Lena Oden­thal flir­tet ein we­nig

Im Fall „LU“kommt die Stadt Lud­wigs­ha­fen groß raus, und der Kom­mis­sa­rin wird ei­ne klei­ne Lie­be­lei er­laubt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN AM SONNTAG - VON MAR­TI­NA STÖ­CKER

LUD­WIGS­HA­FEN Den rund 160.000 Lud­wigs­ha­fe­nern dürf­te am Sonn­tag das Herz auf­ge­hen, weil ih­re Stadt im „Tat­ort“ei­ne gro­ße Rol­le spielt: In der „Tor­ten­schach­tel“, ei­nem mar­kan­ten Rund­bau aus den 60er Jah­ren im Zen­trum und ehe­ma­li­gen Kauf­haus, wur­den meh­re­re Sze­nen ge­dreht, und kurz dar­auf wur­de sie ab­ge­ris­sen. Durch die schier end­lo­sen Gän­ge des Bahn­hofs führt ei­ne Ver­fol­gungs­jagd, und dann gibt es na­tür­lich ein gro­ßes Che­mie­werk, das zwar nicht das der BASF ist, aber vie­le dar­an er­in­nern dürf­te. „LU“– wie das Au­to­kenn­zei­chen – heißt die Fol­ge und das macht we­gen der vie­len lo­ka­len Be­zü­ge Sinn.

Der zwei­te Grund für den Ti­tel ist Lud­wig „Lu“Wolff, ge­spielt von Jür­gen Vo­gel, der nach 15 Jah­ren in sei­ne Stadt zu­rück­kehrt. Der ehe­ma­li­ge Geld­ein­trei­ber war nach dem Mord an ei­nem Dro­gen­koch ver­schwun­den. Der ar­bei­te­te mit Mark Moss (Chris­toph Bach) in dem gro­ßen Che­mie­werk und starb – von meh­re­ren Schüs­sen ge­trof­fen – in den Ar­men des Kol­le­gen. Al­ler­dings steht Moss mitt­ler­wei­le kurz vor dem Sprung in den Vor­stand des Un­ter­neh­mens, da passt es ihm na­tür­lich gar nicht, dass die al­ten Ge­schich­ten wie­der auf­ge­rührt wer­den, nach­dem ein bul­ga­ri­scher Auf­trags­kil­ler er­schos­sen an der „Tor­ten­schach­tel“ge­fun­den wur­de. Schnell stellt Kom­mis­sa­rin Lena Oden­thal (Ul­ri­ke Fol­kerts) fest, dass er auch in die Er­mitt­lun­gen vor 15 Jah­ren ver­wi­ckelt war. Und dass Lu aus­ge­rech­net jetzt wie­der auf­taucht, kann auch kein Zu­fall sein.

Als die bei­den sich be­geg­nen, fällt Wolffs Blick di­rekt auf Oden­t­hals durch­trai­nier­ten Bi­zeps, und ab da schlei­chen die bei­den um­ein­an­der her­um. Die Kom­mis­sa­rin be­fühlt im Ver­hör be­sorgt die Nar­be ih­res Tat­ver­däch­ti­gen („Tut es noch weh?“), sie tau­schen lan­ge Bli­cke und flir­ten. Es „briz­zelt“ge­wal­tig zwi­schen ih­nen, er­klärt sie.

Trotz­dem ist die­ser „Tat­ort“(Re­gie: Jobst Chris­ti­an Oetz­mann, Buch: Dagmar Ga­bler) ein we­nig zäh ge­ra­ten. Lena Oden­thal, die ihr be­rühm­tes Bauch­ge­fühl wie ein Man­tra eben­so vor sich her trägt wie ih­re Stre­ber-Kol­le­gin Jo­han­na Stern (Li­sa Bit­ter) ihr iPad, kommt nicht so wirk­lich aus dem Quark. Die ro­man­ti­sche An­nä­he­rung an Lu Wolff wirkt völ­lig un­mo­ti­viert, auch das Ge­zi­cke mit der neu­en Kol­le­gin Stern er­füllt je­des Kli­schee von Stu­ten­bis­sig­keit. So haut die Kom­mis­sa­rin auch nach ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung den Spruch „Un­vor­stell­bar für so ‘ne Schreib­tischs­tu­te“raus. Seit Ma­rio Kop­per (Andre­as Hop­pe) ei­nen Ring am Fin­ger trägt, tapst er auch nur un­be­hol­fen durch die Stadt. Wenn ein Po­li­zist so ob­ser­viert wie er, kann man es auch gleich las­sen und muss sich um die Si­cher­heit in die­sem Land wirk­lich Sor­gen ma­chen. Und der Ma­na­ger, der kurz vor dem Sprung in die Vor- stands­eta­ge steht, ist na­tür­lich eis­kalt und be­rech­nend – noch so ein Kli­schee.

Wä­ren da nicht Jür­gen Vo­gel und Ingrid van Ber­gen in ei­ner klei­nen Rol­le als Ex-Bor­dell-Che­fin Char­lot­te, könn­te man sich für Sonn­tag ge­trost et­was an­de­res vor­neh­men. Weil ei­ne Stadt­füh­rung durch Lud­wigs­ha­fen nun auch nicht das ist, was ein Nicht-Lud­wigs­ha­fe­ner zum Glück­lich­sein un­be­dingt braucht.

„Tat­ort - LU“, ARD, So., 20.15 Uhr

FOTO: SWR

Zwi­schen Lena Oden­thal (Ul­ri­ke Fol­kerts) und dem Haupt­ver­däch­ti­gen Lud­wig „Lu“Wolff (Jür­gen Vo­gel) knis­tert es.

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