Lo­gis­tik und Frei­han­del sind vie­len zu kom­plex

Lo­gis­ti­ker müs­sen sich wie Be­für­wor­ter von Frei­han­dels­ab­kom­men mit mas­si­ven Wi­der­stän­den aus­ein­an­der­set­zen. Beim RP-Wirt­schafts­fo­rum „Lo­gis­tik“er­klärt der frü­he­re Wirt­schafts­mi­nis­ter Wolf­gang Cle­ment Hin­ter­grün­de der Phä­no­me­ne.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON JÜR­GEN GRO­SCHE

Was ha­ben die Plä­ne für das Trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­ab­kom­men (TTIP) und die Lo­gis­tik ge­mein­sam? Bei­de sto­ßen auf vie­le Vor­be­hal­te bei der Be­völ­ke­rung, bei­de sind sehr kom­plex, man muss sich ein we­nig hin­ein­ar­bei­ten, um sie zu ver­ste­hen. Und so­wohl das Ab­kom­men als auch die Bran­che ste­hen un­ter po­li­ti­schen Ein­flüs­sen, die oft schwer kal­ku­lier­bar sind.

Sol­che Zu­sam­men­hän­ge be­leuch­te­te Wolf­gang Cle­ment beim RP-Wirt­schafts­fo­rum „Lo­gis­tik“in sei­nen State­ments. Der frü­he­re SPD-Po­li­ti­ker, Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter und NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent wirbt heu­te als Vor­sit­zen­der des Ku­ra­to­ri­ums der Initia­ti­ve Neue So­zia­le Markt­wirt­schaft um Ver­ständ­nis für die Grund­prin­zi­pi­en, den Er­halt und die Wei­ter­ent­wick­lung die­ses deut­schen Wirt­schafts­mo­dells. So hat er auch das Buch „Das Deutsch­land-Prin- zip“her­aus­ge­ge­ben, in dem Au­to­ren aus Wirt­schaft, Po­li­tik, Wis­sen­schaft und Ge­sell­schaft in 175 Bei­trä­gen zei­gen, was Deutsch­land stark ma­che und wel­che Po­li­tik jetzt nö­tig sei. Ne­ben Bil­dung, Wis­sen­schaft und For­schung zäh­le die In­fra­struk­tur zu den wich­tigs­ten Stand­ort­fak­to­ren, be­tont Cle­ment. Aber Schie­ne, Stra­ße, Schiff­fahrt und Luft­ver­kehr so­wie Ener­gie und das di­gi­ta­le Netz sei­en heu­te nicht gut aus­ge­stat­tet. Die In­fra­struk­tur be­fin­de sich in – pau­schal ge­spro­chen – nicht hin­rei­chend zu­kunfts­fä­hi­gem Zu­stand, wie Cle­ment mit dem bei­spiel­haf­ten Ver­weis auf ma­ro­de Brü­cken be­legt. Auf die­se In­fra­struk­tur sind aber die Lo­gis­ti­ker an­ge­wie­sen. „In kur­zer Zeit und ho­her Qua­li­tät ver­bin­den sie mit ih­ren Lie­fe­run­gen Un­ter­neh­men un­ter­ein­an­der und mit den Ver­brau­chern.“

Das wird so aber häu­fig nicht wahr­ge­nom­men. Die Lo­gis­tik lei­det wie die In­dus­trie un­ter Ak­zep­tanz­pro­ble­men. „Die öf- fent­li­che Mei­nungs­bil­dung ist be­deu­ten­der als je zu­vor, wird aber nicht nur im­mer dif­fe­ren­zier­ter, son­dern auch im­mer dif­fu­ser.“Die Po­li­tik neh­me da­bei ih­re Auf­ga­be, die Men­schen von Not­wen­di­gem zu über­zeu­gen, nicht mehr in­ten­siv ge­nug wahr. Da­für müs­se sich die Wirt­schaft eben deut­lich stär­ker ar­ti­ku­lie­ren, ap­pel­liert Cle­ment an ih­re Ver­tre­ter.

Das gel­te eben­so für die Dis­kus­sio­nen um das Frei­han­dels­ab­kom­men der Eu­ro­päi­schen Uni­on mit den USA. Cle­ment zitiert ei­nen Pla­kat-Slo­gan, der als ein­fa­ches Ar­gu­ment im­mer wie­der auf die Waag­scha­le ge­hö­re: „Oh­ne TTIP set­zen an­de­re die Stan­dards.“

Cle­ment räumt al­ler­dings ein, dass die bis­he­ri­ge eu­ro­päi­sche Hal­tung, die TTIP-Ver­hand­lun­gen hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren zu füh­ren, „in­ak­zep­ta­bel in­trans­pa­rent“ge­we­sen sei. Das ha­be die neue EUKom­mis­si­on aber ge­än­dert. „Wer will, kann nun bis ins De­tail nach­ver­fol­gen, was die eu­ro­päi­sche Sei­te er­rei­chen will und wie sie ver­han­delt.“Da­bei zei­ge sich, dass vie­le Be­fürch­tun­gen schlicht­weg nicht stimm­ten. Geis­ti­ges Ei­gen­tum wer­de ge­schützt, Di­enst­leis­tun­gen gleich­be­han­delt. Da­seins­vor­sor­ge ha­be ei­ne ho­he Be­deu­tung, und es ge­be hier kei­ne Ver­pflich­tung zu Markt­öff­nun­gen. Stan­dards wür­den nicht ge­senkt. Das Wich­tigs­te sei, dass un­ter­schied­li­che Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren und Stan­dards an­ge­gli­chen wer­den sol­len, be­tont Cle­ment. Da­von wür­den al­le pro­fi­tie­ren.

Die Wirt­schaft müs­se sich stär­ker ar­ti­ku­lie­ren, for­dert der frü­he­re Wirt­schafts­mi­nis­ter Wolf­gang Cle­ment.

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