Box­ver­band er­kennt Fu­ry ei­nen Welt­meis­ter-Ti­tel ab

Die Po­li­zei er­mit­telt zu­dem we­gen ho­mo­pho­ber Äu­ße­run­gen ge­gen den Be­zwin­ger von Wla­di­mir Klitsch­ko.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON PATRICK SCHE­RER

DÜSSELDORF Wla­di­mir Klitsch­ko wird nicht nur we­gen sei­ner Kämp­fe, son­dern glei­cher­ma­ßen we­gen sei­ner Bescheidenheit und sei­nes so­zia­len Ver­hal­tens au­ßer­halb des Box­rings ge­ach­tet. Sein Be­zwin­ger und Nach­fol­ger als vier­fa­cher Box­Welt­meis­ter, Ty­son Fu­ry, wählt ei­nen gänz­lich an­de­ren An­satz. Der En­g­län­der sorgt seit sei­nem Er­folg ge­gen Klitsch­ko vor an­dert­halb Wo­chen im Ta­ges­rhyth­mus mit be­denk­li­chen Aus­sa­gen für Schlag­zei­len. Auf­grund sei­ner ar­ro­gan­ten Grund­hal­tung spürt er nun erst­mals erns­te Kon­se­quen­zen: Die In­ter­na­tio­nal Bo­xing Fe­de­ra­ti­on (IBF) hat dem 27-Jäh­ri­gen sei­nen WM-Ti­tel ab­er­kannt, weil Fu­ry sich wei­gert, im nächs­ten Kampf zur Pflicht­ver­tei­di­gung ge­gen die Num­mer eins der IBF-Rang­lis­te, den Ukrai­ner Wjat­sches­law Hlas­kow, an­zu­tre­ten. Fu­ry zieht ei­nen lu­kra­ti­ve­ren Rück­kampf ge­gen Hlas­kows Lands­mann Klitsch­ko im Früh­jahr 2016 vor.

Da­mit nicht ge­nug: Die bri­ti­sche Po­li­zei er­mit­telt we­gen des Vor­wurfs der Ho­mo­pho­bie ge­gen Fu­ry. Der hat­te in ei­nem Interview ge­äu­ßert, dass er der An­sicht sei, Ho­mo­se­xua­li­tät müs­se eben­so ver­bo­ten wer­den wie Pä­do­phi­lie. In Groß­bri­tan­ni­en hat der Schwer­ge­wichtswelt­meis­ter da­mit ei­nen Pro­test­sturm aus­ge­löst.

Schon mehr als 100.000 Bri­ten ha­ben ei­ne Pe­ti­ti­on un­ter­zeich­net, der Bo­xer sol­le von der Wahl zum Sport­ler des Jah­res bei der Funk- und TVAn­stalt BBC aus­ge­schlos­sen wer­den. Zur Wahl ste­hen auch For­mel 1-Welt­meis­ter Le­wis Ha­mil­ton und Ten­nis­pro­fi An­dy Mur­ray. Die BBC will Fu­ry je­doch nicht von der Lis­te strei­chen. Fu­ry hat­te es sich auch in Be­zug auf die­se Wahl nicht neh­men las­sen, mög­lichst groß­spu­ri­ge Aus­sa­gen zu tref­fen. „Ich weiß zu ei- ner Mil­li­on Pro­zent, dass ich mehr Per­sön­lich­keit in der Spit­ze mei­nes klei­nen Fin­gers ha­be als sämt­li­che No­mi­nier­ten zu­sam­men“, sag­te der aus Man­ches­ter stam­men­de 2,06Me­ter-Mann.

Aus­sa­gen, die für Ent­set­zen sor­gen, ge­hö­ren wie har­te Schlä­ge zum Re­per­toire Fu­rys. Er äu­ßer­te sich harsch ge­gen Ab­trei­bung, for­der­te die Le­ga­li­sie­rung von Do­ping im Sport und sag­te, er ha­be kei­ne Lust, Vor­bild für

Kin­der zu sein.

Sein Ver­ständ­nis zur Rol­le der Frau in der Ge­sell­schaft mach­te er deut­lich, als er sich zu­letzt über die bri­ti­sche Sie­ben­kampf-Olym­pia­sie­ge­rin Jes­sia En­nis-Hill aus­ließ: „Der bes­te Ort für ei­ne Frau ist in der Kü­che und auf dem Rü­cken.“2012 hat­te er ei­ne Geld­stra­fe in Hö­he von 3000 Pfund (4500 Eu­ro) zah­len müs­sen, weil er zwei eng­li­sche Bo­xer als schwu­le Lieb­ha­ber be­zeich­net hat­te.

Schon vor dem WM-Kampf ge­gen Klitsch­ko war Fu­ry mit ver­stö­ren­den Äu­ße­run­gen auf­ge­fal­len. So be­schimpf­te er den Ukrai­ner als „al­ten Narr“, „Idio­ten“, „Ro­bo­ter“und ei­nen „Teu­fel­s­an­be­ter“, der „das Cha­ris­ma ei­ner Un­ter­ho­se“ha­be.

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