Wann ein Stu­di­en­fach­wech­sel sinn­voll ist

Am wich­tigs­ten ist in ei­ner Kri­sen­si­tua­ti­on, mit an­de­ren über sei­ne Zwei­fel zu spre­chen, sa­gen Ex­per­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE - VON NO­RA WANZKE

BER­LIN (dpa) Ist das Stu­di­en­fach das rich­ti­ge für mich? Vie­le Erst­se­mes­ter sind un­si­cher, ob sie ein Stu­di­um ma­chen, das zu ih­nen passt. Vor al­lem in den ers­ten Se­mes­tern, die häu­fig dar­aus be­ste­hen, das Sys­tem Uni zu durch­bli­cken und sich durch Grund­la­gen-Mo­du­le zu kämp­fen. Was pas­siert, wenn die Zwei­fel im­mer grö­ßer wer­den?

Ent­schei­dend sei die In­ten­si­tät der Ge­füh­le, sagt Hans-Wer­ner Rü­ck­ert von der Stu­di­en­be­ra­tung der Frei­en Uni­ver­si­tät (FU) Ber­lin. Bin ich über­for­dert? Fehlt mir der An­trieb, zur Uni zu ge­hen? Um die ers­ten Zwei­fel rich­tig zu deu­ten, ist es wich­tig, sei­ne ei­ge­ne Per­sön­lich­keit ein­zu­schät­zen. „Glaubt man, ei­ne ho­he To­le­ranz­gren­ze zu ha­ben, oder ist man eher un­ge­dul­dig“, sagt Psy­cho­lo­gie-Pro­fes­sor Ste­phan Dut­ke von der Uni­ver­si­tät Müns­ter.

Chris­toph (22) hat sein Stu­di­um ab­ge­bro­chen und vor ei­nem Jahr den Neu­an­fang an der Leu­pha­na Uni­ver­si­tät Lü­ne­burg ge­wagt. Zwei Se­mes­ter hat er ge­braucht, um zu er­ken­nen, dass der Stu­di­en­gang wirt­schafts­po­li­ti­scher Jour­na­lis­mus an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund nicht zu ihm passt. Er war schon im­mer der Typ, der et­was durch­zieht. Al­so kam ihm ein Stu­di­en­wech­sel nicht in den Sinn.

Die Ex­per­ten sind sich ei­nig: Am wich­tigs­ten ist in so ei­ner Si­tua­ti­on, mit an­de­ren über sei­ne Zwei­fel zu spre­chen. An­sprech­part­ner kön­nen El­tern und Freun­de sein, aber auch die Be­ra­tungs­stel­len an den Hoch­schu­len oder die Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Um ei­nen kla­ren Kopf zu be­kom­men, hel­fen laut Ex­per­ten fol­gen­de Fra­gen: Wie bin ich zu der Stu­di­en­wahl ge­kom­men? Bin ich eher der Stu­di­en- oder Aus­bil­dungs­typ? Ist das Stu­di­um das Pro­blem oder et­was an­de­res? Sind mei­ne Kom­mi­li­to­nen vom Stu­di­en­gang be­geis­tert und ich nicht? Liegt es an mei­nem Selbst­ma­nage­ment?

Ir­gend­wann müs­sen Stu­den­ten ei­ne Ent­schei­dung fäl­len. Es hilft nicht, sich mo­na­te­lang im Kreis zu dre­hen. Wich­tig sei, vor dem Ab- bruch ei­nen Plan B in der Ta­sche zu ha­ben, er­klärt Stu­di­en­be­ra­ter Rü­ck­ert. Kommt nach dem Ab­bruch ein Leer­lauf, kann die­ser das Ge­fühl des Ver­sa­gens nur be­stär­ken.

Man­cher fühlt sich durch den Stu­di­en­gang­wech­sel auch stig­ma­ti­siert. Chris­toph hat­te das Ge­fühl, ein Ver­sa­ger zu sein. Das sei aber Irr­sinn, sa­gen bei­de Ex­per­ten. „Mit 19 oder 20 Jah­ren durch­lebt man ei­ne dy­na­mi­sche Ent­wick­lung“, er­klärt Rü­ck­ert. Es gibt über 18.000 Stu­di­en­gän­ge. Und da sei die Wahr­schein­lich­keit, ei­ne fal­sche Wahl zu tref­fen, eben groß.

Chris­toph stu­diert seit ei­nem Jahr Kul­tur­wis­sen­schaf­ten und Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie. Ir­gend­wie ist er auch stolz dar­auf, die Ent­schei­dung ge­trof­fen zu ha­ben. Der Preis: Je­der sieht in sei­nem Le­bens­lauf, dass er ei­nen Stu­di­en­gang nicht ab­ge­schlos­sen hat. An­de­rer­seits gibt es kei­ne Lü­cke. „Mit dem nicht ganz per­fek­ten Le­bens­lauf auf dem Blatt muss ich le­ben.“Wie wird dar­über ein Ar­beit­ge­ber ur­tei­len? Un­term Strich geht er als Ge­win­ner aus der Kri­se mit dem Stu­di­um her­vor.

FOTO: DPA

Auch die­se schwie­ri­ge Ent­schei­dung steht manch­mal im Stu­di­um an: ab­bre­chen oder wei­ter­ma­chen?

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