So funk­tio­niert das Licht­schwert

Seit dem ers­ten Auf­tritt im Ki­no üben die Waf­fen in den „Krieg der Ster­ne“-Fil­men ei­ne be­son­de­re Fas­zi­na­ti­on aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - VON LUD­WIG JO­VA­NO­VIC

Fas­zi­niert blickt der jun­ge Lu­ke Sky­wal­ker auf das weiß-blaue Leuch­ten der Klin­ge. „Die Waf­fe ei­nes Je­diRit­ters“, sagt sein Men­tor Obi-Wan Keno­bi. „Nicht so plump und un­ge­nau wie Feu­er­waf­fen. Ei­ne ele­gan­te Waf­fe aus zi­vi­li­sier­te­ren Ta­gen.“Das war 1977 im ers­ten „Star Wars“Film und der Mo­ment, in dem Ki­no­gän­ger zum ers­ten Mal ein Licht­schwert sa­hen – und vor al­lem hör­ten. Die Vi­bra­ti­on der Klin­ge schien fast spür­bar mit je­dem me­tal­li­schen Sum­men, das er­tön­te, wenn Lu­ke die Waf­fe be­weg­te. Da­nach gab es kaum je­mand, der nicht ein­mal mit ei­ner ein­ge­schal­te­ten Ta­schen­lam­pe im Dunk­len her­um­fuch­tel­te und die cha­rak­te­ris­ti­schen Ge­räu­sche nach­mach­te.

Das Licht­schwert ist ei­ne fas­zi­nie­ren­de Waf­fe, des­sen Ur­sprün­ge in der Krieg-der-Ster­ne-My­tho­lo­gie mehr als 25.000 Jah­re vor dem Mo­ment lie­gen, in dem Lu­ke die Klin­ge ent­zün­det: Die Vor­läu­fer der dunk­len Sith und der hel­len Je­di bün­del­ten die Macht zu ei­ner schwert­ar­ti­gen Klin­ge, die aber nur schwer zu kon­trol­lie­ren war.

Et­wa 10.000 Jah­re spä­ter war ein an­de­res Ex­pe­ri­ment er­folg­reich: Hei­ßes Gas, bei dem Elek­tro­nen und Atom­ker­ne von­ein­an­der ge­trennt wor­den wa­ren, ein so­ge­nann­tes Plas­ma, wur­de in ei­nem Kraft­feld qua­si ein­ge­fro­ren. Was mit viel Auf­wand und ei­ner schwe­ren, gro­ßen Ener­gie­quel­le in ei­nem Tor­nis­ter auf dem Rü­cken ge­lang, war zu­nächst un­prak­tisch und in­sta­bil. Das be­kam man zwar mit der Zeit in den Griff. Aber über Jahr­tau­sen­de be­weg­te es sich nur zwi­schen ei­nem Werk­zeug und ei­ner un­hand­li­cher Waf­fe.

Es wa­ren die Sith, An­hän­ger der Dunk­len Sei­te der Macht und Geg­ner der ord­nungs­lie­ben­den, mit­füh­len­den Je­di, die ei­ne Lö­sung für den hor­ren­den Ener­gie­ver­brauch fan­den: Sie in­te­grier­ten neue, ex­trem leit­fä­hi­ge Kom­po­nen­ten in den Griff – und ei­ne klei­ne, kom­pak­te, na­tür­lich fik­ti­ve, Dia­ti­um-Ener­gie­zel­le. Die ent­hält ein hoch­kon­zen­trier­tes Gas. Wird das Schwert ak­ti­viert und wie bei ei­ner Lam­pe der Strom­kreis ge­schlos­sen, er­hitzt sich das Gas um­ge­hend und pro­du­ziert das Plas­ma. Über ein Kraft­feld wird es dann in sei­ne Form ge­zwun­gen. Das al­lei­ne schafft aber kaum mehr als ei­nen ge­schlos­se­nen, hei­ßen Bo­gen. Erst über spe­zi­el­le Kris­tal­le wird das Plas­ma ge­bün­delt – zu ei­ner prä­zi­sen Klin­ge.

Die Aus­wahl die­ser Kris­tal­le mit­hil­fe der mys­ti­schen Macht und ih­re An­ord­nung liegt al­lei­ne in der Hand des Je­di oder Sith, der das Licht­schwert als Teil sei­ner Aus­bil­dung baut. Und er al­lei­ne ent­schei­det über die Far­be der Klin­ge, das Ge­räusch, das sie ver­ur­sacht, und ih­re Vi­bra­ti­on. Da­durch wird das Schwert Aus­druck der Per­sön­lich­keit sei­nes Trä­gers.

Der Um­gang mit der Waf­fe selbst ist ei­ne Kunst, die man über Jah­re ent­wi­ckelt. Das in ei­nem Kraft­feld ein­ge­schlos­se­ne Plas­ma schmilzt bei Kon­takt fast je­des Me­tall und durch­trennt Ge­we­be mü­he­los. Erst durch Kon­zen­tra­ti­on, sehr viel Trai­ning und die Ver­bun­den­heit mit der mys­ti­schen Macht lässt sich die Klin­ge ge­zielt ein­set­zen – oh­ne sich selbst zu ver­let­zen oder un­ge­wollt ver­hee­ren­de Ver­wüs­tung an­zu­rich­ten. Das ist zu­min­dest die Vor­stel­lung im Star-Wars-Uni­ver­sum.

In der rea­len Welt schien das Licht­schwert lan­ge Zeit nicht mehr als ei­ne be­ein­dru­cken­de Idee oh­ne wis­sen­schaft­li­ches Fun­da­ment zu sein. Vor knapp zwei Jah­ren ge­lang den Phy­si­kern Mik­hail Lu­kin und Vladan Vu­le­tic in den USA dann aber et­was, das bis­lang nur theo­re­tisch mög­lich war. Über ei­ne kom­ple­xe Ap­pa­ra­tur zwan­gen sie zwei Licht­teil­chen da­zu, sich mit­ein­an­der zu ver­bin­den – zu ei­ner Art „Licht­mo­le­kül“. Und das ver­hielt sich im La­bor und im sehr klei­nen Maß­stab so, als ob es Mas­se hät­te. So­zu­sa­gen wie et­was Fes­tes. Spinnt man den Ge­dan­ken wei­ter, könn­te ei­nes Ta­ges ei­ne Klin­ge aus Licht ste­hen. Tat­säch­lich aber dreht sich ih­re For­schung um neue Schal­tun­gen für die Com­pu­ter der Zu­kunft.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.