Kos­ten­fak­tor Verkehr

„Wir ha­ben in Deutsch­land ei­ne Ver­hin­de­rungs­ge­sell­schaft bei der In­fra­struk­tur und ei­ne fun­da­men­ta­le Op­po­si­ti­ons­kul­tur“, kri­ti­sie­ren die Teil­neh­mer des zwei­ten RPWirt­schafts­fo­rums „Lo­gis­tik“. Das sei be­son­ders pro­ble­ma­tisch beim avi­sier­ten Wachs­tum der Lo

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON PATRICK PE­TERS

Der Lo­gis­tik-Bran­che als dem dritt­größ­ten deut­schen Wirt­schafts­zweig geht es gut. Und es scheint, als wür­de sich die Zu­kunft eben­falls po­si­tiv ent­wi­ckeln, so soll laut Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen bei­spiels­wei­se das trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP für wei­te­res Wachs­tum sor­gen. „Die Lo­gis­tik kann die­ses Wachs­tum durch­aus ver­kraf­ten. Aber ich sor­ge mich um die In­fra­struk­tur, vor al­lem in NRW. Die Stau­si­tua­ti­on ist be­reits jetzt fa­tal, es wird zu spät ge­baut. Und al­lein durch den ver­än­der­ten Verkehr durch ma­ro­de Brü­cken ha­ben wir jähr­lich schon 250.000 Eu­ro an Mehr­kos­ten auf der Uhr. Dau­er­haft hat die­se Si­tua­ti­on dra­ma­ti- sche Aus­wir­kun­gen auf die Kos­ten­struk­tur“, sagt Mar­kus Rüt­ters, Spre­cher der Ge­schäfts­füh­rung der Vel­tins Be­tei­li­gun­gen Gm­bH.

An­de­re Teil­neh­mer des zwei­ten RP-Wirt­schafts­fo­rums „Lo­gis­tik“pflich­ten ihm bei. So sagt bei­spiels­wei­se Rai­ner Schä­fer, Ge­schäfts­füh­rer der Neuss-Düs­sel­dor­fer Hä­fen: „Die Ver­kehrs­ver­hält­nis­se füh­ren zu di­rek­ten Mehr­kos­ten für den Con­tai­ner-Verkehr. Und für Un­ter­neh­men bringt die zum Teil schwie­ri­ge In­fra­struk­tur auch Stand­ort­nach­tei­le mit sich. Be­lie­fe­rung und Er­reich­bar­keit sind ein­ge­schränkt, so­dass sich die Fra­ge nach Ver­la­ge­run­gen stellt.“Er kri­ti­siert auch, dass zwar ge­nü­gend Geld für In­fra­struk­tur­pro­jek­te vor­han­den sei, die­ses aber nicht ver­baut wer­de. „Wir ha­ben in Deutsch­land ei­ne Ver­hin­de­rungs­ge­sell­schaft bei der In­fra­struk­tur und ei­ne fun­da­men­ta­le Op­po­si­ti­ons­kul­tur.“„Mil­lio­nen­ver­lus­te durch Um­we­ge“und Schwie­rig­kei­ten beim Con­tai­ner-Trans­port von Ham­burg nach Duis­burg nennt auch Cars­ten Tau­cke als ech­te Pro­ble­me. „Und die Fra­ge nach fi­nan­zi­el­len Mit­teln ist ei­ne Ali­bi-Dis­kus­si­on. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um weiß ge­nau, dass bis 2018 ver- füg­ba­re Gel­der nicht ver­baut wer­den, da die not­wen­di­gen Ka­pa­zi­tä­ten nicht vor­ge­hal­ten wer­den kön­nen“, sagt der Im­pe­ri­al Lo­gis­tics In­ter­na­tio­nalGe­schäfts­füh­rer.

Erich Staa­ke, Vor­stand der Duis­bur­ger Ha­fen AG, for­dert die Bran­che auf, die Po­li­tik an die Hand zu neh­men. „Wir ste­hen als Lo­gis­ti­ker für in­te­grier­te Lö­sun­gen. Al­so müs­sen wir auch An­ge­bo­te für die öf­fent­li­che Hand schaf­fen, die Pro­ble­me zu lö­sen. Es gibt kein Er­kennt­nis­pro­blem, son­dern ein Um­set­zungs­pro­blem.“

Frank Hus­ter, Haupt­ge­schäfts­füh­rer beim Deut­schen Spe­di­ti­ons- und Lo­gis­tik­ver­band, geht noch ei­nen Schritt wei­ter: „Wir se­hen ein Staats­ver­sa­gen bei der In­fra­struk­tur­pla­nung.“Und Wolf-Pe­ter Korth (Ge­schäfts­füh­rer ITC Lo­gis­tic Ges. mbH) weist dar­auf hin, dass die Ver­wal­tung schlicht nicht ge­nü­gend Res­sour­cen ha­be, neue Pro­jek­te zu pla­nen und Vor­ha­ben der pri­va­ten Hand zeit­nah zu ge­neh­mi­gen. „An­trä­ge blei­ben oft viel zu lan­ge un­be­ar­bei­tet, und vie­le Ver­fah­rens­vor­gän­ge sind wirk­lich pro­ble­ma­tisch.“

Die Bran­chen­ver­tre­ter for­dern je­doch auch, dass sie selbst ge­ne­rell die Preis­spi­ra­le nicht im­mer wei­ter nach un­ten dre­hen. „Der wei­te ord­nungs­po­li­ti­sche Rah­men und die EU-Os­ter­wei­te­rung füh­ren zu ei­nem Über­an­ge­bot auf Teil­märk­ten der Lo­gis­tik. Dies senkt den Preis. Es gibt in frei­en Märk­ten we­nig Mög­lich­kei­ten, um Grenz­an­bie­ter vom Wettbewerb aus­zu­schlie­ßen“, wird Frank Hus­ter sehr deut­lich. Auch Rai­ner Schä­fer be­klagt, dass die Prei­se ins­ge­samt zu nied­rig sei­en.

Und Frank Spor­to­la­ri, Deutsch­land-Ver­ant­wort­li­cher bei UPS, ver­weist auch auf das The­ma Per­so­nal; die­ses wer­de in der Bran­che auch stark dis­ku­tiert. „Gu­tes Per­so­nal ist ei­ne In­ves­ti­ti­on. Wer hoch­wer­ti­ge und zu­ver­läs­si­ge Di­enst­leis­tun­gen er­war­tet, kommt nicht dar­um her­um und muss die­se Kos­ten auch wei­ter­ge­ben kön­nen. In der Vor­weih­nachts­zeit ent­steht auch in der Lo­gis­tik ein er­höh­ter Be­darf an Ar­beits­kräf­ten, die nicht dau­er­haft be­schäf­tigt wer­den kön­nen. Es gibt ver­schie­de­ne Stra­te­gi­en, da­mit um­zu­ge­hen“, so Spor­to­la­ri, „wir set­zen An­ge­stell­te aus der Ver­wal­tung in der Pa­ket­s­or­tie­rung und Zu­stel­lung ein und ha­ben ein Pro­gramm, um Freun­de oder Ver­wand­te un­se­rer Mit­ar­bei­ter für die Vor­weih­nachts­zeit be­fris­tet ein­zu­stel­len.“

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