Kar­tell­amt er­lei­det Schlap­pe im Fall Ten­gel­mann

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

DÜSSELDORF (dpa/ma­xi) Das Bun­des­kar­tell­amt muss im Streit um die Plä­ne von Ede­ka zur Über­nah­me der Su­per­markt­ket­te Kai­ser’s Ten­gel­mann ei­ne Teil­nie­der­la­ge hin­neh­men. Ei­ne einst­wei­li­ge An­ord­nung, mit der die Wett­be­werbs­be­hör­de ei­nen vor­zei­ti­gen Voll­zug der Fu­si­on ver­hin­dern woll­te, ist nach ei­nem Be­schluss des Ober­lan­des­ge­richts Düsseldorf in wich­ti­gen Tei­len rechts­wid­rig. Dies könn­te zu Scha­den­er­satz-An­sprü­chen der Un­ter­neh­men füh­ren. Aus­wir­kun­gen auf das Mi­nis­ter­er­laub­nis-Ver­fah­ren hat die Ent­schei­dung al­ler­dings nicht.

Der Hin­ter­grund: Die bei­den Su­per­markt­ket­ten hat­ten par­al­lel zum Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges ver­ein­bart, dass Kai­ser’s Ten­gel­mann bis zum Voll­zug des Zu­sam­men­schlus­ses sämt­li­che Wa­ren über Ede­ka be­zie­hen und so von den bes­se­ren Ein­kaufs­kon­di­tio­nen des Markt­füh­rers im deut­schen Le­bens­mit­tel­han­del pro­fi­tie­ren kön­ne. Das Bun­des­kar­tell­amt hat­te dies als Vor­weg­nah­me ei­ner Fu­si­on be­wer­tet und un­ter­sagt. Da­ge­gen hat­ten die Un­ter­neh­men Be­schwer­de ein­ge­legt.

Das Ober­lan­des­ge­richt teil­te zwar die Ein­schät­zung des Kar­tell­amts, dass es sich bei der Ein­kaufs­ko­ope­ra­ti­on um ei­nen Ver­stoß ge­gen das ge­setz­lich ge­re­gel­te Voll­zugs­ver­bot han­de­le. Es be­män­gel­te je­doch, dass die Wett­be­werbs­hü­ter nicht aus­rei­chend be­grün­det hät­ten, war­um die einst­wei­li­ge An­ord­nung not­wen­dig sei, um dro­hen­de Nach­tei­le oder schwe­re Schä­den für das Ge­mein­wohl ab­zu­wen­den. Die An­ord­nung sei des­halb in die­sem Punkt rechts­wid­rig.

Ten­gel­mann-Chef Karl-Eri­van Haub will die 450 Kai­ser’s-Fi­lia­len an Ede­ka ver­kau­fen. Er ar­gu­men­tiert, nur so könn­ten de­ren Zu­kunft und da­mit die Ar­beits­plät­ze ge­si­chert wer­den. Das Kar­tell­amt hat­te den Ver­kauf im April ge­stoppt. Dar­auf­hin be­an­trag­ten Haub und Ede­ka-Chef Mar­kus Mo­sa ei­ne Er­laub­nis bei Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el nach Pa­ra­graf 42 des Ge­set­zes ge­gen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen. Ei­ne sol­che Mi­nis­ter-Er­laub­nis kann er­teilt wer­den, wenn „die ge­samt­wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le“die Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen auf­wie­gen oder die Fu­si­on durch ein „über­ra­gen­des In­ter­es­se der All­ge­mein­heit“ge­recht­fer­tigt ist. In der Ver­gan­gen­heit hat es 21 sol­cher Fäl­le ge­ge­ben. Acht­mal wur­de die Er­laub­nis er­teilt (teils mit Auf­la­gen), sechs­mal sag­te ein Mi­nis­ter Nein, in sie­ben Fäl­len zo­gen die Un­ter­neh­men ih­ren An­trag zu­rück. Ei­ne Ent­schei­dung Ga­b­ri­els steht noch aus.

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