EU will di­gi­ta­le Schlag­bäu­me ab­schaf­fen

Die EU-Kom­mis­si­on stellt heu­te ih­re Ge­set­zes­vor­schlä­ge für den di­gi­ta­len Bin­nen­markt vor. Es geht auch um mehr Ver­brau­cher­schutz beim Online-Han­del. In Ber­lin wird un­ter­des­sen wei­ter über den Breit­band­aus­bau ge­strit­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON JU­LIA BOSCH, JAN DREBES, GREGOR MAYNTZ UND THO­MAS REI­SE­NER

BER­LIN/BRÜSSEL Für deut­sche Ur­lau­ber ist es ein wie­der­keh­ren­des Är­ger­nis: Zu­hau­se abon­nie­ren sie den Be­zahl­sen­der Sky, doch auf Mallor­ca kön­nen sie Bun­des­li­ga­Spie­le trotz In­ter­net­ver­bin­dung nicht emp­fan­gen. Geo­blo­cking wird die­se Pra­xis der An­bie­ter ge­nannt, der die EU den Kampf an­ge­sagt hat.

Heu­te legt Di­gi­tal­kom­mis­sar Gün­ter Oet­tin­ger in Brüssel die ers­ten Ge­set­zes­vor­schlä­ge vor, die es Nut­zern ein­fa­cher ma­chen sol­len. Ne­ben ei­ner Auf­wei­chung des Geo­blo­ckings bei kos­ten­pflich­ti­gen Di­ens­ten soll es auch um ei­ne Ver­ein­heit­li­chung von Ver­brau­cher­schutz­stan­dards ge­hen.

Da­bei will die EU-Kom­mis­si­on es An­bie­tern wie et­wa Sky vor­schrei­ben, dass sie ih­re An­ge­bo­te grenz­über­grei­fend zu­gäng­lich ma­chen müs­sen. Vor­ga­ben zur Qua­li­tät, in der sie Di­ens­te im Aus­land an­bie­ten, soll es vor­erst aber nicht ge­ben.

„Die schnel­le Zu­nah­me von di­gi­ta­len An­bie­tern und der stei­gen­de Nut­zen von trag­ba­ren Ge­rä­ten auch über Gren­zen hin­weg zeigt die Er­war­tung der Eu­ro­pä­er, On­li­ne­diens­te von übe­r­all nut­zen zu kön­nen, wo man ge­ra­de ist”, heißt es in ei­nem Ent­wurf des Pa­piers der Brüs­se­ler Be­hör­de. Be­vor die Ge­set­zes­vor­schlä­ge um­ge­setzt wer­den kön­nen, müs­sen das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment und der EU-Mi­nis­ter­rat zu­stim­men, be­vor die­se um­ge­setzt wer­den kön­nen.

Die ge­plan­ten Ge­set­ze im Be­reich Geo­blo­cking wer­den je­doch nicht für al­le An­bie­ter gel­ten. „Ich be­fürch­te, dass es auch in na­her Zu­kunft nicht mög­lich sein wird, Fuß­ball­spie­le, die ARD oder ZDF über­tra­gen, im eu­ro­päi­schen Aus­land an­zu­schau­en”, sagt die EU-Ab­ge­ord­ne­te Eve­ly­ne Geb­hardt. Dies lie­ge an Li­zen­zen der Sport­ver­bän­de. Auch Platt­for­men wie Youtu­be, die durch Wer­be­ein­nah­men fi­nan­ziert wer­den, wer­den wohl wei­ter­hin ge­wis­se Sper­ren bei­be­hal­ten.

Ne­ben den Ent­wür­fen zu Geo­blo­cking stellt die Kom­mis­si­on auch ei­nen Vor­schlag zur Ver­ein­heit­li­chung von Ver­brau­cher­schutz­stan­dards vor. Bis­lang ist es so, dass online meist kür­ze­re Ga­ran­tie­zei­ten gel­ten als bei ei­nem Kauf im La­den. Da­ge­gen gel­ten im Netz häu­fig län­ge­re Rück­nah­me­zei­ten: Die­se Rech­te sol­len bei phy­si­schen Gü­tern, al­so et­wa bei Klei­dung oder Haus­halts­ge­rä­ten, ver­ein­heit­licht wer­den. Gleich­zei­tig soll Un­ter­neh­men der Online-Ver­kauf über Gren­zen hin­weg er­leich­tert wer­den. So bie­ten laut der Kom­mis­si­on bis­her 39 Pro­zent der Online-Händ­ler auf­grund der ver­schie­de­nen na­tio­na­len Rechts­grund­la­gen kei­nen grenz­über­grei­fen­den Ver­kauf an.

In Ber­lin gibt es un­ter­des­sen er­neut Zwist über den Breit­band­aus­bau. Der stell­ver­tre­ten­de CDU-Vor­sit­zen­de Tho­mas Strobl will beim Bun­des­par­tei­tag die flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung Deutsch­lands mit schnel­lem In­ter­net ein­klag­bar ma­chen. „Der Rechts­an­spruch un-

Tho­mas Strobl stellv. CDU-Vor­sit­zen­der ter­streicht un­se­re Ent­schlos­sen­heit, in­ner­halb ei­ner über­schau­bar kur­zen Zeit je­den mit schnel­lem In­ter­net­zu­gang zu ver­sor­gen“, sag­te Strobl und gab sich op­ti­mis­tisch, bis 2018 tat­säch­lich die ver­spro­che­nen 50 Mbit pro Se­kun­de flä­chen­de­ckend an­bie­ten zu kön­nen.

Doch an­schei­nend hält die CDU die von der ei­ge­nen Re­gie­rung un­ter Fe­der­füh­rung vom Bun­des­mi­nis­ter für di­gi­ta­le In­fra­struk­tur, Alex­an­der Do­brindt (CSU), ge­mach­ten Ver­spre­chun­gen für zu ehr­gei­zig. Denn nun emp­fahl die CDU-An­trags­kom­mis­si­on dem am Mon­tag in Karls­ru­he be­gin­nen­den Par­tei­tag, auf den Rechts­an­spruch zu ver­zich­ten. „Wir müs­sen als CDU glaub­wür­dig ver­si­chern, dass wir nicht nur vom schnel­len In­ter­net re­den, son­dern es auch ma­chen“, er­klär­te hin­ge­gen Strobl. Es sei schließ­lich auch ge­lun­gen, ins letz­te Schwarz­wald­haus Te­le­fon zu le­gen. „Wir schaf­fen das.“Ex­per­ten sind je­doch skep­tisch, ob die Zie­le der Bun­des­re­gie­rung er­reich­bar sind.

Der CDU-In­ter­net­ex­per­te Tho­mas Jar­zom­bek will Strobl den­noch bei der Durch­set­zung des ur­sprüng­li­chen An­trags­tex­tes un­ter­stüt­zen. Er ver­wies dar­auf, dass vie­le Bür­ger­meis­ter und De­le­gier­te aus länd­li­chen Re­gio­nen beim Par­tei­tag sei­en. „Sie al­le müs­sen die Fra­ge be­ant­wor­ten, ob wir für das schnel­le In­ter­net Geld aus­ge­ben wol­len – das ist ei­ne Prio­ri­tä­ten­set­zung“, so Jar­zom­bek. Mit den lau­fen­den Pro­gram­men wer­de es nicht ge­lin­gen, ganz Deutsch­land zu­kunfts­fä­hig zu ma­chen. We­gen der neu­en Tech­nik dro­he viel­mehr die Ge­fahr, dass Stadt und Land beim In­ter­net­zu­gang wei­ter aus­ein­an­der­fal­len.

„Nicht nur vom schnel­len In­ter­net re­den, son

dern es ma­chen“

FOTO: ACTION PRESS

Blick in das Ama­zon-Ver­teil­zen­trum im bri­ti­schen Hemp­s­tead: Die EU-Kom­mis­si­on will ein­heit­li­che Ga­ran­tie­re­geln in Deutsch­land.

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