CDU nä­hert sich Grenz­schlie­ßung

Wenn die EU-Au­ßen­gren­zen nicht bald wie­der ge­si­chert wer­den, steht für die Re­gie­rungs­par­tei das Schen­gen-Ab­kom­men in­fra­ge. De Mai­ziè­re will not­falls „han­deln und nicht dar­über re­den“.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON JAN DREBES, GREGOR MAYNTZ, EVA QUADBECK UND THO­MAS REI­SE­NER

BER­LIN/DÜSSELDORF Mit dem Drei­klang aus „ord­nen, steu­ern, re­du­zie­ren“will die CDU-Füh­rung die De­le­gier­ten beim be­vor­ste­hen­den Bun­des­par­tei­tag von For­de­run­gen nach ei­ner Ober­gren­ze für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen ab­brin­gen. Gleich­zei­tig gibt sie je­doch an die eu­ro­päi­schen Nach­barn das Si­gnal, dass die Frei­zü­gig­keit im Schen­genRaum nur blei­ben kann, wenn es ge­lingt, die Au­ßen­gren­zen zu si­chern. Das sei „der­zeit nicht ge­währ­leis­tet“, heißt es im Ent­wurf des Leit­an­trags, der am Sonn­tag von der Par­tei­füh­rung be­schlos­sen wer­den soll.

Die Re­gie­rung de­men­tier­te zwar ei­nen ge­hei­men Not­fall­plan, dem­zu­fol­ge die sta­tio­nä­re Grenz­kon­trol­le wie­der ein­ge­führt wer­de, wenn die Flücht­lings­zah­len doch nicht wei­ter sin­ken. „So Plä­ne müss­te ich ken­nen“, sag­te In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re. Doch er ver­wies zu­gleich dar­auf, dass es zu sei­nem Kern­ge­schäft ge­hö­re, dass „vie­le Va­ri­an­ten durch­dacht wer­den“. Dar­auf­hin be­teu­er­te er sei­ne Ent­schlos­sen­heit: „Wenn der Zeit­punkt er­reicht wä­re, müss­te man han­deln und nicht drü­ber re­den.“

Das be­deu­tet, dass die Re­gie­rung in­tern of­fen­bar doch ei­nen Zeit­punkt vor Au­gen hat, an dem sie nicht mehr al­lein auf ei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung setzt. Mit Nach­druck will sie ver­su­chen, die­sen Zeit­punkt zu ver­mei­den. So soll die Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex zu ei­ner EUKüs­ten­wa­che aus­ge­baut wer­den. In den neu­en „Hots­pots“in Grie­chen­land und Ita­li­en soll­ten Flücht­lin­ge nicht mehr nur re­gis­triert, son­dern auch auf die EU-Mit­glieds­staa­ten ver­teilt und nicht Schutz­be­dürf­ti­ge zu­rück­ge­schickt wer­den.

NRW-CDU-Chef Ar­min La­schet ver­stärk­te den Druck: „Wenn wir jetzt nicht auf­pas­sen, steht das ge­sam­te Schen­gen-Sys­tem auf dem Spiel“, sag­te er un­se­rer Re­dak­ti­on. Ge­nau dar­auf sei ein Ex­port­land wie NRW je­doch an­ge­wie­sen. Auch an an­de­rer Stel­le des Leit­an­trag-Ent­wur­fes ist ei­ne kla­re Dro­hung der CDU ent­hal­ten. Deutsch­land be­deu­te für vie­le Flücht­lin­ge Hoff­nung auf ei­ne bes­se­re Zu­kunft. „Doch kein Land, auch nicht Deutsch­land, kann ei­ne sol­che Hoff­nung al­lein er­fül­len“, stellt die CDU fest. Und sie kün­digt an, je­nen Län­dern die Ent­wick­lungs­hil­fe zu kür­zen, die sich der Rück­nah­me il­le­ga­ler Mi­gran­ten ver­wei­gern.

SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el grenz­te sich in ei­ner emo­tio­na­len Re­de vor dem Bun­des­par­tei­tag in Ber­lin von der Flücht­lings­po­li­tik der Uni­on und ins­be­son­de­re von For­de­run­gen der CSU nach ei­ner Ober­gren­ze ab. Nie­mals wer­de man die Bun­des­wehr mit auf­ge­pflanz­tem Ba­jo­nett an der Lan­des­gren­ze sta­tio­nie­ren, um wei­te­ren Flücht­lings­zu­zug zu ver­hin­dern, rief Ga­b­ri­el. Doch ge­nau das wä­re die Kon­se­quenz, wenn man Ober­gren­zen schaf­fe. „Nicht die Zahl der Flücht­lin­ge ist das Pro­blem, son­dern die Ge­schwin­dig­keit, mit der sie kom­men“, so der SPDChef. Er warb für den SPD-Leit­an­trag zur Flücht­lings­po­li­tik, der ne­ben ei­nem er­wei­ter­ten Blei­be­recht für Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge ent­ge­gen der Uni­on auch ein Ein­wan­de­rungs­ge­setz for­dert.

Der CDU-Lan­des­ver­band ste­he hin­ter der Flücht­lings­po­li­tik der Kanz­le­rin, er­klär­te La­schet. Die Eck­pfei­ler sei­en die Kon­tin­gent­lö­sung und die Re­du­zie­rung der Flücht­lings­zah­len. Die Hand­schrift der NRW-CDU sei in Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik gleich­wohl er­kenn­bar, „weil wir die Uni­on in der Asyl­po­li­tik nicht aus­ein­an­der­fal­len las­sen“, so La­schet. Als das Land mit der größ­ten Ein­wan­de­rungs­tra­di­ti­on in Deutsch­land ste­he die NRWCDU für „mehr Eu­ro­pa als Ant­wort auf das Flücht­lings­the­ma“. Das se­he nicht je­der Lan­des­ver­band so. Leit­ar­ti­kel Po­li­tik

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.