Deut­sche ver­drän­gen The­ma Er­be

Je­der zwei­te Bun­des­bür­ger erbt, ins­ge­samt sol­len es 3,1 Bil­lio­nen Eu­ro bis 2024 sein. Den­noch sind die Be­rüh­rungs­ängs­te laut ei­ner Stu­die der Deut­schen Bank groß. Vie­le fin­den das Er­brecht kom­pli­ziert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON LUD­WIG KRAU­SE

DÜSSELDORF Spre­chen Sie noch mit­ein­an­der, oder ha­ben Sie schon ge­erbt? Der al­te Witz un­ter An­wäl­ten be­stä­tigt sich nach wie vor: In 17 Pro­zent al­ler Erb­schafts­fäl­le gibt es Streit. Das ist ein Er­geb­nis der re­prä­sen­ta­ti­ven Stu­die „Er­ben und Ver­er­ben“vom In­sti­tut für De­mo­sko­pie Al­lens­bach im Auf­trag der Deut­schen Bank. „Erb­strei­tig­kei­ten sind mit die schlimms­ten, die es gibt“, sagt Gui­do Hol­ler, Fach­an­walt für Erb- und Steu­er­recht von der Düsseldorf An­walts­kanz­lei Tig­ges. „Häu­fig wer­den da­bei näm­lich gan­ze Fa­mi­li­en­ge­schich­ten auf­ge­ar­bei­tet, un­ab­hän­gig da­von, wie hoch das Er­be ist.“

In Deutsch­land wird so viel ver­erbt, wie noch nie. Laut Schät­zun­gen des Deut­schen In­sti­tuts für Al­ters­vor­sor­ge sind es bis zum Jahr 2024 et­wa 3,1 Bil­lio­nen Eu­ro an Pri­vat­ver­mö­gen. Doch ob­wohl je­der zwei­te Bun­des­bür­ger be­reits ge­erbt hat oder in Zu­kunft ei­ne Erb­schaft er­war­tet, ist das The­ma in der Fa­mi-

3% er­war­te Erb­schaft we­der noch lie häu­fig noch ta­bu. Mehr als die Hälf­te (58 Pro­zent) der 1651 Be­frag­ten der Deut­sche-Bank-Stu­die gibt an, sich nur un­gern mit dem The­ma zu be­schäf­ti­gen.

Ei­ne Rol­le spielt da­bei die Scheu vor der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem ei­ge­nen Tod – aber auch mit dem kom­ple­xen deut­schen Er­brecht. Mehr als drei Vier­tel emp­fin­den das der Stu­die zu­fol­ge als zu kom­pli­ziert. Die Fol­ge: Über die Hälf­te der Deut­schen hat kein Tes­ta­ment, bei den un­ter 50-Jäh­ri­gen sind es so­gar nur ma­ge­re zwölf Pro­zent. „Ein Pro­blem“, sagt Tho­mas Krebs, Spe­zi­al­be­ra­ter Ver­mö­gen für Ge­ne­ra­tio­nen der Deut­schen Bank. „Die Be­deu­tung ei­nes Tes­ta­ments wird be­son­ders bei Jün­ge­ren häu­fig un­ter­schätzt. Um auf Num­mer si­cher zu ge­hen, soll­te man sich schon früh­zei­tig mit dem The­ma aus­ein­an­der­set­zen“, sagt Krebs. Die ers­te Wahl bleibt das „Ber­li­ner Tes­ta­ment“: Da­bei ma­chen Ehe­gat­ten ein ge­mein­schaft­li­ches Tes­ta­ment; Kin­der wer­den beim Erb­fall des ers­ten El­tern­teils aus­ge­schlos­sen.

Bei der Fra­ge, was über­haupt ver­erbt wird, ge­stal­tet sich die La­ge im­mer un­über­sicht­li­cher. Et­wa 86 Pro­zent der Be­frag­ten er­war­ten, dass es we­gen stei­gen­der Kos­ten für Ge­sund­heit und Pfle­ge im Al­ter zu­künf­tig sel­te­ner et­was zu er­ben gibt. Geld macht zwar auch auf ab­seh­ba­re Zeit den Groß­teil des Er­bes aus, geht ten­den­zi­ell aber zu­rück. Die Zahl von zu ver­er­ben­den Grund­stü­cken und Im­mo­bi­li­en wächst, da­zu kommt ein ge­stie­ge­ner An­teil an Wert­pa­pie­ren und Schmuck, aber auch an Ver­bind­lich­kei­ten oder Schul­den. „Auch da­bei müs­sen Be­trof­fe­ne gut in­for­miert sein, um zu wis­sen, wann und wie sie vom Er­be Ab­stand neh­men soll­ten“, sagt An­walt Gui­do Hol­ler.

Zu­min­dest in ei­nem sind sich die Be­frag­ten ei­nig: in der Wunsch­vor­stel­lung, wie der Erb­fall aus­se­hen soll. Die deut­li­che Mehr­heit wünscht, dass es kei­nen Streit um das Er­be gibt, die Auf­tei­lung klar ge­re­gelt wird und kei­ne Schul­den über­nom­men wer­den müs­sen. Die Rea­li­tät ist oft ei­ne an­de­re.

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