„Es geht auch um die Si­che­rung von Wohl­stand“

Frank Spor­to­la­ri ist Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ter von UPS Deutsch­land. Im Interview spricht er un­ter an­de­rem über die Mo­bi­li­tät von mor­gen und das Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

UPS ist ei­nes der welt­weit füh­ren­den Lo­gis­tik­un­ter­neh­men. Wel­che Be­deu­tung hat das The­ma Nach­hal­tig­keit? FRANK SPOR­TO­LA­RI Das The­ma Nach­hal­tig­keit ist sehr wich­tig für uns. Wir wa­ren das ers­te Un­ter­neh­men der Bran­che, das ei­nen Nach­hal­tig­keits­be­richt ver­öf­fent­licht hat. Wir set­zen uns das kon­kre­te Ziel, un­se­re CO2-Emis­sio­nen zu sen­ken. Nach­hal­tig­keit ist ei­ne zen­tra­le Zu­kunfts­her­aus­for­de­rung, der wir uns stel­len. Es geht da­bei nicht nur um die Um­welt und de­ren Er­halt. Es geht auch um die Si­che­rung von Wohl­stand. Das mag in die­sem Zu­sam­men­hang zu­nächst un­ge­wöhn­lich klin­gen. Aber Wohl­stand hängt ganz we­sent­lich von der Mög­lich­keit ab, Wa­ren aus­zu­tau­schen, das heißt zu han­deln. Wa­ren müs­sen be­wegt wer­den. Um dies auch mor­gen noch zu kön- nen, müs­sen wir uns heu­te Ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie wir Mo­bi­li­tät si­chern. teln mehr zu er­rei­chen. Mit dem Ser­vice UPS My Choice be­stim­men un­se­re Kun­den über die Zeit und den Zu­stell­ort ih­rer Sen­dun­gen. So er­hö­hen wir die Er­folgs­quo­te beim ers­ten Zu­stell­ver­such und re­du­zie­ren er­neu­te An­fahr­ten – und Verkehr. Apro­pos Verkehr: In Ham­burg tes­ten Sie der­zeit ein in­no­va­ti­ves Ci­ty Lo­gis­tik-Pro­jekt… FRANK SPOR­TO­LA­RI Dar­auf sind wir be­son­ders stolz. In en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt Ham­burg ha­ben wir ein Kon­zept rea­li­siert, das we­sent­lich auf „hu­man po­wer“ba­siert. Mor­gens wer­den vier mit Pa­ke­ten be­la­de­ne Con­tai­ner an fes­te Stell­plät­ze ge­bracht. Von dort aus ver­tei­len un­se­re Zu­stel­ler die Sen­dun­gen zu Fuß, mit kon­ven­tio­nel­len und elek­trisch un­ter­stütz­ten Fahr­rä­dern. Da­durch ent­las­ten wir den in­ner­städ­ti­schen Verkehr und re­du­zie­ren Emis­sio­nen. Und die Ge­schäf­te in der In­nen­stadt be­kom­men wei­ter­hin zu­ver­läs­sig ih­re Wa­ren von uns zu­ge­stellt. Da­mit hel­fen wir, die Le­ben­dig­keit der In­nen­stadt zu er­hal­ten. Et­was Ver­gleich­ba­res kön­nen wir uns auch in Düsseldorf vor­stel­len. Der Trend zum be­que­men Shop­ping von zu­hau­se aus ist un­ge­bro­chen. Wel­che Aus­wir­kun­gen hat dies für Ih­re Bran­che? FRANK SPOR­TO­LA­RI E-Com­mer­ce ist ein ganz we­sent­li­cher Wachs­tums­trei­ber in un­se­rem Markt. Un­ser Au­gen­merk liegt vor al­lem auf dem grenz­über­schrei­ten­den On­line­han­del. Pro­gno­sen ge­hen da­von aus, dass die­ser Be­reich so­gar sie­ben­mal so stark wächst wie das glo­ba­le Brut­to­in­lands­pro­dukt. Wir kön­nen Ver­käu­fer und Käufer in­ter­na­tio­nal ver­bin­den und phy­sisch um­set­zen, was das In­ter­net ver­spricht: Den Zu­gang zu Märk­ten und zu Pro­duk­ten welt­weit. Was ra­ten Sie KMUs, al­so klei­nen und mit­tel­gro­ßen Un­ter­neh­men, die ihr Ge­schäft in­ter­na­tio­nal aus­bau­en wol­len? FRANK SPOR­TO­LA­RI Ich ra­te da­zu es zu ma­chen! Bis 2025 wird der Welt­han­del vor­aus­sicht­lich um 73 Pro­zent auf mehr als fünf Bil­lio­nen USDol­lar stei­gen. Es spricht nichts da­ge­gen, dass auch KMUs auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten mit­mi­schen, so­lan­ge sich ein Un­ter­neh­mer über den neu­en Ziel­markt gut in­for­miert und sei­ne Pro­duk­te ge­ge­be­nen­falls an­passt. Was ra­ten Sie Klein­un­ter­neh­mern und Mit­tel­ständ­lern, um ih­re Lo­gis­tik und Lie­fer­ket­ten auf lan­gen We­gen mög­lichst ef­fi­zi­ent zu hal­ten? FRANK SPOR­TO­LA­RI Ge­ra­de bei KMUs ge­ra­ten The­men wie Be­schaf­fung und Lo­gis­tik schnell in den Hin­ter­grund, da sie sich sehr auf ih­re Pro­duk­te kon­zen­trie­ren. Das ist ein Feh­ler. Denn ge­ra­de KMUs müs­sen ver­ste­hen, dass die Supp­ly Chain, die Fra­ge wie ich Din­ge be­kom­me und Pro­duk­te ver­sen­de, ei­nen Wett­be­werbs­vor­teil be­deu­ten kann. Je kom­pli­zier­ter die Lie­fer­ket­te ist, des­to wich­ti­ger ist es, ei­ne gu­te Ge­samt­lö­sung zu fin­den – statt ein Dut­zend ver­schie­de­ner An­bie­ter für die je­wei­li­gen Trans­por­te zu be­auf­tra­gen. Mit nur ei­nem An­bie­ter ist die Lie­fer­ket­te im Gan­zen über­schau­ba­rer und ef­fi­zi­en­ter: Es fal­len we­ni­ger Con­trol­ling-Kos­ten an, we­ni­ger Leer- und War­te­zei­ten, und auch die Feh­ler­be­he­bung ist leich­ter zu hand­ha­ben. Wor­auf soll­ten Un­ter­neh­mer, die die­sen Schritt wa­gen möch­ten, au­ßer­dem ach­ten? FRANK SPOR­TO­LA­RI Erst kürz­lich ha­ben wir ei­ne Stu­die in Auf­trag ge­ge­ben, für die über 8000 eu­ro­päi­sche KMUs un­ter­schied­li­cher Bran­chen zum The­ma Ex­port be­fragt wur­den. Das Er­geb­nis: Nur 18 Pro­zent der deut­schen KMUs ex­por­tie­ren über­haupt. Hier gibt es Ängs­te, die aber über­wun­den wer­den kön­nen. Ge­ra­de ein klei­nes Un­ter­neh­men kann sehr von ei­nem glo­bal agie­ren­den Part­ner pro­fi­tie­ren. Ein ent­schei­den­des Kri­te­ri­um bei der Wahl des rich­ti­gen Lo­gis­tik­part­ners soll­te ei­ne gu­te Be­ra­tung sein. Geht der Di­enst­leis­ter auf be­son­de­re Um­stän­de ein? Sind all mei­ne Lie­fer­we­ge be­rück­sich­tigt und wer­den die­se auf­ein­an­der ab­ge­stimmt? Sind die KMUs in an­de­ren Län­dern et­wa er­folg­rei­cher beim Ex­port? FRANK SPOR­TO­LA­RI Nein, mit die­sen 18 Pro­zent ist Deutsch­land be­reits Eu­ro­pas füh­ren­de KMU-Ex­port­wirt­schaft. Die Haupt­märk­te für das Ex­port­ge­schäft sind da­bei an­de­re EU Län­der. Dies zeigt, wie wich­tig die EU für die­se Un­ter­neh­men ist. Der Mit­tel­stand wür­de sehr da­von pro­fi­tie­ren, wenn wir das wirt­schaft­li­che Er­folgs­mo­dell EU über­tra­gen könn­ten, um Eu­ro­pa mit an­de­ren Märk­ten zu ver­bin­den. Das gilt für den Mit­tel­stand all­ge­mein in Eu­ro­pa, nicht nur für Un­ter­neh­men in Deutsch­land. Sie spre­chen hier das Trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­ab­kom­men (TTIP) an. Sie ge­hen da­von aus, dass es auch den Mit­tel­stand be­flü­gelt? FRANK SPOR­TO­LA­RI Ja, un­be­dingt. Denn TTIP be­deu­tet: we­ni­ger ta­ri­fä­re und nicht-ta­ri­fä­re Bar­rie­ren ... Dies be­deu­tet kon­kret? FRANK SPOR­TO­LA­RI Ta­ri­fä­re Bar­rie­ren sind vor al­lem Zöl­le. Die ha­ben zum Teil ab­sur­de Aus­ma­ße: Zum Bei­spiel 60 Pro­zent Zoll auf Le­der­schu­he beim Im­port in die USA. Zöl­le ma­chen Pro­duk­te künst­lich teu­rer. Dar­un­ter lei­den so­wohl der Wettbewerb als auch der Kun­de, der mehr zah­len muss. Für den Mit­tel­stand sind oft die nicht-ta­ri­fä­ren Bar­rie­ren noch schwie­ri­ger zu hand­ha­ben. Sie stel­len ei­ne un­ver­hält­nis­mä­ßi­ge Be­las­tung für mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men dar. Es gibt kei­ne Un­ter­su­chung, die be­legt, dass ein ro­ter Blin­ker bes­ser oder schlech­ter ist, als ein oran­ge­far­be­ner. Sol­che ver­meint­li­chen Klei­nig­kei­ten ma­chen Pro­duk­te aber un­nö­tig teu­rer, da ei­ne an­de­re Pro­duk­ti­on be­nö­tigt wird. Für ei­nen gro­ßen Au­to­mo­bil­kon­zern ist dies zu stem­men. Für ein klei­ne­res Un­ter­neh­men wer­den sol­che An­for­de­run­gen ei­ne ech­te Her­aus­for­de­rung. Oft wird dann eher auf den Ex­port ver­zich­tet. Ein gu­tes TTIP kann sol­che Hür­den aus dem Weg räu­men.

„Wir op­ti­mie­ren stän­dig un­se­re Rou­ten­pla­nung, um ef­fi­zi­en­ter zu

wer­den“ Ent­schei­den­des Kri­te­ri­um bei der Wahl des rich­ti­gen Lo­gis­tik­part­ners: ei­ne gu­te Be­ra­tung

Und da­von pro­fi­tiert letzt­lich UPS, da das Han­dels­auf­kom­men steigt... FRANK SPOR­TO­LA­RI Wir sind da­von über­zeugt, dass zu­nächst un­se­re Kun­den da­von pro­fi­tie­ren. Wir hel­fen auch heu­te schon vie­len Mit­tel­stands­un­ter­neh­men da­bei zu ex­por­tie­ren. Sie kön­nen un­se­re Ex­per­ti­se und un­ser Netz­werk für ih­re Un­ter­neh­mens­zie­le nut­zen. UPS ver­steht sich schließ­lich als ein Weg­be­rei­ter des welt­wei­ten Han­dels. Aber oh­ne Zwei­fel: Letzt­lich wür­den auch wir da­von pro­fi­tie­ren, soll­te ei­ne ehr­gei­zi­ge und er­folg­rei­che trans­at­lan­ti­sche Han­dels- und In­ves­ti­ti­ons­part­ner­schaft zu­stan­de kom­men. Denn der Er­folg un­se­rer Kun­den ist auch un­ser Er­folg. Fol­gen Sie Frank Spor­to­la­ri auf Twit­ter un­ter „@UPS_Fran­kSp“und be­su­chen Sie ihn auch auf Lin­ke­dIn.

UPS Deutsch­land Chef Frank Spor­to­la­ri

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