Saf­ti­ger Er­folg für Rot­bäck­chen

Der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band hat­te sich dar­an ge­rie­ben, dass das Haus Ra­ben­horst sei­nen Kin­der­saft mit den Wor­ten „Lern­stark“und „Mit Ei­sen zur Un­ter­stüt­zung der Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit“be­wor­ben hat­te, und ge­klagt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

KARLS­RU­HE (dpa/RP) Ge­ne­ra­tio­nen ken­nen sie, die dun­kel­brau­nen Fla­schen mit dem la­chen­den, blau­äu­gi­gen Kind, des­sen blon­de Haar­pracht un­ter ei­nem blau­en Tuch her­vor­lugt. Die ge­sun­de Ge­sichts­far­be taucht schon im Mar­ken­na­men auf: Rot­bäck­chen-Saft aus dem Haus Ra­ben­horst, ei­nem Pro­du­zen­ten aus dem rhein­land-pfäl­zi­schen Un­kel.

Um des­sen Pro­dukt ha­ben sich nun der Her­stel­ler und der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band (VZBV) ei­nen saf­ti­gen Streit ge­lie­fert, der ges­tern mit ei­nem Ur­teil vor dem Bun­des­ge­richts­hof en­de­te. Wie weit, so war die von den Ver­brau­cher­schüt­zern auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, darf der Her­stel­ler ei­nes Kin­der­safts bei der Be­wer­bung sei­nes Pro­dukts ge­hen?

Haus Ra­ben­horst hat­te ei­ne Rot­bäck­chen-Sor­te, die seit 2011 im Sor­ti­ment ist, mit den Wor­ten be­wor­ben: „Lern­stark“und „Mit Ei­sen zur Un­ter­stüt­zung der Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit“.

Die Ver­brau­cher­schüt­zer sa­hen dar­in ei­nen Ver­stoß ge­gen eu­ro­päi­sche Vor­ga­ben zu ge­sund­heits­be­zo­ge­nen An­ga­ben vor. „Die An­ga­ben auf der Fla­che sind nach der eu­ro­päi­schen He­alth-Claims-Ver­ord­nung nicht er­laubt“, sag­te Su­san­ne Ein­sied­ler vom VZBV. Die­se gilt un­mit­tel­bar für al­le EU-Mit­glied­staa­ten, al­so auch für Deutsch­land. Sie re­gelt, wel­che nähr­wert- und ge­sund­heits­be­zo­ge­nen An­ga­ben die Her­stel­ler bei der Wer­bung für ih­re Pro­duk­te ma­chen dür­fen und wel­che nicht. Da­mit sol­len Ver­brau-

Wie weit, so die Ver­brau­cher­schüt­zer, darf der Her­stel­ler ei­nes Kin­der­safts mit der Wer­bung ge­hen?

cher vor ir­re­füh­ren­den, wis­sen­schaft­lich nicht be­leg­ten und nicht zu­ge­las­se­nen An­ga­ben ge­schützt wer­den. Bei der Ent­wick­lung und

Ge­sund­heit von Kin­dern ist die Ver­ord­nung be­son­ders streng. Die Ein­schät­zung der Ver­brau­cher­schüt­zer über den Rot­bäck­chen-Saft teil­ten im Üb­ri­gen auch die Vor­in­stan­zen: Für das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Ko­blenz war es die Ver­bin­dung der An­ga­ben „Lern­stark“und „Mit Ei­sen zur Un­ter­stüt­zung der Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit“zu­sam­men mit der Ab­bil­dung des Mäd­chen­kop­fes auf dem Eti­kett. Da­durch wer­de un­zu­tref­fend vor­ge­ge­ben, dass der Saft den Lern­pro­zess ei­nes Kin­des stär­ke und un­ter­stüt­ze, hieß es.

Die­ses Ur­teil kas­sier­ten ges­tern je­doch die Rich­ter in Karls­ru­he. Ra­ben­horst sei mit der Wer­bung nicht über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen. Die EU-Ver­ord­nung er­lau­be die An­ga­be „Ei­sen trägt zur nor­ma­len ko­gni­ti­ven Ent­wick­lung von Kin­dern bei“. Dies sei mit der Aus­sa­ge auf dem Fla­schene­ti­kett ver­gleich­bar. Der Zu­satz „Lern­stark“sei zu­läs­sig, da sich die­ser Be­griff auf die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit be­zieht (Az.: I ZR 222/13).

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