Zwei­fel an Di­gi­tal­stra­te­gie von Klöck­ner & Co

Voll­mun­dig er­zählt Klöck­ner-Chef Gis­bert Rühl, wie er den Stahl­händ­ler di­gi­ta­li­siert. Doch nun wird zu­neh­mend Kri­tik laut.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON KIRS­TEN BI­AL­DI­GA UND FLO­RI­AN RINKE

DUIS­BURG Knapp drei Wo­chen ist es her, dass Gis­bert Rühl mal wie­der sei­ne Ge­schich­te er­zäh­len durf­te: Wie er, der Chef des Stahl­händ­lers Klöck­ner & Co (KlöCo), vor mehr als zwei Jah­ren ins US-Tech­nik-Mek­ka Si­li­con Val­ley reis­te, um das mehr als 100 Jah­re al­te Un­ter­neh­men neu zu er­fin­den. Seit­dem tin­gelt Rühl als Bei­spiel für den di­gi­ta­len Auf­bruch in der In­dus­trie durch die Re­pu­blik. Auch beim IT-Gip­fel der Bun­des­re­gie­rung in Ber­lin stand Rühl zu­sam­men mit Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) auf dem Po­di­um und be­rich­te­te, wie er sich nach sei­ner Rei­se un­ter das Start-up-Volk in Ber­lin misch­te, Mit­ar­bei­ter von Grö­ßen wie Ro­cket In­ter­net oder Ama­zon ab­warb und ein ei­ge­nes Di­gi­tal­ding star­te­te.

Das Pro­blem an der Ge­schich­te: Ganz so schön, wie sie sich an­hört, ist sie of­fen­bar nicht. „Gis­bert Rühl hat laut­stark für sei­ne Di­gi­tal­stra­te­gie ge­wor­ben. Den Aus­sa­gen, die er in der Ver­gan­gen­heit ge­trof­fen hat, wird er ak­tu­ell nicht ge­recht“, sagt et­wa Marc Ga­b­ri­el, Ana­lyst beim Bank­haus Lam­pe. Die gro­ße Vi­si­on von Rühl, ei­ne In­dus­trie­platt­form auf der nicht nur Klöck­ner, son­dern auch Kon­kur­ren­ten ih­re Wa­ren feil­bie­ten, steckt noch in den Kin­der­schu­hen. Mit dem Stahl­pro­du­zen­ten Ta­ta wer­den bei­spiels­wei­se ak­tu­ell le­dig­lich Da­ten aus­ge­tauscht.

„Das In­ter­es­se der In­dus­trie an der In­ter­net­platt­form von Klöck­ner ist über­schau­bar“, ist aus in­for­mier­ten Krei­sen zu ver­neh­men. Die Un­ter­neh­men, die teil­neh­men woll­ten, müss­ten ei­nem Kon­kur­ren­ten zu vie­le Ge­schäfts­ge­heim­nis­se preis­ge­ben. „Das ist ein fun­da­men­ta­ler Denk­feh­ler“, heißt es. Ei­ni­ge po­ten­zi­el­le Kun­den hät­ten sich die Platt­form an­ge­schaut, dann aber ab­ge­wun­ken. Ein On­li­nehänd­ler, der nicht aus dem Stahl kommt, könn­te es hin­ge­gen leich­ter ha­ben.

Und so blei­ben die bis­he­ri­gen Er­fol­ge von Klöck­ners Di­gi­tal­kurs über­schau­bar: Für Kun­den gibt es in­zwi­schen ei­ne di­gi­ta­le Kon­trakt­platt­form, auf de­nen sie ih­re Be­stel­lun­gen ein­se­hen kön­nen. Zu­dem bie­tet das Un­ter­neh­men 900 Pro­duk­te in ei­nem an­de­ren On­li­ne­Shop na­mens Con­to­ri­on an ( zum Ver­gleich: Thys­senk­rupp ver­treibt online 4500 Pro­duk­te), die In­ter­net­sei­ten der ei­ge­nen Online-Shops in den Nie­der­lan­den und der Schweiz wer­den ak­tu­ell über­ar­bei­tet.

Klöck­ner wi­der­spricht der Kri­tik. „Das In­ter­es­se an un­se­rer In­dus­trie­platt­form ist sehr hoch“, sagt ein Spre­cher. Zu­letzt sei­en im­mer wie­der Wett­be­wer­ber auf Klöck­ner zu­ge­kom­men, die sich be­tei­li­gen wol­len: „Noch schal­ten wir al­ler­dings wie ge­plant kei­ne Part­ner hin­zu.“Dies sol­le erst zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt er­fol­gen.

Wel­chen An­teil die Di­gi­ta­l­ak­ti­vi­tä­ten am Er­geb­nis ha­ben, lässt Klöck­ner of­fen: „Wel­che Er­geb­nis­bei­trä­ge wir kon­kret er­war­ten, wer­den wir im Rah­men un­se­rer Bi­lanz­pres­se­kon­fe­renz im März be­kannt­ge­ben.“Da­bei wä­ren po­si­ti­ve Nach­rich­ten für KlöCo wich­tig. Zu­letzt muss­te das Un­ter­neh­men ein­räu­men, für das ak­tu­el­le Jahr mit ei­nem Ver­lust von 350 bis 380 Mil­lio­nen Eu­ro zu rech­nen.

Man müs­se da­her schon hin­ter­fra­gen, wann durch Klöck­ners Ber­li­ner Di­gi­tal­toch­ter klöck­ner.i Geld rein­kom­me, sagt Ana­lyst Ga­b­ri­el: „Ein biss­chen Er­geb­nis wä­re schön.“Denn das Um­feld sei ak­tu­ell schwie­rig. „Die Stahl­prei­se sind al­lein im ver­gan­ge­nen Quar­tal um 13 Pro­zent ge­fal­len – und fal­len­de Prei­se sind nie gut, nicht für die Pro­du­zen­ten und noch we­ni­ger für die Händ­ler. Denn die kau­fen Wa­ren, die we­nig spä­ter an Wert ver­lie­ren.“

Auch In­ves­tor Fried­helm Loh, der sei­ne An­tei­le zu­letzt auf rund 20 Pro­zent auf­ge­stockt hat­te, dürf­te mit sei­nem In­vest­ment bis­lang nicht zu­frie­den sein. Bei Klöck­ner heißt es, die Di­gi­tal­stra­te­gie ha­be ei­nen er­heb­li­chen An­teil dar­an ge­habt, dass Loh ein­ge­stie­gen sei. Aus Sicht von Ana­lyst Ga­b­ri­el ist die Fra­ge nun, was Loh vor­hat: „Er wird de­fi­ni­tiv mehr Ein­fluss aus­üben. Ob die Di­gi­tal­stra­te­gie dann noch wei­ter ver­folgt wird, ist un­klar.“Zu­min­dest ge­rät da­durch, laut in­for­mier­ten Krei­sen, auch Rühl un­ter Druck, der wie kein Zwei­ter für die­se Stra­te­gie steht: „Jetzt muss er lie­fern.“

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