Ver­däch­ti­ge müs­sen sich nicht aus­zie­hen

Ei­ne Frau hat­te ge­gen die Pra­xis der Köl­ner Po­li­zei ge­klagt - mit Er­folg.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON KLAS LIBUDA

KÖLN Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat ei­ner Frau Recht ge­ge­ben, die ge­gen ih­ren Wil­len von Po­li­zis­ten aus­ge­zo­gen wur­de. Nach ei­ner aus dem Ru­der ge­lau­fe­nen Par­ty im Ju­li 2013 wa­ren die Be­am­ten aus­ge­rückt und hat­ten ei­nen Teil der Fei­ern­den in Ge­wahr­sam ge­nom­men. Auf dem Re­vier for­der­ten die Po­li­zis­ten die Klä­ge­rin auf, sich zum Zwe­cke der Durch­su­chung voll­stän­dig zu ent­klei­den. Die Frau wei­ger­te sich. Zu Recht, wie das Ge­richt ent­schied.

Die Aus­zieh-Pflicht war bis zur Kla­ge der Frau, die von männ­li­chen Be­am­ten fest­ge­hal­ten und aus­ge­zo­gen wur­de, üb­li­che Pra­xis in der Köl­ner Be­hör­de. Die Po­li­zis­ten folg­ten ei­ner Di­enst­an­wei­sung des dor­ti­gen Prä­si­di­ums. Aus ver­fas­sungs- recht­li­chen Grün­den müs­se aber im Ein­zel­fall ent­schie­den wer­den, ei­ne ge­ne­rel­le An­ord­nung sei rechts­wid­rig, ur­teil­te das Ge­richt. Zu­mal die Frau von Po­li­zis­tin­nen hät­te durch­sucht wer­den müs­sen. Die NRWGe­wahr­sams­ord­nung schreibt ei­ne Durch­su­chung durch gleich­ge­schlecht­li­che Be­am­te vor.

Die Aus­zieh-Pflicht sei lan­des­weit ein Ein­zel­fall, sag­te Ar­nold Pli­ckert, Vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei NRW. „Wir hal­ten das nicht für er­for­der­lich.“In den meis­ten Fäl­len ge­nü­ge es, Per­so­nen zu durch­su­chen und ab­zu­tas­ten, „oh­ne dass sich die­se aus­zie­hen müs­sen“. Es ge­he dar­um, die Be­am­ten, aber auch die Per­so­nen vor sich selbst zu schüt­zen, dar­um wür­den den Per­so­nen auch Gür­tel und Schnür­sen­kel ab­ge­nom­men. Al­lein mut­maß­li­che Dro­gen­dea­ler müss­ten sich stets voll­stän­dig ent­klei­den, sag­te Pli­ckert, weil sie ih­re Wa­re in Kör­per­öff­nun­gen ver­ste­cken könn­ten.

Grund­sätz­lich sei­en Per­so­nen „gründ­lich zu durch­su­chen“, sag­te ein Spre­cher des NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­ums. „Es kann nie aus­ge­schlos­sen wer­den, dass sie Waf­fen oder Dro­gen ver­ste­cken.“In letz­ter Kon­se­quenz kön­ne dies auch be­deu­ten, dass sich Ver­däch­ti­ge aus­zie­hen müss­ten. Aber eben nicht im­mer. In Köln ha­be man die Aus­zieh-Pflicht, die „jahr­zehn­te­lang“Be­stand hat­te, wie ein Köl­ner Po­li­zei-Spre­cher sag­te, be­reits vor dem Ur­teil ab­ge­schafft. Im Pro­zess­ver­lauf ha­be sich das Ur­teil be­reits ab­ge­zeich­net. Da hät­ten die Köl­ner schon mal vor­ge­ar­bei­tet, heißt es aus Po­li­zei­krei­sen.

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