Hä­fen brau­chen mehr Ka­pa­zi­tä­ten

Der welt­wei­te Gü­ter­ver­kehr wächst. Da­von pro­fi­tie­ren die Hä­fen der Re­gi­on und mit ih­nen die lokale Wirt­schaft – vor­aus­ge­setzt, die Rah­men­be­din­gun­gen stim­men. Ex­per­ten se­hen hier Hand­lungs­be­darf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON JÜR­GEN GRO­SCHE

Der welt­weit wach­sen­de Gü­ter­ver­kehr be­flü­gelt das Wirt­schafts­wachs­tum und schafft Ar­beits­plät­ze, aber die Lo­gis­tik muss schau­en, da noch hin­ter­her­zu­kom­men. Ei­ne be­son­de­re Funk­ti­on kommt den See­und den Bin­nen­hä­fen zu, über die die Wa­ren ver­teilt wer­den. Denn je mehr die Schif­fe auf­neh­men, um­so stär­ker wer­den Schie­ne und Stra­ße ent­las­tet. Ak­tu­el­le Zah­len zei­gen die Di­men­sio­nen. Für die deut­schen Nord­see­hä­fen pro­gnos­ti­zie­ren Ex­per­ten des Fraun­ho­fer-Cen­ters für Ma­ri­ti­me Lo­gis­tik und Di­enst­leis­tun­gen ein Wachs­tum des Um­schlags­vo­lu­mens von 2010 bis 2030 um 80 Pro­zent. Wur­den 2010 noch 16 Mil­lio­nen Ton­nen um­ge­schla­gen, sol­len es 2030 stol­ze 389 Mil­lio­nen Ton­nen sein.

Für das Rhein­land be­son­ders wich­tig sind die ZARASee­hä­fen (Zee­brug­ge, Ant­wer­pen, Rot­ter­dam, Ams­ter­dam), die eben­falls wach­sen – so stark, dass sie an ih­re Ka­pa­zi­täts­gren­zen kom­men. Da­her wer­den im­mer mehr Ar­bei­ten ins Hin­ter­land ver­la­gert – und ge­nau da­von pro­fi­tie­ren die Hä­fen im Rhein­land. „Wir er­war­ten je­des Jahr ein Men­gen­wachs­tum zwi­schen drei und fünf Pro­zent“, sagt Rai­ner Schä­fer, Ge­schäfts­füh­rer der Ge­sell­schaft Neuss-Düs­sel­dor- fer Hä­fen (NDH). Da­für gibt es vie­le Grün­de. „Die Re­gi­on sucht eu­ro­pa­weit ih­res­glei­chen“, stellt Schä­fer fest. Zum ei­nen ver­bin­det der Rhein die Re­gi­on mit dem Meer. Dar­über hin­aus be­die­nen sehr vie­le Un­ter­neh­men aus dem wirt­schaft­lich star­ken Bal­lungs­raum her­aus die Welt­märk­te, und in­ter­na­tio­na­le Kon­zer­ne schau­en aufs Rhein­land, wenn sie sich in Eu­ro­pa an­sie­deln wol­len. Denn von hier aus sind auch Mil­lio­nen von End­kun­den schnell er­reich­bar.

Ein Ha­fen müs­se aber ei­ne kritische Grö­ße er­lan­gen, um als in­ter­na­tio­nal re­le­van­te Dreh­schei­be wahr­ge­nom­men zu wer­den, sagt Schä­fer. In­fra­struk­tur und lo­gis­ti­sche Di­enst­leis­tun­gen müs­sen da­für ge­eig­net sein, ei­ne Viel­zahl von Wa­ren und Gü­tern auf­neh­men und wei­ter­trans­por­tie­ren zu kön­nen. Und die An­bin­dung an die Wirt­schaft muss stim­men.

Was hier im Rhein­land der Fall sei, be­tont Schä­fer: Die sie­ben ko­ope­rie­ren­den Hä­fen in Neuss, Düsseldorf, Kre­feld und Köln bie­ten – so der NDH-Ge­schäfts­füh­rer – zum ei­nen al­le not­wen­di­gen lo­gis­ti­schen Di­enst­leis­tun­gen. Da­zu ge­hö­ren zum Bei­spiel ein Ha­fen­um­schlag von 27,7 Mil­lio­nen Ton­nen im Jahr, die größ­te deut­sche Gü­te­rei­sen­bahn mit mehr als 90 Lo­ko­mo­ti­ven und mehr als 1000 Wag­gons, 48 Kran­an­la­gen oder ein Con­tai­ner­um­schlag von 1,23 Mil­lio­nen TEU (Twen­ty-foot Equi­va­lent Unit, al­so Stan­dard­con­tai­ner) in 2014.

Ei­nen Vor­teil sieht Schä­fer auch in der de­zen­tra­len Struk­tur mit eben sie­ben Stand­or­ten. Sie lie­gen al­le in Kun­den­nä­he, die so­mit we­ni­ger An­fahr­ten hät­ten. Über die Köl­ner Hä­fen trans­por­tie­ren zum Bei­spiel der Au­to­her­stel­ler Ford und die che­mi­sche In­dus­trie ih­re Gü­ter und Fahr­zeu­ge. Die Öl- und Ge­trei­de­flo­cken­pro­du­zen­ten in Neuss und Düsseldorf pro­fi­tie­ren von der Ha­fen­nä­he eben­so wie Daim­ler, BASF, Hen­kel und vie­le an­de­re In­dus­trie­be­trie­be. Und im Ber­gi­schen ha­ben 40 Pro­zent der deut­schen Au­to­zu­lie­fe­rer ih­ren Sitz.

Dem Che­mie- und In­dus­trie­park in Reisholz kom­me mit sei­nen kur­zen We­gen in der Roh­stoff­ver­sor­gung und für den Trans­port der Fer­tig­pro­duk­te ei­ne wich­ti­ge Zu­kunfts­auf­ga­be zu, be­tont Schä­fer: „Mit dem Aus­bau kön­nen öko­lo­gi­sche und öko­no­mi­sche Vor­tei­le er­reicht wer­den.“

Da­mit die Hä­fen die kom­men­den Ka­pa­zi­täts­er­wei­te­run­gen stem­men kön­nen, sind sie auf re­gio­na­le Un­ter­stüt­zung an­ge­wie­sen, be­tont Schä­fer. Pro­blem: Auch die Bin­nen­hä­fen kom­men an ih­re Gren­zen. Die Neuss-Düs­sel­dor­fer Hä­fen ha­ben fast kei­ne Ex­pan­si­ons­flä­chen mehr, ge­gen Pro­jek­te wie ei­nen Con­tai­ner­ha­fen in Düsseldorf-Reisholz gibt es Wi­der­stän­de.

Hier hofft Schä­fer auf Un­ter­stüt­zung in Po­li­tik, Wirt­schaft und Ge­sell­schaft. Und vor al­lem müs­se die ge­sam­te In­fra­struk­tur – al­so auch Stra­ßen­und Bahn­net­ze, Schleu­sen in den Flüs­sen, Brü­cken – auf Vor­der­mann ge­bracht wer­den. Un­ter dem ma­ro­den Zu­stand lei­den ja al­le Ver­kehrs­teil­neh­mer.

FOTO: MICHA­EL REU­TER

Ha­fen­sze­ne in Neuss: Die ins­ge­samt sie­ben in der Ge­sell­schaft Rhein­Car­go zu­sam­men­ge­fass­ten Hä­fen in Neuss, Düsseldorf, Kre­feld und Köln bie­ten al­le not­wen­di­gen lo­gis­ti­schen Di­enst­leis­tun­gen. Da­zu ge­hört zum Bei­spiel ein Ha­fen­um­schlag von 27,7 Mil­lio­nen Ton­nen im Jahr.

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