Die Ar­mut hat ein lokales und ein glo­ba­les Ge­sicht

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIET­DORF

Ja, sagt ei­ne Mön­chen­glad­ba­che­rin, sie wür­de fai­re Pro­duk­te kau­fen und da­für auch mehr be­zah­len. Ein Mann meint da­ge­gen, nie­mand ha­be et­was zu ver­schen­ken. Die Schü­ler der Klas­sen 7a und 7b ha­ben Fra­gen zum The­ma Ar­mut ge­stellt, ha­ben Re­fe­ren­ten wie Karl Sas­serath vom Ar­beits­lo­sen­zen­trum, Mo­ni­ka Bartsch von der Mön­chen­glad­ba­cher Ta­fel oder dem Aus­lands­kor­re­spon­den­ten Mir­co Keil­berth zu­ge­hört, und selbst klei­ne Sze­nen ge­spielt. Her­aus­ge­kom­men ist ein in­ter­es­san­ter Film, der das The­ma Ar­mut un­ter lo­ka­len wie glo­ba­len Aspek­ten zeigt und trotz­dem sehr per­sön­lich ist. Man merkt, dass die Schü­ler Un­ter­stüt­zung von Pro­fis hat­ten.

Ge­lei­tet wur­de das Pro­jekt Ar­mut näm­lich von Jour­na­lis­ten und Me­di­en­fach­leu­ten, die sich in der Ak­ti­on Wei­ßes Frie­dens­band en­ga­gie­ren. „Wir wol­len den Ju­gend­li­chen wei­ter­ge­ben, was wir als Jour­na­lis­ten ge­lernt ha­ben“, er­klärt Gün­ter Ha­ver­kamp, ei­ner der­je­ni­gen, die das Pro­jekt am Franz-Mey­ers-Gym­na­si­um be­treut ha­ben. Wich­tig ist ihm auch, dass Ju­gend­li­che Er­wach­se­nen ih­re Mei­nung mit­tei­len und Fra­gen stel­len. Des­halb en­det das Pro­jekt, das die Schü­ler seit den Herbst­fe­ri­en im Po­li­tik­un­ter­richt be­schäf­tigt hat, mit der Vor­füh­rung des fer­tig ge­schnit­te­nen Films und ei­ner an­schlie­ßen­den Fra­ge­run­de mit dem Glad­ba­cher Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gün­ter Krings.

Der Film zeigt die In­ter­views, die die Schü­ler ge­führt ha­ben, er­klärt, wie die Glad­ba­cher Ta­fel ar­bei­tet, be­schreibt Grün­de für die ho­he Ar­beits­lo­sig­keit in der Stadt und be­schäf­tigt sich mit glo­ba­len Zu­sam­men­hän­gen wie den tu­ne­si­schen Fi­schern, die als Schlep­per ar­bei­ten, weil sie nicht mit den in­dus­tri­el­len Fang­flot­ten der EU kon­kur­rie­ren kön­nen. „Ihr habt das The­ma Ar­mut um­fas­send be­han­delt“, lobt denn auch der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te, be­vor er sich den Fra­gen der Schü­ler stellt. Den Siebt- und Ne­unt­kläss­lern bren­nen vor al­lem Fra­gen rund um die Flücht­lings­pro­ble­ma­tik un­ter den Nä­geln. Ob er die Flücht­lin­ge auch für ei­ne Chan­ce für Deutsch­land hal­te, will ei­ne Schü­le­rin wis­sen. Die Un­ter­brin­gung und Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge wer­den in den nächs­ten Jah­ren schät­zungs­wei­se 17 Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten, aber den­noch sei­en die Flücht­lin­ge ei­ne Chan­ce. „Es kom­men vie­le jun­ge Men­schen zu uns“, sagt Krings. „Aber der Nut­zen, den Deutsch­land hat, ist nicht der ent­schei­den­de Grund für die Auf­nah­me. Die Men­schen wer­den auf­ge­nom­men, weil sie in Not sind.“War­um über­haupt so vie­le Men­schen nach Deutsch­land woll­ten, lau­tet ei­ne an­de­re Fra­ge. „Deutsch­land hat ei­nen gu­ten Ruf, an­de­re Län­der lie­fern sich da- ge­gen ei­nen re­gel­rech­ten Schä­big­keits­wett­be­werb“, sagt der CDUBun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. Nutzt der IS die Flücht­lin­ge, um Ter­ro­ris­ten ein­zu­schleu­sen? Auch die­se Fra­ge be­wegt die Schü­ler. Al­len Hin­wei­sen wer­de nach­ge­gan­gen, bis­her oh­ne auf Ver­däch­ti­ge zu sto­ßen, be­tont Krings. Und die Hin­wei­se auf die Be­nut­zung der Flücht­lings­rou­te durch ei­ni­ge der Pa­ri­ser At­ten­tä­ter soll­ten wohl eher die eu­ro­päi­sche Be­völ­ke­rung ver­un­si­chern und ge­gen die Flücht­lin­ge auf­brin­gen. Schließ­lich geht es noch um das The­ma Ar­beits­plät­ze. Dass deut­sche Ar­beits­su­chen­de Vor­rang vor Flücht­lin­gen bei der Be­set­zung von Ar­beits­plät­zen ha­ben, fin­det Krings rich­tig. „So stel­len wir si­cher, dass die Stim­mung sich nicht ge­gen die Flücht­lin­ge wen­det.“

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