Flücht­lin­ge er­hal­ten bis zum Som­mer 2016 Aus­wei­se

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK -

BER­LIN (jd) In Deutsch­land re­gis­trier­te Flücht­lin­ge sol­len ei­nen ein­heit­li­chen Aus­weis in Pa­pier­form er­hal­ten. Das hat das Bun­des­ka­bi­nett im Rah­men ei­nes Ge­setz­ent­wurfs zum ver­bes­ser­ten Da­ten­aus­tausch zwi­schen den Be­hör­den be­schlos­sen. Nur mit dem Do­ku­ment, auf dem grund­le­gen­de Da­ten wie Na­me, Ge­burts­da­tum, Staats- und Re­li­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit er­fasst sind, sol­len Flücht­lin­ge künf­tig So­zi­al­leis­tun­gen und Zu­gang zum Asyl­ver­fah­ren er­hal­ten. Ab Som­mer sol­len flä­chen­de­ckend al­le Flücht­lin­ge ein sol­ches Do­ku­ment er­hal­ten.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU), der das Ge­set­zes­vor­ha­ben vor­stell­te, ver­spricht sich von ei­nem ver­bes­ser­ten Da­ten­aus­tausch, dass die Asyl­ver­fah­ren geordneter ver­lau­fen und Miss­brauch ab­ge­stellt wer­de. Wich­tigs­ter Baustein: ei­ne IT-ba­sier­te Da­ten­bank, in der die bei der Er­st­re­gis­trie­rung er­ho­be­nen Da­ten hin­ter­legt wer­den. Da­zu ge­hö­ren ne­ben den Per­so­na­li­en auch Fin­ger­ab­drü­cke, Her­kunfts­land, Kon­takt­da­ten, Ge­sund­heits­in­for­ma­tio­nen wie Imp­fun­gen so­wie An­ga­ben über Aus­bil­dung und Qua­li­fi­ka­ti­on. Zu­gang zu die­sen Da­ten soll künf­tig ne­ben dem Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge, den Aus­län­der­äm­tern und Si­cher­heits­be­hör­den auch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­ten, um et­wa die be­ruf­li­che Ein­glie­de- rung von Flücht­lin­gen mit Blei­be­per­spek­ti­ve zu er­leich­tern. Bis­her ist ein Da­ten­ab­gleich zwi­schen den Be­hör­den nicht mög­lich, oft gibt es Dop­pel­re­gis­trie­run­gen und mehr­fach an­ge­leg­te Pa­pier­ak­ten.

Künf­tig sol­len die Re­gis­trie­rungs­stel­len die nö­ti­gen Ge­rä­te er­hal­ten, um Fin­ger­ab­drü­cke der Flücht­lin­ge mit ei­nem dann zen­tra­len Da­ten­sys­tem ab­zu­glei­chen. So soll auch die Si­cher­heit er­höht wer­den, Ver­däch­ti­ge könn­ten schnel­ler auf­ge­spürt wer­den, hieß es.

Kri­tik am Vor­ha­ben äu­ßer­te die Or­ga­ni­sa­ti­on Pro Asyl. Zwar nann­te Ge­schäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt die Plä­ne nach­voll­zieh­bar. Er wies je­doch dar­auf hin, dass der Da­ten­schutz in Ge­fahr sei, wenn vie­le Be­hör­den Zu­griff auf die per­sön­li­chen Da­ten der Ge­flo­he­nen er­hiel­ten. Der Chef des Bun­des­am­tes für Flücht­lin­ge, Frank-Jür­gen Wei­se, hielt da­ge­gen und sag­te, der Aus­weis sor­ge für mehr Trans­pa­renz.

In Ber­lin hat­te ges­tern das mo­na­te­lan­ge Cha­os bei der Auf­nah­me von Flücht­lin­gen per­so­nel­le Kon­se­quen­zen: Der Prä­si­dent des zu­stän­di­gen Lan­des­amts für Ge­sund­heit und So­zia­les (La­ge­so), Franz Al­lert, trat zu­rück. Das La­ge­so ist die ers­te An­lauf­stel­le für Flücht­lin­ge in Ber­lin. Seit Mo­na­ten ist das Ge­län­de hoff­nungs­los über­füllt; Hun­der­te ste­hen ta­ge­lang drau­ßen in der Käl­te oder in be­heiz­ten Zel­ten an.

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