Düs­sel­dor­fer tex­tet für He­le­ne Fi­scher

An­fangs woll­te der 36-Jäh­ri­ge selbst Sän­ger wer­den, dann ent­deck­te er sein Ta­lent fürs Song­schrei­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON HOLGER LODAHL

DÜSSELDORF Am An­fang steht ei­ne Zei­le. Nur vier oder fünf Wor­te, die als Satz et­was Ge­fühl aus­drü­cken müs­sen. Solch ein Geis­tes­blitz, das er­zählt Tobias Reitz, reicht aus, um ei­nen Schlager-Hit zu ma­chen. „Die Nacht ist so lang“, „Du hast mir Glück ge­bracht“und „Das Le­ben ist doch zum Le­ben da“zum Bei­spiel – und schon ist die Ba­sis für ei­nen Schlager fer­tig.

Den Kniff hat Tobias Reitz raus: Er ist ei­ner der er­folg­reichs­ten Tex­ter für deut­sche Mu­sik. Vie­le Num­mer­eins-Hits hat er ge­schrie­ben, meh­re­re Gol­de­ne Schall­plat­ten hän­gen an den Wän­den in sei­ner Woh­nung in Düsseldorf-De­ren­dorf. Auch sein größ­ter Er­folg fing mit ei­ner ba­na­len Zei­le an: „Du fängst mich auf und lässt mich flie­gen“füg­te Tobias schritt­wei­se und in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kom­po­nis­ten meh­re­re Stro­phen und den Re­frain hin­zu. Das Ge­samt­werk ge­fiel der da­mals auf­stre­ben­den Sän­ge­rin He­le­ne Fi­scher so gut, dass sie das Lied für ih­re CD „So nah wie Du“ein­sang und prompt ei­nen Num­mer-ein­sHit lan­de­te. „Nach die­sem Er­folg woll­ten plötz­lich vie­le Leu­te mit mir ar­bei­ten – Leu­te, die mich jah­re­lang ab­ge­wim­melt hat­ten“, sagt der 36Jäh­ri­ge.

Schla­ger­fan war Reitz schon im­mer. Als Jun­ge woll­te er Sän­ge­rin Andrea Jür­gens hei­ra­ten, und er war, das gibt er un­um­wun­den zu, „ein­deu­tig Flip­pers-süch­tig“. Das ers­te Kon­zert, das er be­such­te, war von den Ka­s­tel­ru­ther Spat­zen. „Da­mals dach­te ich noch, dass ich selbst Sän­ger wer­den könn­te“, sagt er. Weil er aber nicht so recht bei Stim­me war, be­gann er erst ein­mal ein Stu­di­um der Ger­ma­nis­tik und Me­di­en­wis­sen­schaft in Düsseldorf. In die­ser Zeit schrieb er schon ei­ge­ne Tex­te und nahm an ei­nem Se­mi­nar teil, das Reim- und Me­trik­leh­re, Stil­kun­de und Song­dra­ma­tur­gie ent­hielt. Da­nach bot er sei­ne Tex­te kreuz und quer in der Schla­ger­bran- che an – und wur­de meist ab­ge­lehnt. Bis er ein­fach ein­mal bei Je­an Frank­fur­ter an­rief, seit Jahr­zehn­ten ei­ner der er­folg­reichs­ten Kom­po­nis­ten und Pro­du­zen­ten. „Schi­cken Sie mal was“, sag­te der. So schrieb Tobias Reitz sei­nen ers­ten Hit: „San­to Do­m­in­go, die Ster­ne und Du“, sanft ge­sun­gen von der Grup­pe Fer­nan­do Ex­press. „Ein Ein­stieg nach Maß“sei der Er­folg ge­we­sen, sagt Reitz rück­bli­ckend und konn­te bald dar­auf ei­nen Text an Andrea Berg ge­ben. „Die Nacht ist so lang“er­schien zwar auf Bergs Er­folgs­al­bum „Macht­los“, sei aber nicht viel mehr ge­we­sen als ein un­spek­ta­ku­lä­rer Ril­len­fül­ler.

Als dann end­lich „Du fängst mich auf und lässt mich flie­gen“von He­le­ne Fi­scher er­schien, hat­te Tobias Reitz es ge­schafft – und hat­te sei­nen Ruf weg: „Der Typ ist ei­ne Schnul­ze auf zwei Bei­nen“, sag­te je­mand über ihn. Tobias Reitz fin­det das lus­tig. „Ich ha­be das Be­dürf­nis, die Men­schen zu un­ter­hal­ten, Trost zu spen­den und den All­tag auf­zu­hüb­schen“, sagt er und schreibt in­zwi­schen für Jür­gen Dr­ews, Patrick Lind­ner, Angelika Mils­ter, Mi­reil­le Ma­thieu und vie­le wei­te­re Stars der Schlager-Bran­che.

Die nächs­ten Er­fol­ge des Düs­sel­dor­fers sind schon fer­tig. Mit Andrea Jür­gens ar­bei­tet er zu­sam­men. Zwar hat es nicht für ei­ne Hei­rat ge­reicht, aber vier Schlager ih­rer neu­en CD stam­men von Tobias Reitz. Und An­fang Ja­nu­ar bringt Flo­ri­an Sil­be­rei­sen sein neu­es Schla­gerPro­jekt auf den Markt. „Vor­sicht un­zen­siert“wird die CD hei­ßen – und ent­hält vier Schlager von Tobias Reitz. Wenn es gut läuft, muss er in sei­ner Woh­nung nach ei­nem Platz su­chen, an dem er wie­der ei­ne Gol­de­ne Schall­plat­te auf­hän­gen kann. Viel­leicht im Ba­de­zim­mer. Dort über dem WC hängt näm­lich schon das Edel­me­tall für sei­nen He­le­neFi­scher-Er­folg. Denn die Sän­ge­rin, das weiß je­der Schlager-Fan, und Flo­ri­an Sil­be­rei­sen sind ja seit Jah­ren ein Lie­bes­paar.

FOTO: BERND SCHALLER

Tobias Reitz hat schon ei­ni­ge Gol­de­ne Schall­plat­ten.

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