Na­tio­nal Ex­press rät zu GDL-Bei­tritt

Der Streit mit der Ei­sen­bahn-Ge­werk­schaft EVG ge­winnt an Schär­fe.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON KLAUS PE­TER KÜHN UND MAXIMILIAN PLÜCK

DÜSSELDORF Kurz vor dem mor­gi­gen Be­triebs­start der bri­ti­schen Pri­vat­bahn Na­tio­nal Ex­press auf zwei Stre­cken in Nord­rhein-West­fa­len, wird der Ton zwi­schen der Ei­sen­bahn- und Ver­kehrs­ge­werk­schaft (EVG) und dem Bahn-An­bie­ter rau­er. „Dass die­ses Un­ter­neh­men jetzt in NRW Nah­ver­kehrs­zü­ge fährt und da­bei die kom­plet­te Leis­tung der Zug­be­glei­tung an ein Su­b­un­ter­neh­men ver­gibt, statt die­se mit da­für aus­ge­bil­de­ten ei­ge­nen Be­schäf­tig­ten zu er­brin­gen, ist ein schwar­zer Tag für die Ei­sen­bah­ner in Deutsch­land“, sag­te EVG-Chef Alex­an­der Kirch­ner.

Na­tio­nal Ex­press ist ab mor­gen im Auf­trag des Ver­kehrs­ver­bands Rhein-Ruhr für die Li­ni­en RB48 (Bonn–Wup­per­tal) und RE7 (Kre­feld–Rhei­ne) zu­stän­dig. Ab 2018 kom­men zu­dem noch Tei­le des Rhein-Ruhr-Ex­press’ (RRX) hin­zu. An­ders als et­wa die Deut­sche Bahn setzt Na­tio­nal Ex­press da­bei kei­ne Zug­be­glei­ter an Bord ein, son­dern hat von ei­ner ex­ter­nen Fir­ma Si­cher­heits­kräf­te ent­lie­hen, die in den Zü­gen mit­fah­ren. Die Auf­ga­ben, die dar­über hin­aus üb­li­cher­wei­se von Zug­be­glei­tern aus­ge­übt wer­den, hat Na­tio­nal Ex­press au­to­ma­ti­siert oder den Lok­füh­rern über­tra­gen.

„Die­se ge­gen die bis­he­ri­gen Be­schäf­tig­ten ge­rich­te­te Un­ter­neh­mens­po­li­tik darf auf kei­nen Fall Schu­le ma­chen“, sag­te Kirch­ner. „Ei­sen­bahn fah­ren zu wol­len, oh­ne Ei­sen­bah­ner zu be­schäf­ti­gen, ist der völ­lig fal­sche Weg“, stell­te der EVGVor­sit­zen­de fest.

Da­bei hat die so ge­schol­te­ne Pri­vat­bahn mit den Ge­werk­schaf­ten ganz ei­ge­ne Er­fah­run­gen ge­macht. Na­tio­nal-Ex­press-Chef Tobias Rich­ter sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Ich ha­be ei­nen sehr gu­ten Ein­druck von der Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) und auch von ih­rem Vor­sit­zen­den Claus We­sels­ky. Den Ta­rif­ver­trag, den wir ge­schlos­sen ha­ben, hat­ten wir nach nur fünf Sit­zun­gen in tro­cke­nen Tü­chern.“

Mit der EVG lau­fe es da­ge­gen über­haupt nicht: „Wir hat­ten vier Ter­mi­ne zur Auf­nah­me von Ta­rif­ge­sprä­chen. Die hat die EVG al­le­samt plat­zen las­sen. Da gibt es kein In­ter­es­se an ei­ner kon­struk­ti­ven Zu­sam­men­ar­beit.“Rich­ter hat des­halb ei­nen un­ge­wöhn­li­chen Ap­pell an sei­ne Mit­ar­bei­ter: „Ich be­hand­le mei­nen Be­schäf­tig­ten al­le gleich, ob Ge­werk­schafts­mit­glied oder nicht, sa­ge ih­nen aber heu­te: ,Wenn ihr euch schon ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sie­ren wollt, dann geht we­nigs­tens zur GDL.’“

FOTO: BAUER

Der Chef der Pri­vat­bahn Na­tio­nal Ex­press, Tobias Rich­ter.

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