Der Rhein ist stark mit Plas­tik­teil­chen be­las­tet

Nach­dem der Strom ent­gif­tet wur­de, alar­miert Plas­tik­müll die An­rai­ner. Am meis­ten be­las­tet sind die Ab­schnit­te bei Rees.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN -

BA­SEL (dpa) Der Rhein ge­hört nach Er­kennt­nis­sen Schwei­zer Wis­sen­schaft­ler zwi­schen Ba­sel und Rot­ter­dam zu den welt­weit am stärks­ten mit Plas­tik­teil­chen ver­un­rei­nig­ten Ge­wäs­sern. Be­son­ders vie­le die­ser Mi­kro­tei­le fan­den sich im Ruhr­ge­biet, be­rich­ten For­scher der Uni­ver­si­tät Ba­sel in der Fach­zeit­schrift „Sci­en­ti­fic Re­ports“. „Die Kon­zen­tra­tio­nen von Mi­kro­plas­tik im Rhein lie­gen da­mit im Be­reich der höchs­ten Kon­zen­tra­tio­nen der bis­her welt­weit un­ter­such­ten Ge­wäs­ser“, sagt die Lei­te­rin der Stu­die, die Bio­lo­gin Patri­cia Holm.

Am Rh­ein­knie in Ba­sel sei die Be­las­tung noch leicht un­ter je­ner des Gen­fer­sees, in der Rhein-Ruhr-Re­gi­on sei sie hin­ge­gen zehn­mal hö­her. In den Welt­mee­ren bil­de Plas­ti­k­ab­fall längst rie­si­ge trei­ben­de In­seln. Zahl­rei­che Or­ga­nis­men näh­men die Mi­kro­tei­le auf. Plas­tik­tei­le von 0,3 bis 5 Mil­li­me­ter fin­den sich dem­nach in­zwi­schen in fast al­len Ge­wäs­sern. „Sie tre­ten als Zwi­schen­pro­dukt bei der Kunst­stoff­her­stel­lung so­wie als Gra­nu­lat in Rei­ni­gungs- und Pfle­ge­pro­duk­ten auf und ent­ste­hen bei der Zer­set­zung grö­ße­rer Plas­tik­tei­le in der Um­welt“, er­klä­ren die For­scher. Auf dem Was­ser trei­ben­der Plas­tik­müll sieht nicht schön aus, die Mi­ni­par­ti­kel be­rei­ten den For­schern aber weit grö­ße­re Sor­gen: Je klei­ner sie sind, des­to leich­ter kön­nen sie von Tie­ren auf­ge­nom­men wer­den.

In Wür­mern, Schne­cken, Mu­scheln, Was­ser­flö­hen und Mu­schel­kreb­sen lie­ßen sich be­reits auf­ge­nom­me­ne Mi­kro­par­ti­kel nach­wei­sen. Ge­fähr­lich ist vor al­lem, dass die Par­ti­kel Schad­stof­fe ent­hal­ten und an­rei­chern kön­nen. Pes­ti­zi­de zäh­len da­zu, Po­ly­chlo­rier­te Bi­phe­nyle (PCB) und Po­ly­cy­cli­sche aro­ma­ti­sche Koh­len­was­ser­stof­fe (PAK). Ih­re Kon­zen­tra­ti­on kann in den Plas­tik­par­ti­keln bis zu 100.000-fach hö­her sein als in der Um­ge­bung.

Der Rhein sei der ers­te gro­ße Mee­res­zu­fluss, der auf Plas­ti­k­ab­fall un­ter­sucht wur­de, hieß es wei­ter. An­de­re For­schen­de hät­ten zu­vor Ozea­ne, Se­en und klei­ne­re Flüs­se un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Die Wis­sen­schaft­ler ent­nah­men bis zur Rhein­mün­dung na­he Rot­ter­dam an elf Stand­or­ten ins­ge­samt 31 Pro­ben an der Fluss­ober­flä­che. Da­bei wur­de Mi­kro­plas­tik in ei­ner durch­schnitt­li­chen Kon­zen­tra­ti­on von 892.777 Par­ti­keln pro Qua­drat­ki­lo­me­ter ge­fun­den. Zwi­schen Ba­sel und Mainz wa­ren es 202.900 Par­ti­kel. In der Ge­gend um Köln 714.053 und im Rhein-Ruhr-Raum im Mit­tel 2,3 Mil­lio­nen Par­ti­kel.

Der Spit­zen­wert von 3,9 Mil­lio­nen Par­ti­keln pro Qua­drat­ki­lo­me­ter wur­de in Rees ge­mes­sen, rund 15 Ki­lo­me­ter vor der nie­der­län­di­schen Gren­ze. Wei­ter meer­wärts san­ken die Mi­kro­plas­tik-Wer­te wie­der. Rech­ne man den Spit­zen­wert von Rees hoch, so brin­ge der Rhein je­den Tag 191 Mil­lio­nen Par­ti­kel zum At­lan­tik, was sich auf zehn Ton­nen im Jahr sum­mie­re, er­klär­te Holm.

Zur Her­kunft des Plas­ti­k­ab­falls wer­den in der Stu­die kei­ne An­ga­ben ge­macht. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on des Ur­sprungs­ma­te­ri­als sei schwie­rig, sag­te Stu­di­en-Er­st­au­tor Tho­mas Ma­ni. Auf­fäl­lig ist, dass ne­ben Fa­sern und Frag­men­ten vor al­lem Plas­tik­kü­gel­chen auf­ge­fun­den wur­den. Die­se mach­ten bei Duis­burg mehr als 60 Pro­zent der Be­las­tung aus. Die Kü­gel­chen sei­en sehr rein, klei­ner als han­dels­üb­li­che Plas­ti­kroh­stof­fGra­nu­la­te. Da kaum ei­ne Fir­ma ei­ne Ver­schmut­zung frei­wil­lig zu­ge­be, ste­he hier noch De­tek­tiv­ar­beit an.

FOTO: THO­MAS MA­NI/UNI BA­SEL

Je klei­ner die Plas­tik­teil­chen sind, des­to ge­fähr­li­cher sind sie für Tie­re.

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