Rot­ter­dam – Hol­lands Man­hat­tan an der Maas

Die nie­der­län­di­sche Me­tro­po­le hat Be­su­chern viel zu bie­ten. Sie hat sich zu ei­nem Ma­gne­ten für die jun­ge und hip­pe Sze­ne ent­wi­ckelt, be­geis­tert aber auch Lieb­ha­ber mo­der­ner Ar­chi­tek­tur.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON DAGMAR HAAS-PILWAT

Eu­ro­pas größ­te Ha­fen­stadt, die im­mer im Schat­ten ih­rer mu­sea­len Nach­ba­rin Ams­ter­dam stand, hat sich neu er­fun­den, punk­tet als Welt­stadt mit in­no­va­ti­ver Ar­chi­tek­tur, ge­wag­ter Kunst und ei­nem span­nen­den Nacht­le­ben. Nicht so ro­man­tisch wie Ams­ter­dam oder Ut­recht mit Grach­ten und put­zi­gen Back­stein­häu­sern, ist Rot­ter­dam ganz an­ders als al­le an­de­ren Städ­te der Nie­der­lan­de. Wo kann man gut und güns­tig über­nach­ten? Das Ho­tel Nhow liegt am Wil­hel­mi­na-Pier di­rekt am Was­ser ne­ben dem be­rühm­ten De Rot­ter­dam, ent­wor­fen vom Ar­chi­tek­ten Rem Kool­haas. Übe­r­all im Ho­tel fin­den sich Wer­ke lo­ka­ler Künst­ler, die Zim­mer mit ih­ren raum­ho­hen Fens­tern bie­ten ei­ne groß­ar­ti­ge Aus­sicht auf die Stadt, den Fluss und die Eras­mus­brü­cke. Zen­tral und güns­tig, kei­ne fünf Geh­mi­nu­ten vom Haupt­bahn­hof ent­fernt, sind die Über­nach­tun­gen un­ter dem Hos­tel-Dach von Ani und Hak­ki­en. Was gibt es Neu­es zu ent­de­cken? Ein­zig­ar­tig ist die 2014 fer­tig­ge­stell­te „Mark­thal“: 120 Me­ter lang, 70 Me­ter breit und elf Stock­wer­ke hoch. „Hier könn­te selbst ein Jum­bo-Jet be­quem ein­par­ken“, sa­gen die Rot­ter­da­mer. Mit 11.000 Qua­drat­me­tern, al­so ei­ner Flä­che von zwei Fuß­ball­fel­dern, ist es das größ­te Kunst­werk der Nie­der­lan­de, ge­baut von den Rot­ter­da­mer Ar­chi­tek­ten von MVRDV. Die Markt­hal­le ist der ers­te über­dach­te Groß­markt und die ers­te mit Ap­par­te­ments, denn sie ist zu­gleich ei­ne Wohn­hal­le. Nicht kle­ckern, son­dern klot­zen – das gilt auch für den neu­en fu­tu­ris­ti­schen Haupt­bahn­hof. Wie ein Keil ragt das silb­rig glän­zen­de Stahl­dach aus dem Bo­den. Wel­ches Mu­se­um muss man ge­se­hen ha­ben? Für Lieb­ha­ber his­to­ri­scher Kunst ein Muss: das Boi­j­mans Van Beu­nin­gen. Das Mu­se­um be­her­bergt Meis­ter­wer­ke von Bosch, Brue­gel, Ru­bens, Rem­brandt, Van Gogh, Mag­rit­te und Dalí. Auch das Ge­bäu­de selbst, das dem Bom­bar­de­ment von 1940 wi­der­stand, ist se­hens­wert. Ge­gen­über im Neu­en In­sti­tut spie­len De­sign und In­no­va­ti­on – in den Be­rei­chen Ar­chi­tek­tur, De­sign und e-cul­tu­re – die Haupt­rol­le. Un­weit vom Mu­se­ums­park liegt die Kunst­hal­le in ei­nem auf­fäl­li­gen Ge­bäu­de von Rem Kool­haas. Das Mu­se­um oh­ne ei­ge­ne Samm­lung prä­sen­tiert jähr­lich rund 25 Aus­stel­lun­gen. Wel­che Re­stau­rants und Ca­fés sind zu emp­feh­len? Was macht man mit ei­nem rie­si­gen lee­ren Pool? In den hei­ßes­ten Treff­punkt von Rot­ter­dam ver­wan­deln. Die Alo­ha Bar (Maas­bou­le­vard 100) bie­tet Bio-Le­bens­mit­tel, selbst ge­rös­te­ten Kaf­fee und star­ke Gin To­nics. Der Blick auf die Sky­line und die Maas ist her­vor­ra­gend. Ka­ter­früh­stück oder ein spä­tes Es­sen? Kein Pro­blem im Nieuw Rot­ter­dam Ca­fé (Witte De With­straat 63). Das Blen­der (Schie­dam­se Vest 91) ist Cock­tail­bar, Re­stau­rant und Club in ei­nem. Die Fenix Food Fac­to­ry (Ver­la­an 19 D) ist ein über­dach­ter Markt in ei­ner al­ten Werft­hal­le. Im Re­stau­rant De Jong (Ram­po­ort­straat 38) in ei­nem Ei­sen­bahn­bo­gen gibt es nur zwei Me­nüs, eins mit Fisch/ Fleisch, eins Ve­ge­ta­risch – krea­tiv und köst­lich. Bo­k­aal (Nieu­we­markt 11), ist der La­den mit der größ­ten Bier­aus­wahl, dar­un­ter elf un­ter­schied­li­che aus dem Zapf­hahn und 80 ver­schie­de­ne Fla­schen­bie­re. Was gibt es für Nacht­schwär­mer? Vor al­lem im Stadt­teil Witte de With­straat steppt abends der Bär. In den 70er und 80er Jah­ren noch ein Pro­blem­vier­tel hat sich die­ser Stadt­teil in­zwi­schen zu ei­ner der ers­ten Aus­geh-Adres­sen ge­macht, vol­ler ge­müt­li­cher Ca­fés, hip­per Bars, Clubs und Re­stau­rants. Das Ca­fé De Witte Aap (Wei­ßer Af­fe) ist laut Rei­se­füh­rer „Lo­nely Pla­net“die bes­te Bar der Welt. Wo kann man gut ein­kau­fen? In Rot­ter­dam ge­fer­tig­te Kunst, Mo­de, Bü­cher, De­sign und De­li­ka­tes­sen bie­tet der Con­cept-Store „Groos“(Schicka­de 203). Groos ist üb­ri­gens ein al­tes nie­der­län­di­sches Wort für Stolz. Sta­ti­on Hof­plein (Raam­po­ort­straat 30) in den ehe­ma­li­gen Brü­cken­bö­gen am En­de des Lucht­sin­gel ist brand­neu und be­steht aus 2500 Qua­drat­me­tern Flä­che für Ge­schäf­te und Gas­tro­no­mie, dar­un­ter ei­ne Jazz-Bar und Re­stau­rants von jun­gen Meis­ter­kö­chen. Yuc­cies (Young Ur­ban Crea­ti­ves) ha­ben auf dem Dach Ge­mü­se- und Kräu­ter­gär­ten an­ge­legt, die Ern­te lan­det di­rekt in den Töp­fen der Kö­che. Wel­che Se­hens­wür­dig­kei­ten loh­nen sich? Ei­nes der Wahrzeichen von Rot­ter­dam sind die von Piet Blom 1984 ent­wor­fe­nen Ku­bus­häu­ser mit­ten im Zen­trum. 40 ge­wöhn­li­che Häu­ser – al­le be­wohnt – wur­den um 45 Grad ge­neigt. Auf der Halb­in­sel Kop van Zuid am Süd­ufer der Maas ha­ben Star­ar­chi­tek­ten Hochäu­ser hin­ge­setzt, un­ter an­de­rem der Nie­der­län­der Rem Kool­haas ei­nen spek­ta­ku­lär ver­schach­tel­ten Drei-Tür­meRie­sen aus Stahl und Glas. 150 Me­ter hoch ist das Ge­bäu­de und trägt den Na­men De Rot­ter­dam. Den bes­ten Blick hat man von der Eras­mus-Brü­cke aus.

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