An­sturm auf Unis so stark wie nie

We­gen der dop­pel­ten Abitur­jahr­gän­ge ist die Zahl der Stu­die­ren­den enorm ge­wach­sen. Wo sie un­ter­ge­kom­men sind: die meis­ten in Nord­rhein-West­fa­len, vie­le an Fach­hoch­schu­len und dort in den In­ge­nieur­fä­chern.

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE - VON ISA­BEL­LE DE BORTOLI

DÜSSELDORF. Die Zahl der Stu­di­en­an­fän­ger in Deutsch­land ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht, wie nach der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung zu er­war­ten ge­we­sen wä­re, ge­sun­ken, son­dern sie hat im Ge­gen­teil deut­lich zu­ge­nom­men. Die Grün­de: In vie­len Bun­des­län­dern wur­de die Schul­zeit auf nur zwölf Jah­re ver­kürzt, dop­pel­te Jahr­gän­ge ka­men an die Hoch­schu­len. Auch der Weg­fall der Wehr­pflicht und der Vor­marsch des Abiturs als häu­figs­ter Schul­ab­schluss sor­gen für ei­nen ste­ti­gen Zustrom an Unis und Fach­hoch­schu­len.

In nur fünf Jah­ren stieg die Zahl der Stu­di­en­an­fän­ger um über 40 Pro­zent; und sie wird nicht vor Mit­te des Jahr­hun­derts wie­der auf das Ni­veau von 2005 zu­rück­fal­len. Das ist das Er­geb­nis der Stu­die „Und wo stu­die­ren die jetzt al­le?“des CHE Cen­trum für Hoch­schul­ent­wick­lung zum Ver­bleib der zu­sätz­li­chen Stu­di­en­an­fän­ger in den Jah­ren 2006 bis 2013.

Das sind die wich­tigs­ten Er­kennt­nis­se: Die meis­ten stu­die­ren in NRW

Die Ge­samt­zahl von über 650.000 zu­sätz­li­chen Stu­di­en­an­fän­gern zwi­schen 2007 und 2013 wur­de zu rund 60 Pro­zent al­lein von den Län­dern Bay­ern, Ba­den-Würt­tem­berg und Nord­rhein-West­fa­len auf­ge­nom­men. Die meis­ten Erst­se­mes­ter ka­men in Nord­rhein-West­fa­len un­ter (145.000), ge­folgt von Ba­den-Würt­tem­berg (130.000) und Bay­ern (110.000). Die ost­deut­schen Län­der konn­ten ih­re An­fän­ger­zah­len sta­bil hal­ten, da­zu ha­ben sie ver­mehrt Stu­di­en­in­ter­es­sen­ten aus West­deutsch­land, aber auch aus dem Aus­land re­kru­tiert. Nord­rheinWest­fa­len nimmt seit lan­gem ei­nen ver­gleichs­wei­se ho­hen An­teil an Lan­des­kin­dern an den ei­ge­nen Hoch­schu­len auf.

Zwi­schen 2007 und 2013 schrie­ben sich in NRW ab­so­lut am meis­ten zu­sätz­li­che Stu­di­en­an­fän­ger ein. Das Wachs­tum von 80.903 (2005) auf 128.483 (2013) be­trug 59 Pro­zent. Die An­tei­le der ein­zel­nen Her­kunfts­grup­pen ver­än­der­ten sich da­bei kaum: 69 bis 71 Pro­zent ka­men aus Nord­rhein-West­fa­len, 16 bis 18 Pro­zent aus an­de­ren Bun­des­län­dern und 12 bis 14 Pro­zent aus dem Aus­land. FHs wach­sen über­pro­por­tio­nal

Ins­ge­samt ist der Zu­wachs an den Fach­hoch­schu­len über­pro­por­tio­nal er­folgt, die 2013 40 Pro­zent der Stu­di­en­an­fän­ger auf­ge­nom­men ha­ben. Zum Ver­gleich: 2005 wa­ren es nur 30 Pro­zent. Vor al­lem durch den Aus­bau der In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten, der Rechts-, Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaf­ten so­wie der Ge­sund­heits­wis­sen­schaf­ten konn­ten die FHs ver­stärkt Stu­di­en­an­fän­ger ge­win­nen. MINT-Fä­cher le­gen wei­ter zu

Die CHE-Stu­die wer­tet es als Er­folg, dass die Fä­cher­grup­pen Ma­the­ma­tik, In­for­ma­tik, Na­tur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik (MINT) ih­ren An­teil an den Stu­di­en­an­fän­ger wei­ter aus­bau­en konn­ten. Ge­mein­sam bil­den sie die größ­te Fä­cher­grup­pe (mit 38,8 Pro­zent der Stu­di­en­an­fän­ger im Jahr 2013). Dies zeigt auch, dass ent­ge­gen man­chen Er­war­tun­gen, dass die Stu­die­ren­den vor al­lem in ver­meint­lich we­ni­ger an­spruchs­vol­le „Bü­cher­fä­cher“strö­men wür­den, stär­ker an den Be­dürf­nis­se des Ar­beits­mark­tes aus­ge­bil­det wird. In den In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten ist das pro­zen­tu­al größ­te Wachs­tum fest­zu­stel­len. Zwi­schen 2005 und 2013 wuchs die Stu­di­en­an­fän­ger­zahl von 67.370 auf 109.964, was ei­nen An­stieg um 63 Pro­zent be­deu­tet. Pri­va­te Hoch­schu­len be­liebt

Nicht zu­letzt konn­ten die pri­va­ten Hoch­schu­len von dem Nach­fra­ge­an­stieg pro­fi­tie­ren, die Stu­die­ren­den­zahl hier wächst so­gar noch wei­ter, ob­wohl an den staat­li­chen Hoch­schu­len der Hö­he­punkt der Ent­wick­lung über­schrit­ten ist. Pri­va­te Hoch­schu­len, ins­be­son­de­re pri­va­te Fach­hoch­schu­len, ha­ben eben­so er­heb­lich vom An­wach­sen der Stu­die­ren­den­zah­len pro­fi­tiert (+ 181 Pro­zent), je­doch mit gro­ßen re­gio­na­len Un­ter­schie­den. NRW ist nach Ber­lin der größ­te Stand­ort pri­va­ter Hoch­schu­len in Deutsch­land. Nie­der­rhein legt um 45 Pro­zent zu

Die Hoch­schu­le Nie­der­rhein ist in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren enorm ge­wach­sen. Wa­ren zum Win­ter­se­mes­ter 2005/06 noch 10.100 Stu­die­ren­de an der Hoch­schu­le Nie­der­rhein ein­ge­schrie­ben, sind es zum lau­fen­den Win­ter­se­mes­ter 14.500 – ein Zu­wachs von über 40 Pro­zent. Da­bei ist die Zahl der Gym­na­si­as­ten, die an die Hoch­schu­le Nie­der­rhein kom­men, in die­sem Zei­t­raum um 69 Pro­zent ge­stie­gen, die der Ge­samt­schü­ler mit all­ge­mei­ner Hoch­schul­rei­fe so­gar um 247 Pro­zent.

Die Hoch­schu­le Nie­der­rhein ist in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ein gu­tes Stück weib­li­cher ge­wor­den. Lag der An­teil der Stu­di­en­an­fän­ge­rin­nen 2005 bei knapp 46 Pro­zent, be­gin­nen heu­te mehr Frau­en als Män­ner ein Stu­di­um in Kre­feld oder Mön­chen­glad­bach (51 Pro­zent). Auf­schluss­reich ist auch die Ent­wick­lung hin­sicht­lich der Stu­di­en­for­ma­te. So leg­te die Zahl der Stu­di­en­an­fän­ger bei den For­ma­ten dua­les Stu­di­um (plus 124 Pro­zent) und Teil­zeit-Stu­di­um (plus 143 Pro­zent) sehr stark zu.

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