„Lan­xess wird Kre­feld und Dor­ma­gen stär­ken“

Der Chef des Köl­ner Che­mie­kon­zerns über Mil­lio­nen-In­ves­ti­tio­nen im Jahr 2016, die Ge­fahr ei­ner Über­nah­me und die Flücht­lings­kri­se.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - ANTJE HÖNING FÜHRTE DAS GE­SPRÄCH.

Vor zwei Jah­ren war der Che­mie­kon­zern Lan­xess ein Sa­nie­rungs­fall. Er litt un­ter der ein­sei­ti­gen Aus­rich­tung auf das Kaut­schuk-Ge­schäft und muss­te im Herbst den Dax ver­las­sen. Wo ste­hen Sie jetzt? ZA­CHERT Wir sind gut vor­an­ge­kom­men. Vor zwei Jah­ren wa­ren wir ei­nes der höchst ver­schul­de­ten Che­mie­un­ter­neh­men in Eu­ro­pa. 2016 wer­den wir na­he­zu schul­den­frei sein. Dar­auf sind wir stolz. Wir ha­ben recht­zei­tig auf die Kos­ten­brem­se ge­tre­ten, um Aus­wüch­se der Ver­gan­gen­heit zu kor­ri­gie­ren. Wir ha­ben 1000 Stel­len ab­ge­baut, oh­ne be­triebs­be­dingt kün­di­gen zu müs­sen. Zu­dem ha­ben wir mit Sau­di Aram­co den idea­len Part­ner für un­ser Kaut­schuk-Ge­schäft ge­fun­den. Wann star­tet das Un­ter­neh­men? ZA­CHERT Der­zeit su­chen wir ei­nen Na­men und stel­len An­trä­ge bei Kar­tell­be­hör­den. Star­ten soll das Jo­int Ven­ture dann in der ers­ten Jah­res­hälf­te 2016. Die Zen­tra­le wird grenz­nah in den Nie­der­lan­den lie­gen. War­um dort und nicht hier? ZA­CHERT Es hat zu­nächst ei­nen sym­bo­li­schen Grund: Der neue Stand­ort liegt na­he­zu auf hal­bem Weg zwi­schen Köln und Den Haag, wo die Eu­ro­pa-Zen­tra­le von Sau­di-Aram­co ist. Es gibt aber auch ei­nen steu­er­li­chen Hin­ter­grund: Deutsch­land hat mit Sau­di-Ara­bi­en kein Ab­kom­men, das vor Dop­pel­be­steue­rung schüt­zen wür­de. Wenn Sie Kaut­schuk ab­ge­ben, schrumpft der Um­satz auf fünf Mil­li­ar­den. Das macht Lan­xess zur leich­ten Beu­te für ei­ne Über­nah­me. ZA­CHERT Wir wer­den der­zeit mit vier bis 4,5 Mil­li­ar­den Eu­ro be­wer­tet. Vor ei­ner Über­nah­me kann man sich bei die­ser Grö­ßen­ord­nung nie ganz schüt­zen – au­ßer durch gu­te Ar­beit. Wenn ein In­ter­es­sent nicht er­war­ten kann, das Un­ter­neh­men bes­ser zu füh­ren, macht ei­ne Über­nah­me für ihn auch kei­nen Sinn. Sau­di Aram­co zahlt 1,2 Mil­li­ar­den an Lan­xess. Ist das Geld schon auf dem Kon­to? ZA­CHERT Die Zah­lung kommt, wenn der Ver­trag rechts­gül­tig ist, al­so nach Zu­stim­mung der Kar­tell­be­hör­den im nächs­ten Jahr. 400 Mil­lio­nen wer­den wir zur Schul­den­til­gung ver­wen­den, 400 Mil­lio­nen für In­ves­ti­tio­nen in un­se­ren Be­trie­ben. 200 Mil­lio­nen ge­hen an un­se­re Ak­tio­nä­re. Wir wer­den da­mit Lan­xess-Ak­ti­en zu­rück­kau­fen, das soll­te vor­teil­haft für den Kurs sein, und es er­höht den Ge­winn pro Ak­tie. Nach Kurs­ver­lust und Di­vi­den­den­kür­zung 2014 ein schwa­cher Trost. ZA­CHERT Ein­spruch! In die­sem Jahr ist die Lan­xess-Ak­tie be­reits wie­der um ein Drit­tel ge­stie­gen und ge­hört da­mit zu den bes­se­ren Wer­ten in der Che­mie­in­dus­trie. Se­hen Sie ei­ne Chan­ce auf Rück­kehr in den Dax? ZA­CHERT Das ent­schei­den die Ka­pi­tal­märk­te. Ge­gen ei­nen mit über zehn Mil­li­ar­den Eu­ro be­wer­te­ten Im­mo­bi­li­en­kon­zern wie Vo­no­via, der uns im Dax ab­lös­te, wer­den wir es auch künf­tig schwer ha­ben. Wir freu­en uns, falls es ei­nes Ta­ges zu­rück in den Dax geht, für un­ser ope­ra­ti­ves Ge­schäft ist es aber un­er­heb­lich. Für die Agrar­che­mie-Toch­ter Sal­ti­go in Leverkusen ha­ben Sie In­ves­ti­tio­nen von 60 Mil­lio­nen Eu­ro an­ge­kün­digt. Was ist mit den an­de­ren Nie­der­rhein-Wer­ken? ZA­CHERT Lan­xess wird ne­ben Leverkusen auch die Wer­ke Kre­feld und Dor­ma­gen stär­ken. Hier wol­len wir bis 2018 auch Gas ge­ben. Wir pla­nen im nächs­ten Jahr für die Nie­der­rhein-Stand­or­te In­ves­ti­tio­nen in Hö­he ei­nes drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trags. Jah­re­lang hat der Kon­zern ins­be­son- de­re in Kaut­schuk in­ves­tiert, jetzt sind die an­de­ren Be­rei­che an der Rei­he. Das geht aber nur, wenn die be­trieb­li­chen und po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen in Deutsch­land stim­men. Man­che sa­gen, dass sich In­ves­ti­tio­nen in Deutsch­land we­gen der Ener­gie­kos­ten nicht mehr loh­nen. ZA­CHERT An­ge­sichts der Hö­he der Ener­gie­kos­ten fie­le es schwer, heu­te ei­ne Bau­ent­schei­dung für ein kom­plett neu­es Werk in Deutsch­land zu tref­fen. Hier ist die Ener­gie in­zwi­schen so teu­er wie in fast kei­nem an­de­ren In­dus­trie­land. Vor zehn Jah­ren mach­te Ener­gie drei bis fünf Pro­zent der Pro­duk­ti­ons­kos­ten aus, heu­te sind es in ei­ni­gen Be­rei­chen 13 bis 15 Pro­zent – und da­mit eben­so viel wie die Per­so­nal­kos­ten. Die Gas­prei­se in Deutsch­land sind na­he­zu drei­mal so hoch wie in den USA. Das wirkt sich dra­ma­tisch auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der deut­schen Stand­or­te aus. Ab­ga­ben trei­ben die Ener­gie­prei­se. 2016 wird die Ökostrom-Um­la­ge er­neut stei­gen. Die Fol­gen für Lan­xess? ZA­CHERT An ei­ni­gen Stand­or­ten sind wir der­zeit von der EEG-Um­la­ge be­freit, weil wir dort KWK-An­la­gen (Kraft-Wär­me-Kop­pe­lung) be­trei­ben. Selbst mit die­ser Be­frei­ung sind un­se­re durch­schnitt­li­chen Ener­gie­kos­ten in Deutsch­land aber bes­ten­falls gleich mit de­nen un­se­rer üb­ri­gen Pro­duk­ti­ons­stand­or­te. Die Po­li­tik er­wägt, den Vor­teil für Ei­gen­strom-Pro­du­zen­ten zu strei­chen. ZA­CHERT Das wä­re ein Schlag. Müss­ten die drei Nie­der­rhein-Wer­ke EEG-Um­la­ge zah­len, wä­re hier ein zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag fäl­lig. Die Kos­ten müss­ten an an­de­rer Stel­le wie­der ein­ge­spart wer­den. Doch hier ist kaum noch et­was zu ho­len. Treibt die Po­li­tik die Ener­gie­kos­ten wei­ter, droht be­ste­hen­den Wer­ken lang­fris­tig das Aus. Der­zeit do­mi­niert die Flücht­lings­kri­se die Po­li­tik. Über­neh­men wir uns? ZA­CHERT Die Flücht­lings­kri­se ist Chan­ce und Her­aus­for­de­rung zu­gleich. Die Zu­wan­de­rer kön­nen hel­fen, das de­mo­gra­fi­sche Pro­blem in Deutsch­land zu lö­sen. Die gro­ße Her­aus­for­de­rung ist es, Hun­dert­tau­sen­de Flücht­lin­ge zu in­te­grie­ren. Das wird für die Po­li­tik die ent­schei­den­de Auf­ga­be der nächs­ten Mo­na­te und Jah­re. Wer, wenn nicht ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on, kann die­ses Pro­blem lö­sen? Was muss die Wirt­schaft tun? ZA­CHERT Auch die Un­ter­neh­men müs­sen da­zu bei­tra­gen, die Men­schen in Lohn und Brot zu brin­gen. Ent­schei­dend ist, dass die Flücht­lin­ge schnell die deut­sche Spra­che ler­nen. Bei Lan­xess in Deutsch­land ar­bei­ten schon jetzt Men­schen aus 56 Na­tio­nen – und je­der von ih­nen spricht Deutsch. Für Flücht­lin­ge ha­ben wir bis­her be­reits 400.000 Eu­ro als So­fort­maß­nah­me zur Ver­fü­gung ge­stellt. Da­mit fi­nan­zie­ren wir an un­se­ren Stand­or­ten Köln, Leverkusen, Kre­feld und Dor­ma­gen Sprach­kur­se. Zu­dem wer­den Mit­ar­bei­ter, die sich eh­ren­amt­lich für Flücht­lin­ge en­ga­gie­ren, bis zu acht Ta­ge un­ter Lohn­fort­zah­lung frei­ge­stellt.

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