Gro­Ko will neu­es Rat­haus in Rhe­ydt bau­en

Mit­te 2016 wird ent­schie­den, ob die Stadt ein Ver­wal­tungs­ge­bäu­de baut. Das lan­ge ge­for­der­te Raum­kon­zept soll bis da­hin vor­lie­gen. Ein Neubau, wahr­schein­lich am Rhe­ydter Rat­haus, macht nur Sinn, wenn Stand­or­te künf­tig weg­fal­len.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON DIE­TER WE­BER

Der fol­gen­rei­che Satz taucht auf der fünf­ten Sei­te ei­ner Be­ra­tungs­vor­la­ge auf, mit der OB Hans Wil­helm Rei­ners (CDU) über ein Ge­setz mit dem Wor­t­un­ge­tüm „Kom­mu­nal­in­ves­ti­ti­ons­för­der­ge­setz“in­for­miert. „Die durch die Ent­las­tung des Haus­halts ge­won­ne­nen Mit­tel in Hö­he von rund 11,4 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len für die Sa­nie­rung bzw. den Neubau ei­nes Ver­wal­tungs­ge­bäu­des zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den“, heißt es da. Da­mit ist die Kat­ze aus dem Sack: CDU und SPD pla­nen ein neu­es gro­ßes Rat­haus – und zwar in Rhe­ydt.

Ei­ne Rich­tungs­ent­schei­dung soll im ers­ten Halb­jahr nächs­ten Jah­res fal­len, wenn end­lich das Raum­kon­zept für die Stadt­ver­wal­tung vor­liegt. Dann wird es bis Früh­jahr 2017 dau­ern, bis der Neubau durch­ge­rech­net ist. Schon jetzt scheint klar zu sein: Es lohnt sich ver­mut­lich nicht, vie­le Mil­lio­nen in die Sa­nie­rung der Ver­wal­tungs­stand­or­te zu ste­cken. Zu­mal dies nicht das Pro- blem be­sei­ti­gen wird, die auf mehr als 20 Stand­or­te ver­teil­te Stadt­ver­wal­tung auf nur we­ni­ge Kern­ge­bäu­de zu kon­zen­trie­ren.

Bei der SPD ist der Stand­ort Rhe­ydt al­ler­ers­te Wahl, die CDU hat sich noch nicht fest­ge­legt. Al­ler­dings stammt die Idee, den Rhe­ydter Rat­haus­kom­plex in gro­ßen Tei­len zu er­neu­ern, aus dem Jahr 2007, als die Christ­de­mo­kra­ten mit den Li­be­ra­len ei­ne Rats­mehr­heit bil­de­ten. Denn hin­ter den denk­mal­ge­schütz­ten Ge­bäu­de­tei­len gibt es nüch­ter­ne 1950er-Jah­re-Zweck­bau­ten mit viel zu ho­hen Ener­gie­kos­ten und falsch an­ge­ord­ne­ten Räu­men. 2009 lag dann ei­ne ers­te Kos­ten­pla­nung vor: Rund 30 Mil­lio­nen Eu­ro soll­ten die Rhe­ydter Rat­haus-Plä­ne kos­ten. Das jähr­li­che Ein­spar­po­ten­zi­al, das sich dar­aus er­gibt, weil die Stadt Stand­or­te auf­ge­ben kann, wur­de auf 900.000 Eu­ro jähr­lich be­zif­fert. Da­zu kom­men Ver­kaufs­er­lö­se von Grund­stü­cken.

Der Ha­ken bei die­ser Pla­nung: Es wur­de das da­ma­li­ge Raum­pro­gramm für die Stadt­ver­wal­tung 1:1 über­nom­men. Und das, so schluss­fol­ger­ten sei­ner­zeit CDU und FDP, macht we­nig Sinn, weil sich ein neu­es Rat­haus erst dann rech­net, wenn deut­lich Platz ein­ge­spart wird. Auf die­sem Weg ist die Gro­Ko: Im ers­ten Halb­jahr soll das Raum­kon­zept vor­lie­gen, an dem Stadt­ver­wal­tung und Ge­mein­de­prü­fungs­an­stalt ar­bei­ten. Es wird kla­re Aus­sa­gen ma­chen, wie die Ver­wal­tung auf we­ni­ge Stand­or­te kon­zen­triert wer­den kann. „Es muss ei­ne deut­li­che Zen­tra­li­sie­rung ge­ben. Am liebs­ten wä­re mir nur ein Stand­ort in der gan­zen Stadt“, sagt der CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Hans Pe­ter Schle­gel­milch. Hans Pe­ter Schle­gel­milch CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der

Er­war­tet wird in dem Kon­zept auch ei­ne stra­te­gi­sche Aus­rich­tung: Es soll dar­ge­legt wer­den, wie ei­ne Stadt­ver­wal­tung der Zu­kunft aus­sieht – wel­che Auf­ga­ben sie noch hat, wie ih­re di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge sind, wo Schwer­punk­te künf­ti­ger Ar­beit lie­gen. „Wir brau­chen für das neue Ver­wal­tungs­ge­bäu­de kei­nen Pracht­bau, son­dern funk­tio­na­le Bü­ro­räu­me“, sagt der SPD-Frak­ti­ons­chef Felix Hein­richs. Ei­nig sind sich CDU und SPD, dass der po­li­ti­sche Sitz der Stadt im Rat­haus Ab­tei sein soll: Hier ar­bei­tet der OB , hier tagt der Rat, hier ha­ben Frak­tio­nen ih­re Räu­me.

Auch hin­ter der Fi­nan­zier­bar­keit ste­hen Fra­ge­zei­chen. Über das Kom­mu­nal­in­ves­ti­ti­ons­för­der­ge­setz – ei­ne Art Kon­junk­tur­pa­ket III – er­hält Glad­bach 26,4 Mil­lio­nen. Rund 9,9 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den für den Rat­haus-Neubau auf die Sei­te ge­legt, nach­dem von den ur­sprüng­li­chen 11,4 Mil­lio­nen schon 1,5 Mil­lio­nen ab­ge­zweigt wer­den – für das neue De­mo­gra­fie-Ma­nage­ment.

Wenn ein Un­ter­neh­men so ar­bei­ten wür­de, wä­re es nach die­sem Schne­cken­ren­nen plei­te: Aus dem Jahr 2007 stam­men Plä­ne, die Ver­wal­tung auf ei­nen Stand­ort zu kon­zen­trie­ren. Mehr als acht Jah­re spä­ter könn­te ei­ne Ent­schei­dung fal­len. Im­mer­hin: Der Tan­ker Stadt be­wegt sich. Ein Neubau macht Sinn – al­ler­dings nur dann, wenn tat­säch­lich mög­lichst al­le an­de­ren Ver­wal­tungs­stand­or­te, bis auf not­wen­di­gen Bür­ger­ser­vice in Au­ßen­be­zir­ken, dicht ge­macht wer­den. Der Stand­ort Rhe­ydt ist stra­te­gisch rich­tig. Bis ge­baut wird, wer­den aber Jah­re ver­ge­hen. Und da wächst die Ge­fahr, dass die 10 Mio. Eu­ro für die Teil-Fi­nan­zie­rung an­der­wei­tig ver­teilt wer­den.

Die­ter.We­ber@Rheinische-Post.de

Am liebs­ten wä­re mir nur ein Stand­ort in

der gan­zen Stadt“

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