Bo­rus­sia ver­spielt Eu­ro­pa in Schluss­pha­se

Durch das 2:4 bei Man­ches­ter Ci­ty schei­den die Glad­ba­cher als Grup­pen­letz­ter aus der Cham­pi­ons Le­ague aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

MAN­CHES­TER Das ist ganz bit­ter. Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach hat trotz ei­ner 2:1-Füh­rung bei Man­ches­ter Ci­ty mit 2:4 ver­lo­ren und da­mit den Ein­zug in die Eu­ro­pa Le­ague ver­spielt. Nach ei­ner groß­ar­ti­gen ers­ten Halb­zeit schien der Mann­schaft von Trai­ner An­dré Schu­bert der Sieg und das da­mit ver­bun­de­ne Über­win­tern in Eu­ro­pa si­cher zu sein. Doch in der Schluss­pha­se dreh­te „Ci­ty“das Spiel – zu­vor hat­te der FC Se­vil­la das 1:0-Sieg­tor ge­gen Ju­ven­tus Tu­rin er­zielt. Da­mit scho­ben sich die An­da­lu­si­er an den Bo­rus­sen vor­bei auf den drit­ten Platz. Bo­rus­sia hat sich lan­ge teu­er ver­kauft. Und am En­de bin­nen fünf Mi­nu­ten al­les ver­lo­ren. Es ist der ers­te Rück­schlag in Schu­berts Amts­zeit. „Uns ist am En­de die Sta­bi­li­tät ab­han­den ge­kom­men – aber gro­ßen Re­spekt an mein Team“, sag­te der Coach.

Die Bo­rus­sen hat­ten sich für den Abend vor­ge­nom­men, nicht nach Se­vil­la schau­en zu müs­sen. Sie woll­ten den Wech­sel in die Eu­ro­pa-Le­ague aus ei­ge­ner Kraft schaf­fen, hat­te Schu­bert an­ge­kün­digt. Im Ver­gleich zum be­acht­li­chen 3:1 ge­gen die Bay­ern hat­te er sein Team per­so­nell nicht ver­än­dert, wohl aber tak­tisch: Bo­rus­sia kehr­te zu­rück zum üb­li­chen 4-4-2-Sys­tem – nur, dass der etat­mä­ßi­ge Rechts­ver­tei­di­ger Ju­li­an Korb die­ses Mal vorn auf der Au­ßen­bahn spiel­te.

Bo­rus­sia hat im Bay­ern-Spiel of­fen­bar nicht nur drei Punk­te ein­ge­sam­melt, son­dern auch reich­lich Selbst­ver­trau­en. Denn ges­tern gin­gen die Glad­ba­cher bei der „teu­ers­ten Mann­schaft der Welt“(Sport­di­rek­tor Max Eberl) recht un­be­ein­druckt zu Wer­ke. Bo­rus­sia hat­te zwi­schen­zeit­lich er­staun­li­che 64 Pro­zent Ball­be­sitz. Sie ver­tei­dig­te hoch und flöß­te dem Geg­ner so spür­bar Re­spekt ein.

Da auch die 4000 Bo­rus­sen-Fans, die nach Nord­eng­land mit­ge­reist wa­ren, die Ge­s­angs­ho­heit hat­ten in der spe­zi­el­len, aber nur punk­tu­ell auf­brau­sen­den At­mo­sphä­re im Eti­had-Sta­di­on, glich das Ge­sche­hen zeit­wei­se ei­nem Heim­spiel. Bis zur 16. Mi­nu­te. Da kom­bi­nier­te „Ci­ty“auf rechts toll. Ra­heem Ster­ling schick­te Da­vid Sil­va auf die Rei­se und der knall­te den Ball un­ters Tor­dach zum 1:0. Es war der ein­zi­ge Tor­schuss, den Bo­rus­sia in Halb­zeit eins zu­ließ.

Glad­bachs Stand­fes­tig­keit ist be­mer­kens­wert: Nur drei Mi­nu­ten nach dem Rück­stand fiel das 1:1 – durch den Neu-Au­ßen Korb, der nach ei­ner Vor­la­ge von Fa­bi­an John­son prä­zi­se ab­schloss. Da­mit nicht ge­nug. Nach 43 Mi­nu­ten wa­ren die Bo­rus­sen-Freun­de end­gül­tig se­lig: Os­car Wendts schar­fe Her­ein­ga­be, ver­län­ger­te John­son zu Raf­fa­el, der das Spiel­ge­rät ins Tor lenk­te. Die Kom­bi­na­ti­on Wendt, John­son und Raf­fa­el hat­te es schon ge­gen die Bay­ern ge­ge­ben, nur, dass da Wendt fi­na­li­sier­te. Zu­fall ist das si­cher nicht.

Nach der Pau­se dreh­te „Ci­ty“auf. Die zwei­te He­implei­te die­ser Cham­pi­ons-Le­ague-Sai­son woll­ten die Bri­ten dann doch nicht er­le­ben. Bo­rus­sia wur­de nun weit in die ei­ge­ne Hälf­te ge­drängt.

Dann pas­sier­te es im fer­nen An­da­lu­si­en: Se­vil­la schoss das 1:0. Und kurz dar­auf flog ein Schuss von Ra­heem Ster­ling ge­fähr­lich auf das Bo­rus­sen-Tor zu. Doch Yann Som­mers Re­flex ver­hin­der­te das 2:2. „Ci­ty“, nun mit der Chan­ce noch Grup­pen­sie­ger zu wer­den, wur­de im­mer en­er­gi­scher. Bo­rus­si­as Bank war si­cher über die Si­tua­ti­on in­for­miert. Und auch die Fans: „Auf geht´s Glad­bach, kämp­fen und sie­gen“, feu­er­ten sie an. Die Uhr schien nun zu schlei­chen. Mar­vin Schulz und Jo­sip Dr­mic ka­men als fri­sche Kräf­te ins Glad­ba­cher Team, um bei der Mis­si­on „Er­geb­nis­hal­ten für die Eu­ro­pa Le­ague“zu hel­fen.

Doch in der 80. Mi­nu­te ar­bei­te­te Ster­ling ge­nau­er: Nach ei­ner Kom­bi­na­ti­on über rechts glich er aus. Und nur ei­ne Mi­nu­te spä­ter war er er­neut da und schloss ei­nen Kon­ter zum 3:2 (81.) ab. Es kam noch schlim­mer: Wilf­red Bo­ny er­höh­te auf 4:2 (85.). Die Bo­rus­sen wa­ren kon­ster­niert. Nun blieb nur die Hoff­nung auf Tu­rins Aus­gleich. Den gab es nicht. Im letz­ten Spiel der Meis­ter­li­ga war es ei­ne ganz bit­te­re Er­fah­rung. Die Fans fei­er­ten ih­re Bo­rus­sia den­noch mi­nu­ten­lang laut­stark nach dem fest­ste­hen­den Aus­schei­den.

FOTO: AP

Kämp­fe­ri­scher Ein­satz: Glad­bachs Ni­co El­ve­di grätscht ge­gen Aleksan­dar Ko­la­rov (li.). Andre­as Chris­ten­sen und Ju­li­an Korb schau­en zu.

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