Sechs Ster­ne für die Ers­te Hil­fe

Aus­zu­bil­den­de des Schul­zen­trums für Ge­sund­heits­be­ru­fe zei­gen Men­schen mit Be­hin­de­rung die Grund­la­gen der Erst­ver­sor­gung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIET­DORF

Die Ver­let­zun­gen se­hen äu­ßerst ein­drucks­voll aus: Ver­bren­nun­gen, ein of­fe­ner Bruch, an­ge­schwol­le­ne We­spen­sti­che ste­hen zur Aus­wahl und wol­len ver­sorgt wer­den mit Ver­bän­den, Sal­ben oder auch ei­nem An­ruf bei der 112. Für die echt wir­ken­den Wun­den und Ver­let­zun­gen zeich­net das Ro­te Kreuz mit Hil­fe von Schmin­ke und Ge­schick­lich­keit ver­ant­wort­lich, für al­les wei­te­re die Pfle­ge­schü­le­rin­nen und -schü­ler des Schul­zen­trums für Ge­sund­heits­be­ru­fe am Nie­der­rhein (SGN) und die Teil­neh­mer aus He­pha­ta.

Ju­lia Vogl Pfle­ge­schü­le­rin

Ju­lia Vogl, die im drit­ten Aus­bil­dungs­jahr zur Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin steht, zeigt die groß­flä­chi­ge, na­tür­lich ge­schmink­te Verbrennung vor. „Was wür­det ihr da ma­chen?“, fragt sie die drei ihr ge­gen­über­sit­zen­den jun­gen He­pha­ta-Be­woh­ner. Die wis­sen, was zu tun ist und grei­fen zu ei­nem Kühl­pack, der in ein Hand­tuch ein­ge­wi­ckelt wer­den soll­te. Ju­lia Vogl nickt zu­stim­mend. Ei­nen Tisch wei­ter wird über die Be­hand­lung von In­sek­ten­sti­chen ver­han­delt. Drei ge­fähr­lich wir­ken­de Sti­che kann Pfle- ge­schü­le­rin Clau­dia Bar­gen­de vor­wei­sen. Stefanie kennt sich aus: Die Sti­che kann man zu­erst mit ei­ner auf­ge­schnit­te­nen Zwie­bel be­han­deln. „Und dann muss man be­ob- ach­ten, wie groß der Stich wird und viel­leicht da­mit zum Arzt ge­hen“, sagt die jun­ge Frau, die schon ei­ge­ne Er­fah­run­gen mit We­spen­sti­chen ge­macht hat.

18 jun­ge Men­schen aus He­pha­ta wer­den ei­nen Tag lang mit den Grund­be­grif­fen der Ers­ten Hil­fe be­kannt ge­macht. 16 Aus­zu­bil­den­de im drit­ten Jahr ha­ben sechs Sta­tio- nen ge­schaf­fen und über­legt, wie sie ihr Wis­sen gut ver­ständ­lich wei­ter­ge­ben kön­nen. Al­le Teil­neh­mer durch­lau­fen die Sta­tio­nen, ler­nen, Pflas­ter und Ver­bän­de an­zu­le­gen, die Herz­druck­mas­sa­ge an­zu­wen­den oder je­man­den in die sta­bi­le Sei­ten­la­ge zu brin­gen. Für je­de ge­meis­ter­te Sta­ti­on gibt es ei­nen gol­de­nen Stern. Die Teil­neh­mer sind mit Ei­fer bei der Sa­che und beim Ster­ne­sam­meln. „Die Auf­merk­sam­keit und Sorg­falt, die sie an den Tag le­gen, ist be­ein­dru­ckend“, stellt Andre­as Ber­nard, Leh­rer am SGN, fest.

„Die Teil­neh­mer le­ben meist in klei­nen Wohn­grup­pen oder ei­ge­nen Woh­nun­gen und wer­den nicht stän­dig be­treut“, er­klärt He­pha­ta-Mit­ar­bei­te­rin Ma­ri­on Stap­pen. „Des­halb ist es wich­tig, dass sie selbst­stän­dig re­agie­ren kön­nen, wenn es not­wen­dig ist.“Al­le sind sehr in­ter­es­siert und ha­ben Spaß da­bei, so viel, dass man­che schon zum zwei­ten Mal da­bei sind. Au­ßer­dem ge­be die Wie­der­ho­lung Si­cher­heit, sagt Ma­ri­on Stap­pen.

Spaß ha­ben auch die Pfle­ge­schü­le­rin­nen und Pfle­ge­schü­ler. Aber es steckt noch mehr hin­ter der Ak­ti­on: Es geht nicht nur um die Wei­ter­ga­be von Wis­sen, son­dern ein eben­so wich­ti­ges Ziel ist das ge­gen­sei­ti­ge Ken­nen­ler­nen. „In der Pfle­ge muss man wis­sen, wie man mit Men­schen mit geis­ti­gen oder kör­per­li­chen Be­hin­de­run­gen um­geht“, sagt Ju­lia Görtz, Aus­zu­bil­den­de im drit­ten Jahr. „Da­bei wer­den im­mer noch vie­le Feh­ler ge­macht.“Da­ge-

„Un­se­re Teil­neh­mer sind sehr of­fen und sa­gen,

was sie den­ken“

gen hilft der Pra­xis­test: Die an­ge­hen­den Kran­ken­pfle­ger ler­nen Men­schen mit geis­ti­gen Ein­schrän­kun­gen ken­nen.

„Es ist ein total net­ter Um­gang mit­ein­an­der“, sagt Ju­lia Vogl. „Un­se­re Teil­neh­mer sind sehr of­fen und sa­gen, was sie den­ken.“So ler­ne man, oh­ne Vor­ur­tei­le und Ängs­te auf­ein­an­der zu zu­ge­hen. Ei­ne gu­te Vor­be­rei­tung für die Kran­ken­pfle­ger der Zu­kunft.

FOTO: ISA­BEL­LA RAUPOLD

So wird es ge­macht: 16 Aus­zu­bil­den­de des SGN am Nie­der­rhein er­klä­ren 18 He­pha­ta-Be­woh­nern die Grund­be­grif­fe der Ers­ten Hil­fe. Für je­de ge­meis­ter­te Sta­ti­on er­hal­ten die Teil­neh­mer ei­nen gol­de­nen Stern.

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