Spar­kas­sen kip­pen Lu­xus-Pen­sio­nen

Schon nach sechs Jah­ren ha­ben die meis­ten Spar­kas­sen­chefs äu­ßerst üp­pi­ge Lei­b­ren­ten si­cher. Die Ver­bän­de wol­len das än­dern. Da­mit ist neu­er Är­ger pro­gram­miert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS REI­SE­NER

DÜSSELDORF Nach jah­re­lan­ger Kri­tik am Sys­tem der Vor­stands­ver­gü­tung wol­len die bei­den Spar­kas­senDach­ver­bän­de in NRW nun de­ren Al­ters­ver­sor­gung re­for­mie­ren. An die Stel­le ei­ner au­to­ma­ti­schen Lei­b­ren­te, die Spar­kas­sen­vor­stän­den in der Re­gel schon nach sechs Be­rufs­jah­ren zu­steht, soll ab kom­men­dem Jahr ei­ne bei­trags­fi­nan­zier­te Al­ters­ver­sor­gung tre­ten.

Der Un­ter­schied: Dann müs­sen für Vor­stän­de wie für fast al­le Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land Ren­ten­bei­trä­ge ein­ge­zahlt wer­den. Da­mit bau­en sich nen­nens­wer­te An­sprü­che erst nach vie­len Bei­trags­jah­ren Stück für Stück auf und ent­ste­hen nicht wie der­zeit schlag­ar­tig schon nach kur­zer Di­enst­zeit. Für die meis­ten Vor­stän­de al­so ei­ne emp­find­li­che Ein­bu­ße. In ei­nem in­ter­nen Schrei­ben der Spar­kas­sen­ver­bän­de an NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD), das un­se­rer Re­dak­ti­on in Aus­zü­gen vor­liegt, heißt es: „Die Spar­kas­sen­ver­bän­de in NRW un­ter­zie­hen die gül­ti­gen Ver­bän­de­emp­feh­lun­gen aus dem Jahr 1996 ei­ner Über­prü­fung (...). Die­se Er­kennt­nis­se wer­den un­ter an­de­rem mit der Ein­füh­rung ei­ner bei­trags­ori­en­tier­ten Al­ters­ver­sor­gung auf­ge­nom­men.“

Wer als nor­ma­ler Ar­beit­neh­mer gar nichts an­de­res kennt, als sei­ne ge­setz­li­che Ren­te über Bei­trags­zah­lun­gen an die Ren­ten­kas­se zu si­chern, wun­dert sich über die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen für Spar­kas­sen­vor­stän­de. Noch se­hen die Emp­feh­lun­gen der Dach­ver­bän­de, de­nen die Spar­kas­sen fast im­mer fol­gen, fol­gen­des vor: Be­reits ab dem sechs­ten Jahr steht Top-Ban­kern ei­ne le­bens­lan­ge So­fort­ren­te in Hö­he von 40 Pro­zent ih­rer letz­ten Be­zü­ge zu – mit zu­neh­men­der Vor­stands­dau­er wächst der An­spruch auf 55 Pro­zent. Oh­ne da­für je in ei­nen Fonds oder ei­ne Ren­ten­kas­se ein­ge­zahlt

Ralf Wit­zel FDP-Fi­nanz­ex­per­te im Land­tag ha­ben zu müs­sen – es sei denn, die Vor­stän­de schei­den auf ei­ge­nen Wunsch aus. Die Aus­wüch­se die­ser Re­ge­lun­gen sind in den jüngs­ten Ge­schäfts­be­rich­ten der In­sti­tu­te zu le­sen. So heißt es bei der Spar­kas­se Düsseldorf: „Für die Mit­glie­der des Vor­stands be­ste­hen Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen in Hö­he von 4.760.911,00 Eu­ro.“Der Vor­stand der Spar­kas­se Düsseldorf be­steht der­zeit aus fünf Per­so­nen. Was sol­che Mil­lio­nen­Rück­stel­lun­gen pro Mo­nat be­deu­ten, steht zum Bei­spiel im Jah­res­be­richt der Spar­kas­se Gel­sen­kir­chen. De­ren Chef Bern­hard Lukas er­hält „im Fal­le der re­gu­lä­ren Be­en­di­gung sei­ner Tä­tig­keit (...) Be­zü­ge, de­ren Bar­wert 1,819 Mil­lio­nen Eu­ro be- trägt. Die­ser Be­trag ent­spricht (...) ei­ner mo­nat­li­chen Ru­he­geld­zah­lung in Hö­he von 14.000 Eu­ro.“Sein Amts­kol­le­ge in Köln, Ar­tur Gr­ze­siek, wird mo­nat­lich noch mehr be­kom­men. Denn „der Bar­wert der Pen­si­ons­an­sprü­che von Herrn Gr­ze­siek be­läuft sich zum 31. De­zem­ber 2014 auf 2,535 Mil­lio­nen Eu­ro“, heißt es dort. Be­son­ders üp­pig ist der Chef des West­fä­li­schen Spar­kas­sen­ver­ban­des (SVWL), Rolf Ger­lach, ver­sorgt. Laut Bun­des­an­zei­ger be­trägt der Bar­wert der Ru­he­geld­an­sprü­che des „Chefs der west­fä­li­schen Spar­kas­sen­chefs“5,842 Mil­lio­nen Eu­ro. Sein Amts­kol­le­ge vom Rhei­ni­schen Spar­kas­sen­ver­band in Düsseldorf (RS­GV) kommt auf Ru­he­geld-An­sprü­che im Bar­wert von 1,19 Mil­lio­nen Eu­ro.

Für den Fi­nanz­ex­per­ten der FDP im Land­tag, Ralf Wit­zel, ist nicht nur die ab­so­lu­te Hö­he der An­sprü­che das Pro­blem. „Schwie­rig ist auch, dass der­art ho­he An­sprü­che be­reits nach we­ni­gen Jah­ren be­ste­hen“, so Wit­zel. Vie­le Spar­kas­sen hät­ten so nicht die Mög­lich­keit, sich von er­folg­lo­sen Vor­stän­den zu tren­nen. Wit­zel: „Bei den ho­hen An­sprü­chen der al­ten Vor­stän­de kön­nen die sich zu­sätz­li­che Neu­ein­stel­lun­gen oft nicht leis­ten.“

Ein SVWL-Spre­cher be­stä­tig­te auf An­fra­ge: „So­bald al­le Be­schluss­fas­sun­gen vor­lie­gen, sol­len die neu­en Emp­feh­lun­gen An­fang des Jah­res 2016 ver­öf­fent­licht wer­den.“Schon der Ver­bands­vor­ga­be, die Vor­stands­ge­häl­ter über­haupt zu ver­öf­fent­li­chen, sind vie­le Spar­kas­sen nur wi­der­wil­lig nach­ge­kom­men. Die neue Vor­ga­be dürf­te wohl erst recht auf Wi­der­stand sto­ßen.

„Bei den ho­hen An­sprü­chen kön­nen Spar­kas­sen sich kei­ne Neu­ein­stel­lung leis­ten“

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