„Der klei­ne Prinz“wird zum Ret­ter un­se­rer Ge­gen­wart

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON PHIL­IPP HOL­STEIN

Ei­gent­lich geht das gar nicht, man kann aus die­sem Stoff kei­nen zeit­ge­mä­ßen Spiel­film ma­chen. „Der klei­ne Prinz“von An­toi­ne de Sain­tE­xu­pé­ry ist durch so vie­le Her­zen ge­wan­dert, dass man die Es­senz die­ses Tex­tes aus dem Jahr 1943 kaum mehr zu fin­den ver­mag – zu vie­le Pro­jek­tio­nen und zu vie­le Zu­schrei­bun­gen ver­wäs­sern sie.

Man darf die Neu­ver­fil­mung durch Mark Os­bor­ne al­so ru­hig als klei­nes Wun­der be­zeich­nen, denn der US-Re­gis­seur über­trägt die al­te Ge­schich­te des zar­ten Schwär­mers vom As­te­ro­iden B 612 in un­se­re Ge­gen­wart, und ob­wohl er tat­säch­lich ganz oh­ne Kitsch aus­kommt, ist das rüh­rend an­zu­se­hen. Es gibt ei­ne Rah­men­hand­lung, in der zieht ein Mäd­chen mit sei­ner Mut­ter in ein schach­tel­för­mi­ges Haus. Die Mut­ter hat je­den Tag im Le­ben der Toch­ter durch­ge­plant mit Ler­nen und Üben. Es geht um Selbst­op­ti­mie­rung und Ef­fi­zi­enz, man hört „Ti­gerMa­ma“Amy Chua von Fer­ne brül­len, und da ist es gut, dass das ein­sa­me Mäd­chen ei­nes Ta­ges auf den schus­se­li­gen Pi­lo­ten-Zau­sel von ne­ben­an trifft. Der al­te Mann wohnt in ei­nem von Efeu über­wu­cher­ten Haus und er­zählt dem Mäd­chen die Ge­schich­te vom klei­nen Prin­zen.

Nun wech­selt der Film vom Zei­chen­trick zur alt­mo­di­schen StopMo­ti­on-Tech­nik. Ein Hauch von „Un­end­li­cher Ge­schich­te“durch­zieht die Bil­der, spä­ter fühlt man sich gar an „The Wall“er­in­nert. Der Hö­he­punkt ist er­reicht, wenn die Er­zäh­lun­gen von poe­ti­schem Prin­zen und pa­ten­tem Mäd­chen in­ein­an­der wu­chern, Ver­gan­gen­heit und Jetzt­zeit eins wer­den. Die Kin­der kämp­fen ge­mein­sam ge­gen Groß­ka­pi­tal und Ge­fühls­käl­te, und per­so­ni­fi­ziert wird das Ver­ach­tens­wer­te in ei­ner Fi­gur, die al­les in ei­ne Ma­schi­ne wirft, was Spaß macht, und dar­aus Bü­ro­klam­mern presst.

Schö­nes Buch, denkt man am En­de, kann man mal wie­der le­sen. Der klei­ne Prinz, Frank­reich 2015 – Re­gie: Mark Os­bor­ne. Mit den Stim­men von Til Schwei­ger und Mat­thi­as Schweig­hö­fer, War­ner, 107 Min. FSK ab 0 Jah­re.

FOTO: DPA

Die Fi­gur des Klei­nen Prin­zen im neu­en Ki­no­film.

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