Neue Per­spek­ti­ve und ein al­tes Dog­ma

Seit 2010 erlebt Bo­rus­sia ei­nen sport­li­chen Quan­ten­sprung. Die da­mit oft ver­bun­de­ne Ver­zer­rung der Wahr­neh­mung blieb aber aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

Es ist im­mer ein emo­tio­nal ver­wir­ren­der Mo­ment für Fuß­ball­spie­ler, wenn sie ver­lo­ren ha­ben und trotz­dem von den Fans ge­fei­ert wer­den. So stan­den die Bo­rus­sen ei­ni­ger­ma­ßen ver­blüfft vor der Kur­ve des Eti­had-Sta­di­ons in Man­ches­ter, in der sich das Gros der Glad­bach-Fans ver­sam­melt hat­te. Die­se be­klatsch­ten das Team für ei­ne star­ke Leis­tung. In der ers­ten Hälf­te des Spiels an die­sem Abend bei „Ci­ty“(2:4). Und wäh­rend der meis­ten Zeit in die­ser Cham­pi­ons-Le­ague-Sai­son, die am Di­ens­tag­abend mit dem Eu­ro­pa-Aus en­de­te.

Nun ist die Si­tua­ti­on in Glad­bach ei­ne an­de­re als bei Klubs, die stets da­bei sind in Eu­ro­pa. So keif­ten die Freun­de der „Ci­ti­zens“recht laut, als ihr Team zu­rück­lag. Als es sieg­te, nah­men sie es zur recht ge­las­sen Kennt­nis – so und nicht an­ders war es er­war­tet wor­den. Rich­tig ge­ju­belt wur­de erst, als die Bot­schaft vom Ab­rut­schen des Orts­ri­va­len Man­ches­ter Uni­ted in die Eu­ro­pa Le­ague, wor­an üb­ri­gens ein ge­wis­ser Lu­uk de Jong mit sei­nem Sieg­tor für Eind­ho­ven gro­ßen An­teil hat­te, kund­ge­tan wur­de. In Glad­bach ist die Per­spek­ti­ve ei­ne an­de­re als bei „Ci­ty“.

Die geis­ti­ge Grund­la­ge die­ser Hal­tung ist ein Dog­ma, das der ehe­ma­li­ge Trai­ner Lu­ci­en Fav­re ge­bets­müh­len­ar­tig ge­pre­digt hat: „Wir dür­fen nicht ver­ges­sen, wo wir her­kom­men.“Rück­blick: Fast auf den Tag ge­nau vor fünf Jah­ren war Glad­bach nach ei­nem 0:3 in Frei­burg Letz­ter der Bun­des­li­ga. Und nun fehl­ten in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen den teu­ers­ten Ka­der der Welt nur gut zehn Mi­nu­ten zum drit­ten Über­win­tern im Eu­ro­pa­po­kal bin­nen vier Jah­ren. Von da­mals zu jetzt ist es ein sport­li­cher Quan­ten­sprung. Die Schnell­le­big­keit des Fuß­balls kann zu­wei­len die Wahr- neh­mung ver­zer­ren. Da­von je­doch ist Glad­bach of­fen­bar ver­schont ge­blie­ben.

Trotz gro­ßer Ta­ten in den ver­gan­ge­nen Wo­chen bleibt es auch jetzt bei ei­nem ge­sun­den Rea­lis­mus am Nie­der­rhein. Das Ziel war zwar, sich in Man­ches­ter für die Eu­ro­pa-Le­ague zu qua­li­fi­zie­ren, doch ei­ne zu er­fül­len­de Selbst­ver­ständ­lich­keit wur­de dar­aus nicht ab­ge­lei­tet. Wes­we­gen sich Sport­di­rek­tor Max Eberl „in der ers­ten Halb­zeit schon knei­fen muss­te“ob der groß­ar­ti­gen Dar­bie­tung des Teams im Eti­had-Sta­di­on. Dass es am En­de doch nicht reich­te, hät­te für Miss­fal­len sor­gen kön­nen – aber nicht in Glad­bach, trotz al­ler Ent­täu­schung. „Schaut euch an, wo wir wa­ren und wo wir jetzt sind“, schrieb ein Fan bei Face­book.

Es gab vie­le sol­cher Ein­las­sun­gen. Die Per­spek­ti­ve hat sich ver­scho­ben, das al­te Dog­ma nicht. Ge­än­dert ha­ben sich durch die neu­en Um­stän­de in Glad­bach auch die Per­spek­ti­ven ei­ni­ger Spie­ler. To­ny Jantsch­ke ist ei­ner da­von. Das Ei­gen­ge­wächs war bei Lu­ci­en Fav­re ein Prot­ago­nist des Auf­schwungs seit An­fang 2011 – als ver­läss­li­cher Ar­bei­ter. Bei An­dré Schu­bert, der den Au­ßen­ver­tei­di­ger-Job an­ders de­fi­niert als Fav­re, ist er der­zeit hin­ter Ju­li­an Korb und Ni­co El­ve­di ein­ge­ord­net rechts hin­ten. „To­ny muss sich im Mo­ment noch an das Durch­ver­tei­di­gen ge­wöh­nen. Es ist ei­ne Um­stel­lung, re­la­tiv of­fen­siv zu ver­tei­di­gen, die dem ei­nen leich­ter und dem an­de­ren we­ni­ger leicht fällt“, sag­te Schu­bert nun. „Es wird aber im Trai­ning im­mer bes­ser, und es ist nicht so, dass wir nicht das Ver­trau­en in ihn ha­ben“, ver­si­cher­te Schu­bert. Jantsch­ke, der Te­am­play­er, muss sich in Ge­duld üben. Er weiß aber, wie schnell es geht im Fuß­ball.

Ibo Tra­o­ré trai­nier­te ges­tern wie­der.

FOTO: DIRK PÄFFGEN, BE­AR­BEI­TUNG: KLÜ

Zahl­reich und laut­stark: die Bo­rus­sen-An­hän­ger am Di­ens­tag im Eti­had-Sta­di­on von Man­ches­ter.

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