U(hu)nge­wöhn­li­che Tier­ret­tung

Ei­ne Spa­zier­gän­ge­rin fand den Vo­gel, als es noch dun­kel war. Bi­o­bau­er Rei­ner Brungs alar­mier­te die Feu­er­wehr.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Rei­ner Brungs trau­te sei­nen Au­gen nicht, als ihn ei­ne Spa­zier­gän­ge­rin am frü­hen Mitt­woch­mor­gen auf den un­an­ge­kün­dig­ten Gast auf sei­nem Hof auf­merk­sam mach­te. Ein Knäu­el aus Fe­dern lag am Bo­den, so rich­tig er­ken­nen konn­te der Bio­land­wirt das Tier aber nicht in der Däm­me­rung. Lang­sam nä­her­te er sich dem Häuf­chen und stell­te er­staunt fest: Ein Uhu hat sich mit sei­nem Ring, den er am Bein trägt, im Zaun ver­hed­dert. „Ge­nau­er ge­sagt ei­ne Uhu-Da­me“, sagt Brungs. So et­was hat der Mann, der nun wirk­lich viel Zeit in der Na­tur ver­bringt, noch nie ge­se­hen. Da Rei­ner Brungs der Fach­mann für Obst und Ge­mü­se ist, kei­ner aber, wenn es um Greif­vö­gel geht, alar­mier­te er die Feu­er­wehr. Die lan­gen Kral­len jag­ten ihm näm­lich ein biss­chen Angst ein. Ge­mein­sam mit den bei­den Ein­satz­kräf­ten be­frei­te der Bi­o­bau­er den Uhu: „Die Feu­er­wehr­män­ner fi­xier­ten das Tier, ich schnitt den Zaun durch“, er­zählt er.

Zum Glück hüpf­te die Uhu-Da­me gleich los, nur rich­tig flie­gen woll­te sie nicht. Rei­ner Brungs war be­sorgt, ver­stän­dig­te am Nach­mit­tag den NA­BU. Viel­leicht hat­te sich die Da­me ver­letzt. Die gu­te Nach­richt vor­weg: Der Uhu-Da­me geht es gut, sie war le­dig­lich ein biss­chen er­schöpft nach ih­rer Nacht in Ge­fan­gen­schaft. Or­ni­tho­lo­ge Bernd Bäu­mer hol­te die Uhu-Da­me ab und brach­te sie in ei­ne Greif­vo­gel-Sta­ti­on zum Auf­päp­peln. „2800 Gramm wiegt sie“, sagt Bäu­mer. Ein gu­tes Ge­wicht, wie er fin­det. Die jun­ge Da­me sei im Früh­jahr ge­bo­ren wor­den, in Els­dorf, di­rekt am Ta­ge­bau, rund 40 Ki­lo­me­ter von Glad­bach ent­fernt. Am Wo­che­n­en­de soll die Uhu-Da­me wie­der frei­ge­las­sen wer­den.

Für Rei­ner Brungs war der Fund des jun­gen Greif­vo­gels „spek­ta­ku­lär“. Und wit­zig zu­gleich: „Ich ge­hö­re ei­nem Män­ner­ver­bund an, des­sen Wap­pen ein Uhu ist“, sagt Brungs. Bernd Bäu­mer da­ge­gen weiß, dass es in­zwi­schen wie­der mehr Uhus in der Stadt gibt. Am Was­ser­turm in Wick­rath brü­te­ten sie ger­ne, be­vor er ab­ge­ris­sen wor­den sei. „In der Nä­he des Be­ton­werks Hey­er vor Rhein­dah­len sind vie­le Uhus oder im Buch­hol­zer Wald“, sagt der Ex­per­te. Er hofft, dass in fünf Jah­ren NRW flä­chen­de­ckend be­sie­delt ist. Und er ist sehr zu­frie­den mit der Ret­tungs­ak­ti­on, die der Bio­land­wirt ein­lei­te­te. „Wer kei­ne Greif­vo­gel-Kennt­nis­se hat, der soll­te vor­sich­tig sein“, sagt Bäu­mer. Schließ­lich kann so ei­ne UhuDa­me ei­ne Flü­gel­spann­wei­te von bis zu 1,80 Me­ter er­rei­chen.

FOTOS: MAR­CUS BRUNGS (2), FEU­ER­WEHR

Or­ni­tho­lo­ge Bernd Bäu­mer hol­te die Uhu-Da­me ab und brach­te sie in ei­ne Greif­vo­gel-Sta­ti­on zum Auf­päp­peln.

Völ­lig er­schöpft lag der jun­ge Greif­vo­gel nach der Nacht in Ge­fan­gen­schaft im Gras auf dem Bio­land Brungs.

Die Feu­er­wehr­leu­te fi­xier­ten die UhuDa­me, um sie zu be­frei­en.

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