Auch Schram­men kön­nen teu­er wer­den

Schon ei­ne klei­ne Unacht­sam­keit beim Ein­par­ken kann ein teu­res Nach­spiel ha­ben. Ba­ga­tell­schä­den soll­ten Au­to­fah­rer nicht auf die leich­te Schul­ter neh­men.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON CLAU­DI­US LÜ­DER

Rund 2,4 Mil­lio­nen Un­fäl­le er­fasst die Po­li­zei nach An­ga­ben des Ge­samt­ver­bands der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (GDV) jähr­lich. Die tat­säch­li­che Zahl dürf­te noch weit dar­über lie­gen, denn vor al­lem Ba­ga­tell­un­fäl­le mit ge­rin­gem Sach­scha­den wer­den oft oh­ne Po­li­zei ge­re­gelt. Wenn et­wa ein Fahr­zeug beim Au­spar­ken das Blin­ker­glas ei­nes an­de­ren Au­tos be­schä­digt oder das Öff­nen ei­ner Tür ei­nen Krat­zer beim Nach­bar­au­to hin­ter­lässt, ist die Schuld­fra­ge in der Re­gel ein­deu­tig.

Ver­ur­sa­cher und Ge­schä­dig­ter kön­nen dann die Adres­sen aus­tau­schen und sich dar­auf ver­stän­di­gen, den Scha­den auf di­rek­tem We­ge und oh­ne Ver­si­che­rung zu re­geln. In vie­len Fäl­len funk­tio­niert die Ab­wick­lung dann al­ler­dings nicht so rei­bungs­los. „Es reicht nicht aus, ein­fach nur ei­ne Vi­si­ten­kar­te hin­ter den Schei­ben­wi­scher zu klem­men“, sagt Jens Dötsch, Fach­an­walt für Ver­kehrs- und Ver­si­che­rungs­recht. Das kön­ne als Un­fall­flucht ge­wer­tet wer­den und so­wohl ei­ne Geld­stra­fe als auch den Füh­rer­schein­ver­lust zur Fol­ge ha­ben.

„Die Recht­spre­chung sieht ei­ne War­te­zeit von rund 30 Mi­nu­ten als er­for­der­lich an“, er­klärt Dötsch. Soll­te der Ge­schä­dig­te auch dann noch nicht zu­rück­ge­kom­men sein, soll­te die Po­li­zei noch von der Un­fall­stel­le aus an­ge­ru­fen wer­den. „Sie kann dann zwar auch ein Buß­geld we­gen Un­fall­ver­ur­sa­chung aus­spre­chen. Das je­doch wird sich im nied­ri­gen Eu­ro­be­reich be­we­gen und ist im­mer noch güns­ti­ger als ein mög­li­ches Straf­ver­fah­ren we­gen Un­fall­flucht“, meint Dötsch.

Auch im um­ge­kehr­ten Fall, wenn al­so ein Au­to­fah­rer nach der Rück­kehr zu sei­nem Wa­gen ei­nen Scha­den be­merkt, soll­te in je­dem Fall die Po­li­zei ver­stän­digt wer­den. „Die stellt Er­mitt­lun­gen an und kann ge­ge­be­nen­falls den Un­fall­ver­ur­sa­cher aus­fin­dig ma­chen“, be­tont Dötsch. Ge­ra­de Park­plät­ze von Ein­kaufs­zen­tren wer­den meist auch von Vi­deo­ka­me­ras er­fasst, de­ren Bil­der aus­ge­wer­tet wer­den kön­nen. „Aber selbst wenn dies nicht ge­lin­gen soll­te, se­hen die meis­ten Kas­ko­be­din­gun­gen der Ver­si­che­run­gen vor, dass im Fall ei­nes fremd­ver­ur­sach­ten Un­fall­scha­dens die Po­li­zei hin­zu­ge­zo­gen wer­den muss“, sagt Dötsch.

Oh­ne of­fi­zi­el­le Un­fall­auf­nah­me könn­te die Ver­si­che­rung die Kos­ten­über­nah­me ver­wei­gern. Der GDV selbst hält bei Ba­ga­tell­un­fäl­len ei­ne po­li­zei­li­che Un­fall­auf­nah­me nicht für zwin­gend er­for­der­lich: „Wenn der Un­fall­scha­den we­ni­ge hun­dert Eu­ro nicht über­steigt, kön­nen die Be­tei- lig­ten auch selbst ein Un­fall­pro­to­koll auf­neh­men“, sagt GDV-Spre­che­rin Una Groß­mann. Es soll­te al­le wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen wie Kenn­zei­chen, Na­men und Adres­sen so­wie Ort und Zeit­punkt des Un­falls ent­hal­ten und sich am bes­ten am Eu­ro­päi­schen Un­fall­be­richt ori­en­tie­ren. „Den er­hält man kos­ten­los bei sei­ner Kraft­fahrt­ver­si­che­rung“, sagt Groß­mann. Da­ne­ben soll­ten Na­men und Adres­sen von mög­li­chen Zeu­gen no­tiert wer­den.

„Hilf­reich ist auch, Fotos vom ei­ge­nen und geg­ne­ri­schen Scha­den zu ma­chen und die ge­sam­te Un­fall­stel­le von ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven aus zu fo­to­gra­fie­ren“, er­klärt Groß­mann. Wur­den Per­so­nen ver­letzt oder war Al­ko­hol im Spiel, soll­te in je­dem Fall die Po­li­zei in­for­miert wer­den. Ge­ne­rell un­ter­schei­det sich der Ver­si­che­rungs­schutz bei Ba­ga­tell­schä­den nicht von an­de­ren Schä­den: „Die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Un­fall­ver­ur­sa­chers über­nimmt den Scha­den des Geg­ners. Die Voll­kas­ko über­nimmt die Kos­ten für die Re­pa­ra­tur am ei­ge­nen Au­to“, er­läu­tert Groß­mann.

Auch wenn ein Au­to­fah­rer ei­nen Klein­scha­den aus ei­ge­ner Ta­sche be­zah­len will, soll­te er ihn in­ner­halb ei­ner Wo­che sei­ner Ver­si­che­rung mel­den. Stellt sich spä­ter her­aus, dass die Scha­dens­hö­he doch grö­ßer ist, kann der Au­to­fah­rer den Scha­den dann von sei­ner Voll­kas­ko-Ver­si­che­rung be­zah­len las­sen. Wann ein Scha­den noch im Ba­ga­tell­be­reich liegt, ist für ei­nen Au­to­fah­rer nicht im­mer zwei­fels­frei ab­zu­schät­zen. „Ei­ne ge­setz­li­che De­fi­ni­ti­on hier­zu gibt es nicht“, sagt Dötsch. „Über­wie­gend wird von den Ge­rich­ten die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass bis zu ei­ner Scha­dens­hö­he von rund 750 Eu­ro noch von ei­ner Ba­ga­tel­le ge­spro­chen wird.“

Bei ei­nem Blin­ker­glas oder ei­nem klei­nen Krat­zer ist dies noch ein­deu­tig er­kenn­bar, „ver­steck­te“Schä­den je­doch sind für den Lai­en nicht gleich fest­zu­stel­len. Um ei­ne ers­te Ein­schät­zung zu be­kom­men, ob ein grö­ße­rer Scha­den vor­liegt und ein Gut­ach­ten sinn­voll ist oder ein Kos­ten­vor­an­schlag aus­reicht, ge­nügt meist der Gang zur Werk­statt des Ver­trau­ens. „Tü­ckisch sind ins­be­son­de­re Un­fäl­le, bei de­nen die Stoß­stan­ge in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wird“, sagt Mar­kus Schä­pe vom ADAC. Denn auch wenn äu­ßer­lich nicht viel zu er­ken­nen ist, könn­ten Prall­dämp­fer, Trä­ger oder ver­deck­te Ble­che be­schä­digt sein.

„Rich­tig teu­er wird es, wenn in der Stoß­stan­ge noch Ab­stands­as­sis­ten­ten oder Park­hil­fen ein­ge­baut sind, die durch den leich­ten Auf­prall be­schä­digt wur­den“, warnt Schä­pe. Auf der si­che­ren Sei­te sind Au­to­fah­rer in je­dem Fall, wenn sie sich mit dem Un­fall­geg­ner noch vor Ort ver­stän­di­gen und das schrift­lich fest­hal­ten. Zwar sei auch ei­ne münd­lich ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung bin­dend, sagt Rechts­an­walt Dötsch, wenn sich je­doch der Ge­schä­dig­te spä­ter nicht mehr er­in­nern kann, sei ein sol­ches Schrift­stück sehr hilf­reich.

Wenn ein Au­to­fah­rer ei­nen Scha­den be­merkt, soll­te er um­ge­hend die Po­li

zei in­for­mie­ren Auch klei­ne­re Schä­den soll­ten in­ner­halb ei­ner Wo­che der Ver­si­che­rung ge­mel­det wer­den

FOTO: KJER

Auf der si­che­ren Sei­te sind Au­to­fah­rer, wenn sie nach ei­nem Zu­sam­men­stoß Fotos vom ei­ge­nen und geg­ne­ri­schen Fahr­zeug ma­chen.

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