Be­schä­mend

Rheinische Post Moenchengladbach - - MÖNCHENGLADBACH - Frank Rieth No­gat­stra­ße 18

Wel­ches Bild ver­mit­teln wir den von Krieg ver­trie­be­nen Men­schen, wenn wir sie hier emp­fan­gen und in ein­ge­zäun­te La­ger ste­cken? Ist das Will­kom­mens­kul­tur? Durch die ca. al­le fünf Me­ter in Dach­hö­he an­ge­brach­ten Leucht­strah­ler ver­stärkt sich der un­ge­müt­li­che La­ger­cha­rak­ter noch. Ich füh­le mich an äl­te­re Hol­ly­wood-Fil­me er­in­nert, in de­nen in sol­chen La­gern Kriegs­ge­fan­ge­ne un­ter­ge­bracht wa­ren. Wir wol­len die Men­schen in­te­grie­ren, sa­gen die Ver­ant­wort­li­chen, und dann so ein Emp­fang! Die Ver­ant­wort­li­chen für die­se Bau­wei­se soll­ten sich viel­leicht mit Psy­cho­lo­gen un­ter­hal­ten, was die­se Ka­ser­nie­rung bei zum größ­ten Teil eh schon trau­ma­ti­sier­ten Men­schen aus­löst. Fehlt bloß noch, dass man den Men­schen vor­schreibt, ob und wann sie die An­la­ge ver­las­sen dür­fen und „Aus­gang“ha­ben. Ich schä­me mich für die­se Art der Un­ter­brin­gung! Zum Schluss ei­ne Be­mer­kung zum In­te­gra­ti­ons­wil­len vie­ler Ver­ant­wort­li­cher. Sie spre­chen von gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen und In­te­gra­ti­on der Flücht­lin­ge, han­deln dann aber oft kon­tra­pro­duk­tiv. War­um bringt man die Flücht­lin­ge über­wie­gend in Rand­ge­bie­ten un­ter? Stö­ren sie? Ne­ben dem Min­to steht das al­te Fi­nanz­amt leer. Dort wä­ren die Flücht­lin­ge mit­ten im Le­ben, ei­ne In­te­gra­ti­on wür­de er­leich­tert. Aber das stört viel­leicht Ge­schäfts­leu­te und Po­li­ti­ker, die ums Image der Ein­kaufs­mei­le be­sorgt sind.

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