Was Un­ter­neh­men vom Shut­tle-Un­glück ler­nen kön­nen

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG -

(ppe) In Un­ter­neh­men – in gro­ßen wie in klei­nen – wird im­mer öf­ter in Pro­jek­ten ge­dacht: Sei es die Ein­füh­rung ei­nes neu­en IT-Sys­tems, die Op­ti­mie­rung von Trans­port­ket­ten, die Ent­wick­lung ei­nes neu­en Pro­dukts oder, oder, oder. Doch re­gel­mä­ßig schei­tern sol­che Pro­jek­te – aber war­um? Dar­über re­fe­rier­te Pro­fes­sor Ulrich Wal­ter beim zwei­ten RP-Wirt­schafts­fo­rum „Lo­gis­tik“. „Es exis­tie­ren zehn Schlüs­sel zum Pro­jekt­er­folg. Hal­ten sich Un­ter­neh­men an die­se Vor­ga­ben, steht ei­nem Er­folg nichts im We­ge“, sagt der Münch­ner Raum­fahrt­tech­nik-Pro­fes­sor, der im Rah­men der 55. Space Shut­tleMis­si­on 1986 fast zehn Ta­ge im All war.

Zu wel­chem ka­ta­stro­pha­len Er­geb­nis ein schlud­rig aus­ge­führ­tes Pro­jekt füh­ren kann, zeigt der Ab­sturz des Co­lum­bia-Shut­tles 2003. Auf­grund ei­nes feh­ler­an­fäl­li­gen Bau­teils am Shut­tle war die Co­lum­bia 16 Mi­nu­ten vor der ge­plan­ten Lan­dung in ei­ner Hö­he von 63,1 Ki­lo­me­tern über Te­xas aus­ein­an­der­ge­bro­chen. „Die an­schlie­ßen­de Un­ter­su­chung hat er­ge­ben, dass vor al­lem or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ur­sa­chen bei der Nasa zu dem Un­glück ge­führt ha­ben. Das tech­ni­sche Pro­blem war be­kannt, aber durch un­ter an­de­rem un­zu­rei­chen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on und das Igno­rie­ren von Hin­wei­sen wur­de es nicht an­ge­packt.“Schließ­lich hät­ten die vor­an­ge­gan­ge­nen Mis­sio­nen auch feh­ler­frei funk­tio­niert.

Da­bei sind die zehn Punk­te, die Ulrich Wal­ter aus der Raum­fahrt für Un­ter­neh­men her­lei­tet, gar nicht all­zu kom­pli­ziert. Ei­ni­ge Bei­spie­le zei­gen dies. „Zum ei­nen sind bei der Ent­wi­ckung ei­nes Pro­dukts Än­de­run­gen von ein­mal fest­ge­leg­ten An­for­de­run­gen – so­ge­nann­te ‚mo­ving tar­gets‘ – nicht nur sehr kost­spie­lig, son­dern kön­nen im Ex­trem­fall den Tod für das Ent­wick­lungs­pro­jekt be­deu­ten.“Zum an­de­ren müs­se die Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer und über al­le Ebe­nen funk­tio­nie­ren. „Ins­be­son­de­re dämmt die Ten­denz, nur sol­che Mei­nun­gen zu ak­zep­tie­ren, die mit ih­ren ei­ge­nen über­ein­stim­men, den ef­fek­ti­ven Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fluss.“Auch den Mensch hat der Pro­fes­sor und ehe­ma­li­ge IBM-Ma­na­ger im Blick: „Baue auf Dein Team“, „Be­rück­sich­ti­ge mensch­li­ches Ver­hal­ten und Mo­ti­va­ti­on“und „Be­rück­sich­ti­ge die Be­dürf­nis­se von Mit­ar­bei­tern als auch von Kun­den“sind eben­falls Rat­schlä­ge, die Ulrich Wal­ter für Un­ter­neh­men for­mu­liert, da­mit sie nach­hal­tig er­folg­reich sind.

FOTO: ALOIS MÜL­LER

Ulrich Wal­ter, Raum­fahrt­tech­ni­kPro­fes­sor

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