Glad­bach hat wei­ter­hin ein Is­la­mis­ten-Pro­blem

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON GABI PE­TERS

Sie ste­hen auf der Fahn­dungs­lis­te der tür­ki­schen Po­li­zei, weil sie als Kämp­fe­rin­nen der IS-Miliz gel­ten: Mer­ve D. (19) und Va­len­ti­na S. (20) aus Mön­chen­glad­bach. Ugur S. (29), Musta­fa C. (26) und Mo­ham­mad Sob­han A. (39), die zur sala­fis­ti­schen Sze­ne ge­hö­ren und fest­ge­nom­men wur­den, weil sie ei­ne Ter­ror­grup­pe in Sy­ri­en un­ter­stützt ha­ben sol­len, kom­men eben­falls aus Glad­bach. Das al­lei­ne sind schon fünf Bei­spie­le da­für, dass sich in der Stadt Men­schen ra­di­ka­li­siert ha­ben.

Nicht rechts­ex­tre­me Grup­pie­run­gen und schon gar nicht Links­ex­tre­me stel­len in der Stadt ein si­gni­fi­kan­tes Pro­blem dar, son­dern ge­walt­be­rei­te Is­la­mis­ten. „Das ist das, was uns in Mön­chen­glad­bach wirk­lich be­drückt“, sag­te Po­li­zei­prä­si­dent Ma­this Wies­sel­mann im In­te­gra­ti­ons­rat. Im Ge­gen­satz zu Frank­reich steht Deutsch­land den­noch vor ganz an­de­ren Di­men­sio­nen. „800 Deut­sche zo­gen bis­her in den IS-Krieg, von Frank­reich aus ta­ten das 6000 bis 8000“, be­rich­te­te Wies­sel­mann.

Den­noch gibt es auch in Deutsch­land und hier in Mön­chen­glad­bach ei­nen Nähr­bo­den für ei­ne sala­fis­ti­sche und is­la­mis­ti­sche Ra­di­ka­li­sie­rung. In der Stadt las­sen sich Men- schen für den Kampf für den IS und Al Qai­da re­kru­tie­ren.

Dass al­ler­dings, wie ein In­te­gra­ti­ons­rats­mit­glied mit­teil­te, in drei Mön­chen­glad­ba­cher Ver­ei­nen jun­ge Men­schen für den so ge­nann­ten Hei­li­gen Krieg an­ge­wor­ben wer­den sol­len, ist Wies­sel­mann nicht be­kannt. So sag­te er auf je­den Fall. Der Staats­schutz, ge­ra­de per­so­nell auf­ge­stockt, er­mit­te­le laut Wies­sel­mann schon viel. Aber man sei auch auf Hin­wei­se aus der Be­völ­ke­rung an­ge­wie­sen. Wenn es An­zei­chen ge­be, dass ge­walt­be­rei­te Sala­fis­ten von hier aus agie­ren oder die Ge­fahr be­steht, dass sich be­stimm­te Men­schen ra­di­ka­li­sie­ren, soll­te das so- fort der Po­li­zei ge­mel­det wer­den. Auf die Fra­ge, ob es an­ge­sichts der Auf­ga­ben und der Ter­ror­ge­fahr nicht mehr Po­li­zei­kräf­te ge­ben müss­te, sag­te Wies­sel­mann: „Das ist ei­ne groß­ar­ti­ge Idee.“780 Be­am­te ge­be es zur­zeit im Po­li­zei­prä­si­di­um. Zwar wür­den im kom­men­den Jahr lan­des­weit 1900 neue Po­li­zis­ten ein­ge­stellt, da­mit kön­ne man aber ge­ra­de ein­mal den de­mo­gra­fi­schen Wan­del auf­fan­gen.

Aus Po­li­zei­ge­werk­schafts­sicht ist noch nicht ein­mal das ge­währ­leis­tet. In den 70er und 80er Jah­ren, vor al­lem zu Zei­ten des RAF-Ter­rors, wur­den jähr­lich mehr als 2000 Po­li­zis­ten ein­ge­stellt. Die ge­hen nun in den Ru­he­stand. Und bis heu­te gab es auch Jah­re, in de­nen es nur 500 Neu­ein­stel­lun­gen gab.

Trotz der an­hal­ten­den Sala­fis­tenPro­ble­ma­tik, der Ro­cke­r­un­ru­hen und wei­te­ren „Bau­stel­len“will die Po­li­zei in Mön­chen­glad­bach ih­re Prä­senz in der Alt­stadt am Wo­che­n­en­de ver­stär­ken. „Wir ar­bei­ten ge­ra­de an ei­nem Mo­dell­pro­jekt. Wir wer­den un­se­re Schicht­diens­te an­ders ge­stal­ten, da­mit in den Näch­ten von Frei­tag auf Sams­tag und Sams­tag auf Sonn­tag mehr Po­li­zis­ten un­ter­wegs sind“, be­rich­te­te Wies­sel­mann. Im Mai soll das Pro­jekt eva­lu­iert, sprich be­wer­tet wer­den.

Auch zum Flücht­lings­the­ma äu­ßer­te sich Wies­sel­mann: „Wir müs­sen to­le­ran­ter wer­den, was Un­ter­schied­lich­keit an­geht. Und wir müs­sen auf die Men­schen zu­ge­hen, die zu uns kom­men.“Es ge­be Grund­la­gen des Zu­sam­men­le­bens, die un­ver­rück­bar sei­en, wie zum Bei­spiel das Grund­ge­setz, aber vie­le müss­ten dies zum Teil noch ler­nen.

Die Kri­mi­na­li­täts­ra­te sei seit dem Zu­zug der Flücht­lin­ge, wie der Po­li­zei­prä­si­dent sagt, nur ge­ring­fü­gig ge­stie­gen. Wies­sel­mann: „Das wä­re ge­nau­so ge­sche­hen, wenn 2000 bis 3000 Men­schen aus ei­ner an­de­ren deut­schen Stadt zu uns ge­kom­men wä­ren.“

RP-ARCHIVFOTO: DETLEF ILGNER

Auf dem Ei­cke­ner Markt be­te­ten Sala­fis­ten ei­ne Zeit lang je­den Frei­tag­abend.

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