Jazz­pia­nist Tho­mas Rü­ck­ert trat mit sei­nem Trio im TIG auf

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON CHRIS­TI­AN OS­CAR GAZSI LA­KI

Beim letz­ten Kon­zert der Rei­he Fi­ne-Art-Jazz in die­sem Jahr gas­tier­te der Jazz­pia­nist Tho­mas Rü­ck­ert mit sei­nem Trio im TIG. Wenn­gleich nicht in der Stamm­be­set­zung mit Re­za As­ka­ri am Bass son­dern mit Da­vid Helm als ab­so­lut wür­di­gen Er­satz. Zu­sam­men mit Schlag­zeu­ger Fa­bi­an Arends ent­führ­ten die drei das Pu­bli­kum in ei­ne sub­ti­le Klang­welt ei­ge­ner Kom­po­si­tio­nen und we­ni­ger Stan­dards.

Rü­ck­ert ge­hört nicht zu den Pia­nis­ten, die ih­re mu­si­ka­li­schen Im­pul­se aus ei­nem en­er­gie­ge­la­de­nen Dri­ve oder aus reiz­vol­ler Vir­tuo­si­tät zie­hen. Auf ei­ne be­son­de­re Wei­se klingt die bis­wei­len zum Still­stand nei­gen­de Mu­sik des Tri­os re­du­ziert, von all­zu jaz­zi­gen Ste­reo­ty­pen ab­ge­löst. So wie Fa­bi­an Arends mit sei­nen Drums das Schlag­zeug­spiel zu­guns­ten ei­ner Art Klang­kunst tran­szen­diert, so klingt das, was Rü­ck­ert am Kla­vier da­hin­flie­ßen lässt, eben­falls un­kon­ven­tio­nell. Wenn der Pia­nist sich über die Tas­ten des Flü­gels beugt, ein­taucht in sei­ne Ton­ma­le­rei, er­spürt man ei­nen Zu­gang zum In­stru­ment, der sich nichts aus har­tem oder star­kem Ton macht, viel­mehr das Wei­che und Be­schei­de­ne sucht. So ist auch das leicht­fü­ßi­ge Bass­spiel Helms. Für Rü­ck­ert ist das Kla­vier kein Schlag­in­stru­ment, das mal­trä­tiert wer­den muss.

Pa­ra­dig­ma­tisch für den Abend war schon das ers­te aus so ei­ner un­schein­bar sim­plen Me­lo­die ent­wi­ckel­te Klang­kunst­werk: Jill’s The­me – nicht das mit der Mund­har­mo­ni­ka – aus „Spiel mir das Lied vom Tod“von En­nio Mor­ri­co­ne. Je­doch blieb nicht viel von der in die­ser Mu­sik in­ne­woh­nen­den emo­tio­na­len Kraft. Fast ana­ly­tisch, fast et­was un­ter- kühlt ist die­ser avant­gar­dis­ti­sche Mi­ni­ma­lis­mus, mit dem Rü­ck­ert sich der Mo­ti­ve an­de­rer an­nimmt. Wirk­lich zün­den­de So­li wie das Schlag­zeug in “My shi­ning hour” sor­gen für Ab­wechs­lung im mo­no­li­thi­schen Klang­fluss. Up tem­po ge­lingt gut, lässt Rü­ck­ert auch mal tech­nisch auf­trump­fen, aber es wird nie wirk­lich mit­rei­ßend. Muss es aber im­mer zün­dend sein?

Nein – bei zu vie­len Rei­zen, die uns auch mu­si­ka­lisch täg­lich von den Sit­zen rei­ßen wol­len, soll­ten wir nicht ver­ges­sen, dass auch Zwi­schen­tö­ne sehr ge­nuss­brin­gend sein kön­nen.

RP-FOTO: DETLEF ILGNER

Das Trio gas­tier­te im TIG.

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