Wer fährt so spät bei Nacht und Wind

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Front­schei­be ka­putt? Au­to­tür ver­beult? Kein Pro­blem, das Fahr­zeug wird re­pa­riert und kann am nächs­ten Tag wie­der ab­ge­holt wer­den. Der Kun­de freut sich über den Ser­vice der Werk­statt – und macht sich in der Re­gel kei­ne Ge­dan­ken dar­über, dass die Er­satz­tei­le über Nacht quer durch die Re­pu­blik trans­por­tiert wur­den. Da­bei wä­ren man­che Di­enst­leis­tun­gen oh­ne Nacht­trans­por­te gar nicht denk­bar. Die Lis­te der Gü­ter, die durch die kal­te Nacht trans­por­tiert wer­den, wäh­rend die meis­ten Men­schen im Land in ih­ren war­men Bet­ten lie­gen, ist na­he­zu end­los. Me­di­ka­men­te, Ma- schi­nen­bau­tei­le, Trak­to­ren­kupp­lun­gen, Pfer­de-Sper­ma: Im­mer mehr Gü­ter, die schnell und zu­ver­läs­sig von ei­nem Ort zum an­de­ren ge­lan­gen sol­len, wer­den von Di­enst­leis­tern wie Night Star Ex­press oder TNT In­night er­le­digt, ei­ner Toch­ter des nie­der­län­di­schen Lo­gis­ti­kRie­sen TNT.

In Deutsch­land wer­den die bei­den Markt­füh­rer al­lein im lau­fen­den Jahr mehr als zehn Mil­lio­nen Fahr­ten ab­sol­viert ha­ben. Das sind mehr 27.000 Fahr­ten pro Nacht, bei de­nen im Durch­schnitt zwei bis drei Sen­dun­gen zu­ge­stellt wer­den. Bei den Zah­len wird deut­lich, wel­che Di­men­sio­nen die­ser spe­zi­el­le Be­reich der Lo­gis­tik be­reits er­reicht hat. Die Nach­fra­ge da­nach steigt ste­tig. Von ei­nem mitt­le­ren ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich Zu­wachs pro Jahr ist die Re­de. Wachs­tums­trei­ber ist vor al­lem das Er­satz­teil­ge­schäft für die Au­to­mo­ti­ve-Bran­che, die zu den Kern­märk­ten des Nacht­ex­pres­sDi­enst­leis­ters ge­hört.

„Wir sor­gen mit un­se­ren Nacht­fahr­ten da­für, dass Lü­cken in der Pro­duk­ti­on ge­schlos­sen wer­den, wenn zum Bei­spiel wich­ti­ge Er­satz­tei­le, Ma­te­ri­al oder Werk­zeu­ge am Pro­duk­ti­ons­stand­ort oder für ei­ne be­stimm­te Di­enst­leis­tung feh­len. Tags­über sind die Stra­ßen durch den dich­ten Verkehr oft ver­stopft. Wir nut­zen die nächt­li­chen Zeit­fens­ter für den schnel­le­ren Trans­port“, sagt Mat­thi­as Hoh­mann, Ge­schäfts­füh­rer von Night Star Ex­press. Das Un­ter­neh­men aus Un­na, ein Zu­sam­men­schluss aus sie­ben deutsch­land­weit agie­ren­den Lo­gis­ti­kern, braust seit 20 Jah­ren durch die Re­pu­blik­näch­te, ak­tu­ell sind rund 800 Fahr­zeu­ge für Night Star Ex­press un­ter­wegs, die in Zwei­drit­tel der Fäl­le ei­ne Wa­re di­rekt von ei­nem Ort zum an­de­ren brin­gen.

Ein Drit­tel der Sen­dun­gen wird im Zen­tral­la­ger Hün­feld in der Nä­he von Ful­da kurz um­ge­la­den. Die Wa­ren wer­den den Emp­fän­gern in der Nacht oder den frü­hen Mor­gen­stun­den oh­ne Quit­tung zu­ge­stellt. Manch­mal wer­den die Pa­ke­te in La­ger­hal­len ab­ge­stellt oder auch in Fahr­zeu­ge ge­la­den. Die Night Star Ex­press-Fah­rerFah­rer ha­ben die ent­spre­chen­den Schlüs­sel. „Un­se­re Fah­rer be­tre­ten zum Teil Werks­ge­län­de oder Ge­schäfts­fi­lia­len un­se­rer Kun­den wie de­ren ei­ge­nes Per­so­nal. Es ist ein Ge­schäft, das auf Ver­trau­en ba­siert – von der ei­nen wie von der an­de­ren Sei­te“, sagt Mat­thi­as Hoh­mann.

Kom­mu­ni­ka­ti­on ist da das A und O. Zwi­schen den Fah­rern und den Emp­fän­gern der Sen­dun­gen. Aber auch in­tern. Nacht­trans­por­te quer durch die Re­pu­blik sind ei­ne Her­aus­for­de­rung an die Tech­nik. „Wir ver­su­chen, den Fah­rern so vie­le In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, wie es mög­lich und nö­tig ist, da­mit sie sich auf das We­sent­li­che kon­zen­trie­ren kön­nen“, er­klärt Hoh­mann. Die Fah­rer der sie­ben Ge­sell­schaf­ten nut­zen ei­ne ein­heit­li­che Soft­ware, die sie un­ter­wegs un­ter­stützt. Die Trans­por­t­rou­ten kön­nen durch je­des Ge­sell­schaf­ter-Un­ter­neh­men per GPS op­ti­miert wer­den. Die Aus­lie­fe­run­gen wer­den pro­to­kol­liert, fo­to­gra­fiert und für die Kun­den ge­spei- chert. Für je­den Aus­lie­fe­rungs­ort sen­den die Fah­rer den Emp­fän­gern ih­rer Fracht die GPS-Ko­or­di­na­ten.

„Die Aus­lie­fe­rungs­or­te sind zum Teil mo­bil. Wir be­la­den auch Fahr­zeu­ge. Und die ste­hen nicht im­mer an dem Ort, an dem un­se­rer Fah­rer die­se ei­gent­lich er­war­tet. Manch­mal sind Fahr­zeu­ge oder La­ger auch über­füllt. Dann müs­sen un­se­re Fah­rer nach prak­ti­ka­blen Al­ter­na­ti­ven in der Nä­he su­chen“, so Hoh­mann, für den die Orts­kennt­nis­se sei­ner Fah­rer und ihr Wis­sen um die Be­dürf­nis­se der Kun­den ein wich­ti­ges Pfund in sei­ner Un­ter­neh­mens­stra­te­gie sind. „Der Job des Nacht­ku­riers ist nicht für je­den ge­eig­net. Man

Für je­den Aus­lie­fe­rungs­ort sen­den die Fah­rer den Emp­fän­gern ih­rer Fracht die

GPS-Ko­or­di­na­ten „Ei­ne nied­ri­ge ei­ge­ne Per­so­nal­fluk­tua­ti­on be­deu­tet für uns ei­ne bes­se­re Kun­den­bin­dung“

muss das schon wol­len und nicht mit den Ar­beits­zei­ten ha­dern. Wer sich da­für ent­schie­den hat, den un­ter­stüt­zen wir, so­weit es uns mög­lich ist. Denn un­se­re Fah­rer sind per­sön­li­che Schnitt­stel­len zu un­se­ren Stamm­kun­den. Ei­ne nied­ri­ge ei­ge­ne Per­so­nal­fluk­tua­ti­on be­deu­tet für uns ei­ne bes­se­re Kun­den­bin­dung“, so Hoh­mann. Da­von pro­fi­tie­ren am En­de auch die End­kun­den. Je bes­ser die Ab­läu­fe mit­ein­an­der ab­ge­stimmt sind, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass die Front­schei­be oder die Au­to­tür tat­säch­lich am nächs­ten Mor­gen ein­ge­baut wer­den kann.

Manch­mal ha­de­re er da­mit, dass sich da­bei sel­ten je­mand Ge­dan­ken über die Trans­port­we­ge ma­che und ei­ne öf­fent­li­che Wert­schät­zung für die Lo­gis­tik­bran­che al­lent­hal­ben aus­blei­be, ge­steht Mat­thi­as Hoh­mann. Es wür­de ihm viel­leicht auch bei den ei­ge­nen Preis­ver­hand­lun­gen mit sei­nen Kun­den hel­fen. „Ein pünkt­li­cher und zu­ver­läs­si­ger Trans­port hat ei­nen Wert. Das soll­ten wir Lo­gis­ti­ker viel­leicht viel öf­ter be­to­nen“, so Hoh­mann.

FOTO: THINKSTOCKPHOTO.COM/KIM STEE­LE

So man­che Di­enst­leis­tung wä­re oh­ne Nacht­trans­por­te gar nicht denk­bar. Die Lis­te der Gü­ter, die durch die kal­te Nacht trans­por­tiert wer­den, ist na­he­zu end­los.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.