Die Zschä­pe-Show

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESS­LER

Je­der noch so ab­scheu­li­che Ver­bre­cher hat An­spruch auf ein rechts­staat­li­ches Ver­fah­ren. Es spielt kei­ne Rol­le, ob der Tä­ter Reue zeigt oder mit den Ge­füh­len der Op­fer oder ih­rer An­ge­hö­ri­gen spielt. Der An­spruch gilt für is­la­mis­ti­sche Mas­sen­mör­der ge­nau­so wie für ver­blen­de­te Na­zis.

Das Ge­richt muss des­halb her­aus­fin­den, in­wie­weit die Haupt­an­ge­klag­te Beate Zschä­pe an den mör­de­ri­schen Ta­ten ih­rer Kom­pli­zen Böhn­hardt und Mund­los be­tei­ligt war. Da­zu sind Akri­bie, Fair­ness und Klug­heit ge­fragt. Mit ih­rer Er­klä­rung hat die Haupt­an­ge­klag­te al­ler­dings we­nig zur Auf­hel­lung der Ta­ten der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ter­ro­ris­ten bei­ge­tra­gen. Die Er­klä­rung war pro­zesstak­tisch be­stimmt, soll­te Zschä­pe in bes­se­rem Licht er­schei­nen las­sen und ih­re Be­tei­li­gung ver­schlei­ern. Es war die gro­ße ZschäpeShow, von Reue und ech­ter Ein­sicht kei­ne Spur.

Die we­ni­gen Hin­wei­se der NSU-Kom­pli­zin soll­te das Ge­richt den­noch auf­neh­men und be­wer­ten. So­dann soll­te es nach gründ­li­cher Ab­wä­gung zü­gig ein Ur­teil spre­chen, um den An­ge­hö­ri­gen der Mord­op­fer end­lich Ge­nug­tu­ung zu ver­schaf­fen. BE­RICHT

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