Frau stirbt in Ho­tel bei Teu­fels­aus­trei­bung

Ein mut­maß­li­cher Fall von Ex­or­zis­mus in Frankfurt en­det nach ei­nem Ge­walt­aus­bruch töd­lich. Die Hin­ter­grün­de der Tat sind of­fen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA -

FRANKFURT/MAIN (dpa) Es muss ein qual­vol­ler Tod ge­we­sen sein. Min­des­tens zwei St­un­den lang prü­geln fünf Ver­wand­te in ei­nem Ho­tel­zim­mer in Frankfurt auf ei­ne 41-Jäh­ri­ge ein, weil sie an­geb­lich vom Teu­fel be­ses­sen war. Dann er­stickt die Frau. Auch der 15 Jah­re al­te Sohn des Op­fers soll bei dem Ge­walt­ex­zess mit­ge­macht ha­ben, so die Er­mitt­ler. Die fünf mut­maß­li­chen Tä­ter im Al­ter von 15 bis 44 Jah­ren sit­zen in Un­ter­su­chungs­haft. Vie­le Fra­gen zu dem Fall sind of­fen. Han­del­ten die Ver­däch­ti­gen in Ei­gen­re­gie? War es wo­mög­lich der Wunsch des spä­te­ren Op­fers, den Teu­fel aus­zu­trei­ben? Ein wei­te­res Rät­sel: In ei­nem Haus im Tau­nus, in dem die vor sechs Wo­chen nach Hes­sen ein­ge­reis­ten Ko­rea­ner zeit­wei­se wohn­ten, ent­de­cken die Er­mitt­ler ei­ne wei­te­re, schwer ver­letz­te Frau.

Der Wies­ba­de­ner Kri­mi­no­lo­ge Ru­dolf Egg ver­sucht zu er­klä­ren, was Men­schen zum Ex­or­zis­mus treibt: „Die Tä­ter glau­ben, et­was Gu­tes zu tun.“Die Aus­trei­bung ei­nes bö­sen Geis­tes kön­ne da­bei so­gar den Tod recht­fer­ti­gen. Da­durch sei der an­geb­lich vom Bö­sen be­fal­le­ne Mensch we­nigs­tens er­löst. Egg sagt, auch in der west­li­chen Welt sei es bei psy­chisch Kran­ken frü­her gän­gi­ge Vor­stel­lung ge­we­sen, dass der Teu­fel von ih­nen Be­sitz er­grif­fen ha­be.

Der töd­li­che Ex­or­zis­mus­fall von Frankfurt weckt Er­in­ne­run­gen an die Stu­den­tin An­ne­lie­se Mi­chel, die vor rund 40 Jah­ren in Fran­ken ums Le­ben ge­kom­men war. Die epi­lep­sie­kran­ke Stu­den­tin starb 1976 an den Fol­gen ex­tre­mer Un­ter­ernäh­rung. Wäh­rend der Mo­na­te, in de- nen zwei Geist­li­che 67 Mal den Ex­or­zis­mus voll­zo­gen, ver­wei­ger­te sie zu­neh­mend das Es­sen. Ih­re streng­gläu­bi­ge Fa­mi­lie und die Geist­li­chen, die sich ab­ge­schot­tet und kei­nen Arzt ge­ru­fen hat­ten, wur­den we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung zu Be­wäh­rungs­stra­fen ver­ur­teilt. Der Fall lös­te har­sche Kri­tik an der ka­tho­li­schen Kir­che und ei­ne De­bat­te über ih­re Ri­ten aus.

Jo­han­nes Lo­renz vom Bis­tum Lim­burg er­läu­tert, dass Teu­fels­aus­trei­bun­gen in der ka­tho­li­schen Kir­che zwin­gend die Er­laub­nis des Bi­schofs be­nö­tig­ten. Die­se Er­laub­nis sei an äu­ßerst strik­te Re­geln ge­knüpft, die ärzt­li­che und psy­cho­lo­gi­sche Gut­ach­ten ein­be­zö­gen. Die Würz­bur­ger His­to­ri­ke­rin Pe­tra Ney­Hell­muth, die ih­re Dok­tor­ar­beit über den Fall An­ne­lie­se Mi­chel ge­schrie­ben hat, be­rich­tet, dass den­noch Ex­or­zis­men oh­ne kirchliche Ge­neh­mi­gung statt­fän­den. Wie vie­le es sind, las­se sich aber nur schwer schät­zen. Der Jour­na­list Mar­cus Weg­ner, der sich seit vie­len Jah­ren mit Ex­or­zis­mus be­fasst, geht da­von aus, dass es vier bis fünf in­of­fi­zi­el­le Ex­or­zis­men pro Tag in Deutsch­land gibt – „ver­teilt auf al­le Re­li­gio­nen, Kon­fes­sio­nen und Ab­spal­tun­gen“.

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