Kli­ma­gip­fel: Für die Koh­le wird es eng

Das En­de der Braun­koh­le rückt nä­her. Nach dem er­folg­rei­chen Kli­ma­gip­fel in Pa­ris muss Deutsch­land aus al­len fos­si­len Ener­gie­trä­gern aus­stei­gen. Der deut­sche Kli­ma­schutz­plan steht auf dem Prüf­stand.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON MAR­TIN KESS­LER UND BIRGIT MARSCHALL

PA­RIS Die Welt­ge­mein­schaft hat ei­nen his­to­ri­schen Ver­trag zum Schutz des Kli­mas ab­ge­schlos­sen und da­mit das En­de von Koh­le, Gas und Öl ein­ge­läu­tet. US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma sprach von ei­nem „Wen­de­punkt für die Welt“. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) nann­te das Ab­kom­men ei­ne „Wei­chen­stel­lung der Welt in Rich­tung Ener­gie­wen­de“. 195 Staa­ten der Welt hat­ten sich am Sams­tag in Pa­ris dar­auf ge­ei­nigt, die Er­der­wär­mung auf deut­lich un­ter zwei Grad, eher in der Nä­he von 1,5 Grad zu be­gren­zen. Auch die Um­welt­ver­bän­de be­grüß­ten über­wie­gend den Ver­trag.

Das Ab­kom­men von Pa­ris, dem ei­ne di­plo­ma­ti­sche Meis­ter­leis­tung des fran­zö­si­schen Au­ßen­mi­nis­ters Lau­rent Fa­bi­us vor­an­ging, macht das Kli­ma­ziel für al­le Län­der ver­bind­lich. Al­ler­dings ent­schei­det je­de Na­ti­on über ih­ren Bei­trag. Bei der Kli­ma­kon­fe­renz 2009 in Ko­pen­ha­gen war es nicht ge­lun­gen, die Län­der zu ob­li­ga­to­ri­schen Ver­min­de­rungs­zie­len zu ver­pflich­ten.

In­halt des Ver­trags ist es, den Koh­len­di­oxid-Aus­stoß nach dem jüngs­ten An­stieg wie­der zu ver­rin­gern. Ab der Mit­te des Jahr­hun­derts sol­len nicht mehr Kli­ma­ga­se aus­ge­sto­ßen wer­den als an an­de­rer Stel­le durch die Wäl­der wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Den Ent­wick­lungs­län­dern soll als Hil­fe zum Kli­ma­schutz von 2020 bis 2025 jähr­lich 100 Mil­li­ar­den Dol­lar (91 Mil­li­ar­den Eu­ro) zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.

Für Deutsch­land be­deu­tet der Ver­trag nach Mei­nung von Ex­per­ten, dass die Bun­des­re­gie­rung ih­re Maß­nah­men zum Kli­ma­schutz ver­schär­fen muss. „Wenn Mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks sagt, wir wol­len das 1,5-Grad-Ziel un­ter­stüt­zen, dann muss so­fort der deut­sche Kli­ma­schutz­plan nach­ge­bes­sert wer­den“, sag­te der Lei­ter des Pots­damIn­sti­tuts für Kli­ma­fol­gen­for­schung, Hans-Joa­chim Schelln­hu­ber.

Der Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Anton Ho­frei­ter for­dert: „Die Bun­des­re­gie­rung muss nun rasch ein Koh­le­aus­stiegs­ge­setz auf den Weg brin­gen, an­sons­ten macht sie sich un­glaub­wür­dig.“Der Grü­nen-Po­li­ti­ker schlägt die Ein­füh­rung von CO2G­renz­wer­ten für fos­si­le Kraft­wer­ke vor. „Mit der Ein­füh­rung von CO2G­renz­wer­ten könn­ten die Kli­ma­zie­le von mi­nus 40 Pro­zent bis zum Jahr 2020 er­reicht wer­den“, er­klär­te Ho­frei­ter.

Auch Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) plä­diert für ei­nen zü­gi­gen Aus­stieg aus Koh­le, Gas und Öl. „Pa­ris mar­kiert nicht we­ni­ger als das En­de des Zeit­al­ters der fos­si­len Brenn­stof­fe“, sag­te die SPD-Mi­nis­te­rin un­se­rer Re­dak­ti­on. Das Ab­kom­men, so Hend­ricks, ver­lei­he dem deut­schen Kli­ma­schutz­ziel zu­sätz­li­chen Rü­cken­wind: „Wir ha­ben jetzt mehr denn je die Ver­ant­wor­tung, die­se Zie­le in die Tat um­zu­set­zen, und wir ha­ben schon da­mit be­gon­nen. Bei der Koh­le geht es dar­um, ei­nen ge­mein­sam ge­stal­te­ten und so­zi­al ver­träg­li­chen Weg auf­zu­zei­gen, wie wir ge­ord­net aus der Nut­zung fos­si­ler Ener­gi­en aus­stei­gen.“Hend­ricks hat­te vor dem Kli­ma­gip­fel ein En­de der hei­mi­schen Braun­koh­le und an­de­rer fos­si­ler Ener­gie­trä­ger in ei­nem Zei­t­raum „zwi­schen 20 und 25 Jah­ren“ins Spiel ge­bracht und war von NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) kri­ti­siert wor­den.

Der Kli­ma­ver­trag muss noch auf na­tio­na­ler Ebe­ne be­stä­tigt wer­den. Gül­tig wird er, wenn ihn min­des­tens 55 Pro­zent der Staa­ten ak­zep­tie­ren, die zu­sam­men min­des­tens 55 Pro­zent der Treib­haus­ga­se aus­sto­ßen. Stim­me de­s­Wes­tens

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