Bo­rus­sia wirft das Eu­ro­pa­po­kal-Aus nicht um

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

MAN­CHES­TER Nach dem Spiel war die Ent­täu­schung da. „Weil wir nach ei­ner sehr gu­ten ers­ten Halb­zeit das Spiel nicht wei­ter so ge­stal­ten konn­ten. Und weil wir ge­hofft hat­ten, dass sich Ju­ven­tus bes­ser ver­kauft“, sag­te An­dré Schu­bert, der Trai­ner von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach ges­tern am Flug­ha­fen in Man­ches­ter. 2:4 ver­lor sein Team dort bei „Ci­ty“, und weil Tu­rin in Se­vil­la un­ter­lag, ist es vor­bei mit dem Eu­ro­pa­po­kal. Doch „schon ein, zwei St­un­den nach dem Spiel und auch heu­te Mor­gen ist da mehr der Stolz über die Art und Wei­se, wie wir uns ver­kauft ha­ben“, sag­te Schu­bert.

Für ihn und sei­nen Ar­beit­ge­ber war es in­des ei­ne neue Er­fah­rung, seit der 44-Jäh­ri­ge Trai­ner ist: Bis da­hin hat ir­gend­wie al­les ge­klappt, was er an­pack­te. Auch in Man­ches­ter sah es gut aus nach 45 Mi­nu­ten und „ei­ner sen­sa­tio­nel­len Leis­tung mit bru­ta­len Lauf­da­ten, 124 Ki­lo­me­ter sind es ge­we­sen“. Mit Mut und Spiel­kunst hat­ten die Bo­rus­sen „Ci­ty“be­ein­druckt. Doch zur Pau­se war Schu­bert klar, dass „wir das nicht hal­ten kön­nen“. Ne­ben­bei war der Geg­ner „ei­ne Welt­klas­se­mann­schaft“. „Ci­ty“ist das ein­zi­ge Team, das sich Schu­berts Er­folgs­se­rie wi­der­setzt hat. Bei­de Spie­le ge­wann der von ara­bi­schen Scheichs un­ter­stütz­te Klub. An­sons­ten ist es nie­man­dem, nicht mal den Bay­ern, ge­lun­gen, Schu­berts Bo­rus­sia auf­zu­hal­ten.

Dass das aber kei­ne Zau­be­rei ist, son­dern ganz mensch­lich, stell­te Schu­bert klar: „Wir ha­ben in den letz­ten Wo­chen am Li­mit ge­spielt.“In der Bun­des­li­ga ha­ben die Bo­rus­sen nach dem Fehl­start „die Kehrt­wen­de ge­schafft“, wie Vi­ze-Prä­si­dent Rai­ner Bon­hof an­merk­te. Das 0:3 in Se­vil­la zum Auf­takt der Cham­pi­ons Le­ague (vor Schu­berts Amts­an­tritt) war aber doch ei­ne zu gro­ße Hy­po­thek. An­der­seits: Als die Grup­pe mit den drei di­cken Bro­cken aus­ge­lost wor­den war, hat­te nie­mand ei­nen Pfif­fer­ling auf Glad­bach ge­setzt. „Und nun ha­ben wir bis zur 80. Mi­nu­te des letz­ten Spiels um Eu­ro­pa ge­spielt“, sag­te Sport­di­rek­tor Max Eberl. Die Tat­sa­che, dass Bo­rus­sia nicht mehr in­ter­na­tio­nal ak­tiv ist, wird aber kei­ne di­rek­ten Aus­wir­kun­gen auf die Ka­der­pla­nung im Win­ter ha­ben. „Ob wir auf ei­ner, zwei oder drei Hoch­zei­ten da­bei sind, ist nicht völ­lig maß­geb­lich für un­se­re Pla­nung. Wir wer­den se­hen, wie es mit den Ver­letz­ten wird, dann wer­den wir uns Ge­dan­ken ma­chen. Aber es muss Sinn ma­chen, wenn wir et­was tun“, sag­te Eberl.

Bis zum En­de der Hin­run­de muss es der der­zei­ti­ge Ka­der rich­ten. Ei­ne Blo­cka­de im Kopf nach dem Aus im Eu­ro­pa­po­kal be­fürch­tet Schu­bert nicht. „Die Jungs sind ja al­le psy­chisch sta­bil“, ver­si­chert er. Was von der Cham­pi­ons Le­ague bleibt, sei jen­seits der aku­ten Ent­täu­schung ein gu­tes Ge­fühl. Man ha­be ei­ne gu­te Fi­gur ab­ge­ge­ben als No­vi­ze, da wa­ren sich al­le ei­nig. So­gar die „Ci­ty“-Stars ha­ben den Bo­rus­sen ge­sagt: „Klas­se, was ihr ge­spielt habt.“Mehr Re­spekt geht nicht. „Und wenn wir so spie­len wie in der ers­ten Halb­zeit in Man­ches­ter, ist es für je­den Geg­ner schwer ge­gen uns“, be­fand Ha­vard Nordtveit.

Das ist ei­ne An­sa­ge vor dem „klei­nen“rhei­ni­schen Der­by bei Bay­er Leverkusen am Sams­tag. Für das Spiel und für den Rest der Sai­son wol­len die Bo­rus­sen Ho­nig sau­gen aus den schö­nen Er­leb­nis­sen, die sie ins­ge­samt in der Cham­pi­ons Le­ague hat­ten. „Das muss ein Ansporn sein, wie­der ei­nen Eu­ro­pa­po­kal-Platz zu er­rei­chen. Da­für brau­chen wir ei­ne gu­te Sai­son – und drei Punk­te in Leverkusen“, sag­te Schu­bert. Nach an­ge­knacks­tem Selbst­ver­trau­en klingt das nicht.

FOTO : DPA

An­dré Schu­bert

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