Frisch­luft­pee­ling in un­be­rühr­ter Na­tur

Wer im Win­ter an der Nord­see­küs­te oder auf ei­ner der sie­ben Ost­frie­si­schen In­seln Ur­laub macht, möch­te die Ru­he ge­nie­ßen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE -

Bis auf das To­ben des Mee­res hört man nichts. Ein kal­ter Wind pfeift um die Na­se. Die Luft riecht nach Jod. Es ist still ge­wor­den an der nie­der­säch­si­schen Nord­see­küs­te. Im Win­ter sind die meis­ten Tou­ris­ten ver­schwun­den. Wer jetzt noch kommt, der sucht die Ab­ge­schie­den­heit. Der will Ru­he und Ent­span­nung.

Vie­le Ur­lau­ber rei­sen an die Küs­te oder auf die Ost­frie­si­schen In­seln, um et­was für ih­re Ge­sund­heit zu tun. Be­son­ders für All­er­gi­ker und Asth­ma­ti­ker ist die gu­te See­luft ei­ne Wohl­tat. Das liegt vor al­lem am ho­hen Salz­ge­halt, der in der Luft und im Was­ser stär­ker ent­hal­ten ist als in je­der an­de­ren eu­ro­päi­schen Re­gi­on.

Men­schen mit Hau­ter­kran­kun­gen wie Neu­ro­der­mi­tis oder Schup­pen­flech­te fin­den in dem Kli­ma deut­li­che Lin­de­rung. Die Luft, das Meer­was­ser und der dar­un­ter lie­gen­de Schlick lie­fern wert­vol­le In­halts­stof­fe, die von den Men­schen seit mehr als 200 Jah­ren für Ku­ren ge­nutzt wer­den, so­wohl zur Vor­beu­gung als auch zur Hei­lung. Ob in Bä­dern, Pa­ckun­gen, Mas­sa­gen oder Pee­lings – die Wir­kung auf den Kör­per ist nach­weis­lich gut. Auch die Be­we­gung an der fri­schen Luft ge­hört da­zu. Je nä­her man der Bran­dung kommt, des­to grö­ßer ist der Ef­fekt, weil sich Ae­ro­so­le, das sind feins­te Was­ser­trop­fen, die Salz­par­ti­kel trans­por­tie­ren, dann bes­ser auf die Lun­ge le­gen kön­nen. Im Herbst und Win­ter sind die Win­de an der Nord­see kräf­ti­ger und trans­por­tie­ren des­halb noch mehr Ae­ro­so­le.

Für all das gibt es ei­nen Na­men: Tha­l­as­so. Der Be­griff lei­tet sich von dem grie­chi­schen Wort „tha­l­as­sa“ab und be­deu­tet „Meer“. Auf Nor­der­ney steht das größ­te Tha­l­as­so-Zen­trum Deutsch­lands. Im „ba­de:haus“tau­chen Be­su­cher in ei­ne sinn­li­che Wohl­fühl­welt ein. Sie schwim­men im Meer­was­ser, ge­nie­ßen ver­schie­de­ne An­wen­dun­gen und er­ho­len sich in ei­ner gro­ßen Sau­na­land­schaft. Nor­der­neys Kur­di­rek­tor Wil­helm Loth fasst das für sei­ne Gäs­te wie folgt zu­sam­men: „Tha­l­as­so ist Ge- sund­heit am und aus dem Meer. Tha­l­as­so hat auf un­se­rer In­sel ei­ne gro­ße Tra­di­ti­on. Das ist un­se­re Kern­kom­pe­tenz. Das ist un­se­re Lei­den­schaft.“

Wer auch im Win­ter raus in die Na­tur möch­te, soll­te sich dick ein­pa­cken. Da­für be­kommt er ein ein­zig­ar­ti­ges Na­tur­schau­spiel ge­bo­ten: 2009 er­klär­te die Unesco das welt­weit größ­te Wat­ten­meer zum Welt­na­tur­er­be. Rech­net man die Flä­chen von Dä­ne­mark bis zu den Nie­der­lan­den zu­sam- men, er­gibt das ei­ne Grö­ße von 9000 Qua­drat­ki­lo­me­tern. Es ist – ne­ben den Hoch­al­pen – die letz­te weit­ge­hend naturbelassene Groß­land­schaft Eu­ro­pas. Zwei­mal pro Tag hebt und senkt sich das Meer um bis zu drei Me­ter. Ins­ge­samt le­ben mehr als 10.000 Tier- und Pflan­zen­ar­ten im Wat­ten­meer, dar­un­ter auch vie­le Al­gen, Mi­kro­ben und Watt­wür­mer.

Abends, nach ei­ner Watt­wan­de­rung oder ei­nem Strand­spa­zier­gang, gibt es nichts Schö­ne­res als ei­ne Tas­se Tee. Bes­ser noch drei. Denn so viel trinkt man tra­di­tio­nell bei der ost­frie­si­schen Tee­ze­re­mo­nie. Und so geht’s: Zu­erst legt man ein Stück Kan­dis-Zu­cker (im Nor­den „Kl­unt­je“ge­nannt) in die Tas­se. Dar­auf gießt man den Tee, der vor­her min­des­tens fünf Mi­nu­ten ge­zo­gen ha­ben muss. Da­durch ent­steht das ty­pi­sche Kl­unt­je-Knis­tern. An­schlie­ßend wird mit dem Sahnelöf­fel oder Rohmle­pel vor­sich­tig ei­ne di­cke Sah­ne­wol­ke in die Tas­se ge­gos­sen.

Ganz wich­tig: Nicht um­rüh­ren! Ei­nem Sprich­wort zu­fol­ge schmeckt man näm­lich beim Trin­ken die un­ter­schied­li­chen Fa­cet­ten des Le­bens her­aus: die mil­de Sah­ne, den her­ben Tee und – im Ab­gang – die Sü­ße des Zu­ckers.

Ro­man­tisch und oh­ne viel Tru­bel geht es auf den Weih­nachts­märk­ten zu. Ma­ri­ti­mes Flair wird in Wil­helms­ha­ven und Cux­ha­ven ge­bo­ten. Fest­lich de­ko­riert zeigt sich die Stadt Nor­den. Bis zum 20. De­zem­ber ist dort ein le­ben­di­ges Krip­pen­spiel der Nie­der­deut­schen Büh­ne Nor­den zu se­hen – mit Tie­ren und Sta­tis­ten. Ne­ben­an be­fin­det sich die Nör­der Schö­fel­bahn, Ost­fries­lands größ­te künst­li­che Eis­flä­che.

Wer von Glüh­wein und Bu­den nicht ge­nug be­kommt, kann in den Win­ter­dör­fern Wang­er­land (28. bis 30. De­zem­ber) und Va­rel-Dan­gast (27. bis 29. De­zem­ber) auch nach Weih­nach­ten wei­ter­fei­ern. Mehr In­for­ma­tio­nen und Rei­se­an­ge­bo­te rund um die Nord­see gibt es auf RP Online: www.rp-online.de/nord­see

Ro­man­ti­sche Stim­mung an der Nord­see: Im Win­ter hat man die Strän­de fast für sich al­lei­ne.

Lan­ge Spa­zier­gän­ge an der fri­schen Nord­see­luft sind ge­sund.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.