Wie Glad­bach „wach­sen­de Stadt“wird

Ro­er­mon­der Hö­fe, Bun­ter Gar­ten, Re­me-Ge­län­de, Ma­ria Hilf – in der Stadt wird in den kom­men­den Jah­ren viel ge­baut. Wel­che Aus­wir­kun­gen hat das auf die Be­völ­ke­rungs­struk­tur? De­mo­gra­fie-Ma­nage­ment wird jetzt zum Ge­samt­kon­zept.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON DIE­TER WE­BER

Der Na­me steht fest: „Wach­sen­de Stadt“. Er um­fasst ein The­ma, das Po­li­ti­ker und Ver­wal­tungs­ex­per­ten seit meh­re­ren Jah­ren um­treibt und das viel­schich­tig ist: Wie kann Mön­chen­glad­bach nicht nur an Ein­woh­nern zu­neh­men, son­dern auch die Be­völ­ke­rungs­strö­me ge­zielt steu­ern und dar­aus wie­der­um ei­ne per­spek­ti­vi­sche Pla­nung ab­lei­ten? Für Glad­bach ist das sehr wich­tig, denn Pro­gno­sen ge­hen von ei­nem Be­völ­ke­rungs­schwund von jetzt rund 264.000 auf 240.000 Ein­woh­ner bis zum Jahr 2030 aus.

Gregor Bo­nin Tech­ni­scher Bei­ge­ord­ne­ter

We­ni­ger Ein­woh­ner be­deu­tet auch: we­ni­ger Kauf­kraft, we­ni­ger Woh­nun­gen, we­ni­ger Ar­beits­kräf­te, we­ni­ger In­fra­struk­tur, we­ni­ger fi­nan­zi­el­le Zu­schüs­se. Ges­tern Abend brach­ten CDU und SPD mit ei­nem ge­mein­sa­men An­trag im Haupt­aus­schuss ei­ne Hand­lungs­emp­feh­lung auf den Weg. Und sie ga­ben die Auf­ga­be mit: Die Ver­wal­tung muss ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur ent­wi­ckeln, die zur „Wach­sen­den Stadt“füh­ren soll – me­tho­disch, in­halt­lich, ope­ra­tiv. Da­für stel­len sie für die Jah­re 2016 bis 2019 ins­ge­samt sechs Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung. Die FDP be­klag­te in der gest­ri­gen Sit­zung, dass das The­ma De­mo­gra­fie seit ei­nem Jahr brach lie­ge, nach­dem es An­fang 2015 in­ter­frak­tio­nell be­han­delt wur­de.

Es über­rascht nicht, dass die­se zu schaf­fen­de Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur fe­der­füh­rend beim neu­en Tech­ni­schen Bei­ge­ord­ne­ten Gregor Bo­nin an­ge­sie­delt ist. Denn er hat bei sei­nem Amts­an­tritt – un­ter an­de­rem in ei­nem RP-Interview – deut­lich ge- macht, dass nach sei­ner Mei­nung Mön­chen­glad­bach nur durch ein ste­ti­ges qua­li­ta­ti­ves Wachs­tum die Her­aus­for­de­run­gen der nächs­ten Jah­re und Jahr­zehn­te be­wäl­ti­gen kann. Wenn zum Bei­spiel neue gro­ße Wohn­ge­bie­te mit­ten in der Stadt – Ro­er­mon­der Hö­fe, Bun­ter Gar­ten, Re­me-Ge­län­de, Ma­ria Hilf – ent­ste­hen, wird das zwangs­läu­fig Aus­wir­kun­gen auf die be­ste­hen­de Struk­tur ha­ben – in­ner­städ­tisch und in den Au­ßen­be­zir­ken. Ge­lingt es, in den neu­en Wohn­ge­bie­ten in ei­nem gro­ßen Maß Neu­bür­ger an­zu­sie­deln, wird der Be­völ­ke­rungs­schwund ver­mut­lich in dem pro­gnos­ti­zier­ten Zei­t­raum nicht so in­ten­siv aus­fal­len. Wer­den aber vor­nehm­lich Glad­ba­cher le­dig­lich ih­ren Wohn­ort ver­le­gen, wird das er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf be­ste­hen­de Wohn- ge­bie­te ha­ben. Des­halb ver­folgt Bo­nin auch ei­nen An­satz, der über die al­lei­ni­ge Be­tei­li­gung der Stadt­ver­wal­tung mit ih­ren un­ter­schied­li­chen Fach­be­rei­chen hin­aus geht. „Wir müs­sen da­bei meh­re­re städ­ti­schen Töch­ter ein­bin­den: die Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten, EWMG, WFMG, MGMG“, sagt er. Und er hat kla­re Vor­stel­lun­gen, wel­chen Grund­über­le­gun­gen die „Wach­sen­de Stadt“ent­spre­chen muss: „Wir müs­sen Wan­de­rungs­be­we­gun­gen ana­ly­sie­ren. Wir müs­sen Flä­chen­ma­nage­ment be­trei­ben. Wir müs­sen den Woh­nungs­be­darf un­ter­su­chen und fest­stel­len, wo wir was brau­chen. Und wir müs­sen uns Ge­dan­ken ma­chen, wel­che Kon­se­quen­zen die Er­geb­nis­se für Kul­tur, für Sport, für Kin­der­gär­ten, für Schu­len ha­ben.“

Da­bei spielt eben­falls ei­ne Rol­le, wie ge­zielt Wan­de­rungs­be­we­gun­gen be­ein­flusst wer­den kön­nen. Et­wa dass man Woh­nungs­bau-Pi­lot­pro­jek­te in In­nen- und Au­ßen­be­zir­ken vor­an­treibt und sie ei­ne Art Leucht­turm­cha­rak­ter ha­ben. Oder dass Quar­tiers­struk­tu­ren ge­zielt ge­stärkt wer­den. Das soll dann auch of­fen kom­mu­ni­ziert wer­den – Mön­chen­glad­bach soll als wach­sen­de, mo­der­ne, dy­na­mi­sche und selbst­be­wuss­te Groß­stadt im Grü­nen ver­mark­tet wer­den.

Und auch da gibt es ei­ne klei­ne, aber nicht un­we­sent­li­che Ak­zent­ver­schie­bung in der Au­ßen­dar­stel­lung: Die Mön­chen­glad­ba­cher Krea­ti­ven wer­den in die­sen Pro­zess voll ein­be­zo­gen.

„Wir müs­sen da­bei auch al­le städ­ti­schen Töch­ter ein­bin­den“

FOTO: DPA

Die Pro­gno­sen sa­gen für Mön­chen­glad­bach bis zum Jahr 2030 ei­nen kräf­ti­gen Be­völ­ke­rungs­schwund vor­aus. CDU und SPD wol­len aber da­für sor­gen, dass die Stadt ste­tig wächst. Ihr Ziel: Jun­ge Fa­mi­li­en mit Kin­dern in die Stadt ho­len.

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