Fahr­rad­ver­leih sucht frei­wil­li­ge Hel­fer

Den Eh­ren­amt­lern, die Rä­der an Flücht­lin­ge aus­lei­hen, macht die Dun­kel­heit im Win­ter zu schaf­fen. Ih­nen fehlt Strom in der Ga­ra­ge.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Für den sie­ben Jah­re al­ten Mo­ha­med ist es das Schöns­te, wenn Pe­ter Be­ckers kommt und die Ga­ra­ge auf­schließt. Hin­ter dem Tor steht näm­lich das klei­ne Fahr­rad, mit dem Mo­ha­med den gan­zen Tag die Stra­ße hoch- und run­ter­fährt. Wenn der Jun­ge tram­peln kann, ist er glück­lich, ver­gisst für ei­nen kur­zen Au­gen­blick das, was er und sei­ne Fa­mi­lie in den letz­ten Wo­chen und Mo­na­ten erlebt ha­ben. Seit ei­ni­ger Zeit wohnt Mo­ha­med in der Con­tai­ner­sied­lung in Lür­rip, dort, wo Pe­ter Be­ckers als Eh­ren­amt­ler ei­nen Fahr­rad­ver­leih or­ga­ni­siert hat. Und der von den Flücht­lin­gen gut an­ge­nom­men wird (wir be­rich­te­ten). In­zwi­schen sind Be­ckers und sein Team viel mehr als nur die Men­schen, die die Ga­ra­ge öff­nen und an Fahr­rä­dern schrau­ben. Sie sind zu ech­ten Un­ter­stüt­zern, für ei­ni­ge so­gar zu Freun­den ge­wor­den, pack­ten bei Um­zü­gen an und hal­fen beim ein oder an­de­ren Schrank oder Re­gal, die auf­ge­baut wer­den muss­ten.

Jetzt geht das Fahr­rad-Pro­jekt in den ers­ten Win­ter, die Hel­fer kämp­fen mit den Wit­te­rungs­be­din­gun­gen. Mor­gens, be­vor die Kin­der in die Schu­le fah­ren, ist es stock­dun­kel. Die Ga­ra­ge hat kei­nen Strom­an­schluss für Licht. Und am Nach­mit- tag, wenn die Flücht­lin­ge ih­re Zwei­rä­der wie­der ab­ge­ben wol­len, sieht das Gan­ze nicht bes­ser aus. All das, was im Som­mer vor den Ga­ra­gen­to­ren statt­fan­den – Rei­fen pum­pen, Dy­na­mos re­pa­rie­ren, zu­rück­ge­ge- be­ne Fahr­rä­der kon­trol­lie­ren – kann im Au­gen­blick nur schwer oder gar nicht um­ge­setzt wer­den.

Zwar ist die Nach­fra­ge nach Fahr­rä­dern im Win­ter nicht mehr ganz so groß, wie sie noch vor ei­ni­gen Wo­chen war. Für Kin­der sind die Rä­der al­ler­dings un­ver­zicht­bar. Sie fah­ren zur Schu­le, be­su­chen An­ge­bo­te in der Stadt oder tref­fen Freun­de. Aus die­sem Grund soll das An­ge­bot auch im Win­ter be­ste­hen blei- ben. Das Team sucht da­für wei­te­re Hel­fer, die die Ga­ra­ge öff­nen und Rä­der aus­ge­ben oder die­se durch­che­cken, so­lan­ge es hell ist. Au­ßer­dem be­nö­ti­gen Pe­ter Be­ckers und die Hel­fer rund um die Ga­ra­ge sta­bi- le Re­ga­le, um Werk­zeug­kis­ten, Pum­pen und all das, was in ei­ne Fahr­rad­werk­statt ge­hört, si­cher ver­stau­en zu kön­nen, da­mit im Dun­keln nie­mand dar­über fällt und sich im schlimms­ten Fall so­gar ver­letzt.

Schon im Som­mer lehn­ten vie­le Flücht­lin­ge ih­re Rä­der ein­fach ent­lang der Haus­wand an, eins ne­ben das an­de­re, Pe­da­len ver­hak­ten sich, Len­ker ver­kratz­ten. Nur weil es kei­ne ver­nünf­ti­gen Fahr­rad­stän­der gibt. Nach wie vor ist der Hel­fer auf der Su­che nach sol­chen Stän­dern,

Sie sind zu ech­ten Un­ter­stüt­zern, für ei­ni­ge so­gar zu Freun­den

ge­wor­den Da­mit die Kin­der si­cher auf der Stra­ße sind, wün­schen sich die Hel­fer Warn­wes­ten

um die Rä­der platz­spa­rend und si­cher zu par­ken. Und über ei­ne Ak­ku-be­trie­be­ne hel­le Be­leuch­tung wür­de sich Be­ckers freu­en, die zu­min­dest den Schreib­tisch aus­leuch­tet, wo die Na­men der Aus­lei­her auf­ge­schrie­ben wer­den. „Deut­sche Bü­ro­kra­tie“, sagt Be­ckers da­zu im­mer und grinst. Aber Ord­nung muss sein, auch im Flücht­lings-Fahr­rad­ver­leih. Da­mit Kin­der wie Mo­ha­med si­cher auf der Stra­ße sind, wo Au­tos nach wie vor mit Tem­po 50 fah­ren dür­fen, wün­schen sich die Hel­fer Warn­wes­ten, vor al­lem für die Nach­wuchs-Rad­ler.

Wer das Team am Fleen­er­weg un­ter­stüt­zen will, der kann sich di­rekt bei Pe­ter Be­ckers im Fahr­rad-La­den an der Neus­ser Stra­ße 135 in­for­mie­ren oder sich per Mail bei pe­ter@fahr­rad-be­ckers.de mel­den.

RP-FOTO: DETLEF ILGNER

In der Ga­ra­ge am Fleen­er­weg gibt es Fahr­rä­der für Klei­ne und Gro­ße. Pe­ter Be­ckers no­tiert sich im­mer, wer wel­ches Fahr­rad be­kom­men hat. Für Mo­ha­med (7) und Jur­gen Ba­ha (r.) ist der Ver­leih ein tol­les An­ge­bot. Im Win­ter al­ler­dings ma­chen es die Wit­te­rungs­be­din­gun­gen dem Hel­fer schwer.

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