­delt wird. Das neue Er­mitt­ler­duo wird ge­spielt von Eva Lö­bau und Hans-Jo­chen Wa­gner.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON LESLIE BROOK

STUTTGART Müns­te­ra­ner Ver­hält­nis­se im Süd­wes­ten? Die soll es nicht ge­ben, ob­wohl die Be­set­zung des neu­en SWR-„Tat­orts“ge­nau das ver­mu­ten las­sen könn­te: Denn kein Ge­rin­ge­rer als Ha­rald Schmidt wird Chef des Teams, das ab kom­men­dem Jahr im Ers­ten er­mit­teln soll. „Ich ha­be mich vom Lus­ti­gen ver­ab­schie­det“, ver­si­cher­te Schmidt ges­tern bei der Vor­stel­lung des neu­en Kon­zepts in Stuttgart und ver­sprach ei­ne ernst­haf­te Krimi-Hand­lung. Er brau­che kei­ne klei­ne Rol­le beim „Tat­ort“, um lus­tig zu sein. Ei­nen he­te­ro­se­xu­el­len, ka­tho­li­schen Fa­mi­li­en­va­ter wer­de er spie­len, denn „das gibt es im ,Tat­ort‘ sonst nicht“, mein­te der 58-Jäh­ri­ge. „Ei­ne Art Tho­mas de Mai­ziè­re in Uni­form.“Ger­not Schöll­ham­mer wird der Kri­mi­nal­ober­rat hei­ßen. Der Vor­schlag stam­me von ihm. Das sei ein so­li­der Na­me, wie er in der Re­gi­on tat­säch­lich vor­kom­men könn­te, „kein Tim oder Strup­pi“. Er könn­te sich aber vor­stel­len, dass die­ser ab­ge­kürzt wer­de, et­wa mit „Not­ti oder Ger­ry“.

Schmidt, der selbst im Raum Stuttgart groß­ge­wor­den ist, will sei­ner lan­gen Fern­seh­kar­rie­re ei­ne neue Rich­tung ge­ben: „Der ,Tat­ort’ ist das Ein­zi­ge, das ich noch nicht ge­spielt ha­be“– des­halb ha­be er so­fort zu­ge­sagt, als ihm der Job an­ge­bo­ten wur­de. 2014 hat­te sich „Dir­ty Har­ry“nach ei­nem kur­zen Ab­ste­cher ins Be­zahl­fern­se­hen end­gül­tig vom La­te-Night-Talk ver­ab­schie­det und war seit­dem et­wa als Schiffs­arzt im „Traum­schiff“zu se­hen. „Das Kon­zept ,Tat­ort Schwarz­wald’ hat mich über­zeugt“, sag­te Schmidt und gab kurz dar­auf ei­ne ers­te Kost­pro­be sei­nes Dia­lekts.

Dem SWR ist nach lan­gen Mo­na­ten der Ge­heim­hal­tung um die Nach­fol­ge des Bo­den­see-„Tat­orts“ein Coup ge­lun­gen. Denn auch die bei­den Kom­mis­sa­re, die in Schmidts Team er­mit­teln wer­den, sind viel­ver­spre­chend – wenn­gleich sie ges­tern durch die pro­mi­nen­te Be­set­zung der Ne­ben­rol­le un­ter­gin­gen: Eva Lö­bau und Hans-Jo­chen Wa­gner wer­den Haupt­kom­mis­sa­rin Fran­zis­ka To­bler und Haupt­kom­mis­sar Frie­de­mann Berg spie­len. Lö­bau hat gro­ßes ko­mö­di­an­ti­sches Ta­lent, wie Zu­schau­er der ZDF-Sit­com „Ler­chen­berg“oder der „Müt­ter-Ma­fia“wis­sen.

Doch die Wahl des neu­en Stand­orts dürf­te vie­le Be­ob­ach­ter über­rascht ha­ben: Zwar be­fin­det sich das Po­li­zei­prä­si­di­um – wie in der Rea­li­tät auch – in Frei­burg, aber die Fäl­le sol­len in der ge­sam­ten Schwarz­wald-Re­gi­on spie­len. SWRIn­ten­dant Pe­ter Boud­goust sag­te zu der Ent­schei­dung: „In der lan­gen ,Tat­ort’-Ge­schich­te des SWR ist das neue Team das ers­te, das ei­ne gan­ze Re­gi­on be­spie­len und maß­geb­lich im länd­li­chen Raum er­mit­teln wird. Da­mit bil­det es ei­nen Kon­trast zu den bei­den Teams aus Stuttgart und Lud­wigs­ha­fen, die ih­re Fäl­le vor al­lem im ur­ba­nen Raum lö­sen.“

Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te der SWR an­ge­kün­digt, den „Tat­ort“aus Konstanz mit Haupt­dar­stel­le­rin Eva Mat­tes im kom­men­den Jahr nach 14 Jah­ren zu be­en­den. Frei­burg, Ulm, Mann­heim, Hei­del­berg, Ba­den-Ba­den und Karls­ru­he hat­ten sich als neue Stand­or­te ins Ge­spräch ge­bracht. Der Ge­schäfts­füh­rer der Schwarz­wald Tou­ris­mus Gm­bH, Chris­to­pher Krull, er­klär­te nun, mehr als 100 Orts­bür­ger­meis­ter hät­ten Frei­burg als neu­en Stand­ort un­ter­stützt. Der süd­li­che Schwarz­wald mit sei­nem Wech­sel aus Stadt und Land, Re­ben und Wald sei ei­ne her­vor­ra­gen­de Ku­lis­se für ei­ne „kraft­vol­le Se­rie“.

Auf Au­gen­hö­he, so der SWR, soll das neue Duo er­mit­teln. Die Po­li­zei­ar­beit wer­de im Mit­tel­punkt ste­hen; auch ih­ren Vor­ge­setz­ten wüss­ten die bei­den ein­zu­schät­zen, heißt es. Haupt­kom­mis­sar Berg ist tief in sei­ner Hei­mat ver­wur­zelt und kann sich vom Hof sei­ner El­tern nicht tren­nen, ob­wohl er längst nicht mehr dort lebt. To­bler ist an­ders als ihr Kol­le­ge ver­hei­ra­tet.

Bei­de Schau­spie­ler ha­ben wie Schmidt ei­nen Be­zug zur Re­gi­on: Die ös­ter­rei­chi­sche Schau­spie­le­rin Eva Lö­bau wur­de 1972 in Wai­b­lin­gen ge­bo­ren und wirk­te in Ne­ben­rol­len in meh­re­ren „Tat­or­ten“mit. Der 1968 in Tü­bin­gen ge­bo­re­ne Wa­gner war eben­falls schon in meh­re­ren Fol­gen der ARD-Kri­mi­rei­he zu se­hen, seit 2012 spielt er zu­dem an der Sei­te sei­ner Na­mens­ge­fähr­tin Li­sa Wa­gner in den ZDF-Kri­mis von „Kom­mis­sa­rin Hel­ler“.

Ei­ne vier­te wich­ti­ge Rol­le, die laut SWR noch nicht be­setzt ist, ver­voll­stän­digt das neue Team: Jo­han­nes Schöll­ham­mer, Sohn von Kri­mi­nal­ober­rat Schöll­ham­mer, ist Ge­richts­me­di­zi­ner in Frei­burg und hat mit der Au­to­ri­tät sei­nes Va­ters, der zu­gleich sein Chef ist, Pro­ble­me. Ge­richts­me­di­zi­ner? Auch das er­in­nert ir­gend­wie an Müns­ter.

FOTO: DPA

Das neue Team des „Tat­ort Schwarz­wald“: Ha­rald Schmidt (l.) als Kri­mi­nal­ober­rat Ger­not Schöll­ham­mer, Eva Lö­bau als Haupt­kom­mis­sa­rin Fran­zis­ka To­bler und Hans-Jo­chen Wa­gner als Haupt­kom­mis­sar Frie­de­mann Berg.

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