„Un­se­re Flücht­lings­po­li­tik funk­tio­niert“

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - GREGOR MAYNTZ FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Für die CSU ist die Be­las­tungs­gren­ze er­reicht – für Sie auch? KLÖCK­NER So pau­schal lässt sich das nicht sa­gen. Das ist von Hel­fer zu Hel­fer, von Kom­mu­ne zu Kom­mu­ne und von Bun­des­land zu Bun­des­land un­ter­schied­lich. Das, was in Bay­ern auf­grund der Grenz­la­ge ge­leis­tet wer­den muss, ist enorm – auch enorm be­las­tend. Wir sind ent­schlos­sen, den Zu­zug von Flücht­lin­gen durch wirk­sa­me Maß­nah­men spür­bar zu ver­rin­gern. Denn ein An­hal­ten des ak­tu­el­len Zu­zugs wür­de Staat und Ge­sell­schaft, auch in ei­nem Land wie Deutsch­land, auf Dau­er über­for­dern. War­um ver­wei­gert sich die Par­tei­füh­rung den vie­len Wün­schen an der Ba­sis und in der Be­völ­ke­rung, ein Si­gnal der Be­gren­zung zu ver­ab­schie­den? KLÖCK­NER Wir sen­den kla­re Si­gna­le aus, den Zu­zug zu steu­ern, zu ord­nen und auch zu re­du­zie­ren. Eben­so ist uns ei­ne kon­se­quen­te In­te­gra­ti­on nach dem Mot­to „för­dern und for­dern“wich­tig nach kla­ren Spiel­re­geln. Sie wer­den nie­man­den in un­se­rer Par­tei fin­den, der da­ge­gen wä­re und das nicht auch deut­lich sa­gen wür­de, in­klu­si­ve der Kanz­le­rin. Stel­len Sie die­se Fra­ge ger­ne an­de­ren Par­tei­en, die sich wei­gern, be­herzt die­sen Weg mit­zu­ge­hen. Die Kanz­le­rin will nicht wort­brü­chig wer­den, wenn sie ei­ne Ober­gren­ze zu­sagt, die­se aber nicht ein­hal­ten kann. Gleich­zei­tig sagt sie, die Flücht­lings­zahl re­du­zie­ren zu wol­len. Was pas­siert, wenn sie das nicht hal­ten kann? KLÖCK­NER Der An­teil von Flücht­lin­gen aus dem West­bal­kan ist von­über zwei Drit­tel An­fang des Jah­res auf un­ter drei Pro­zent im Ok­to­ber zu­rück­ge­gan­gen. Das ist kein Zu­fall, son­dern zeigt, dass un­se­re Po­li­tik funk­tio­niert, zum Bei­spiel mit der Aus­wei­tung der si­che­ren Her­kunfts­län­der. Al­ler­dings gibt es nicht die ei­ne Lö­sung, die so­fort wirkt und al­le Flucht­ur­sa­chen be­sei­tigt. Ober­gren­ze ist ein Sym­bol­be­griff, Ober­gren­ze ist noch kei­ne Po­li­tik. Po­li­tik ist die Kunst des Mach­ba­ren, und dar­an will sich die Kanz­le­rin auch in Zu­kunft gut mes­sen las­sen. Kann Deutsch­land im nächs­ten Jahr noch mal so vie­le Flücht­lin­ge auf­neh­men wie in die­sem? KLÖCK­NER Ich hof­fe nicht, dass wir das müs­sen, son­dern vor­her ei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung fin­den. Vor ei­nem Jahr hät­te kei­ner ge­glaubt, dass Deutsch­land auch nur ei­ne hal­be Mil­li­on auf­neh­men könn­te. Aber: Wir müs­sen den Zu­zug kon­trol­lie­ren und auch brem­sen, da­mit die In­te­gra­ti­on der­je­ni­gen, die bei uns blei­ben wer­den, nach­hal­tig ge­lingt. Ihr Kon­zept funk­tio­niert nur, wenn die EU-Staa­ten sich auf ei­ne ge­rech­te Ver­tei­lung ein­las­sen. Da­nach sieht es der­zeit nicht aus. Wann greift Deutsch­land zu na­tio­na­len Al­lein­gän­gen und was kommt dann? KLÖCK­NER Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen Wo­chen und Mo­na­ten viel durch­ge­setzt. An­ge­fan­gen bei der Er­hö­hung der Ab­schie­be­zah­len bis hin zur größ­ten Ver­schär­fung des Asyl­rechts seit 20 Jah­ren. Und: Eu­ro­päi­sche So­li­da­ri­tät und Schen­gen, das sind doch Grund­pfei­ler der EU und nicht ir­gend­wel­che iso­lier­ten Kon­zep­te der CDU. Wir müs­sen ge­mein­sam eu­ro­pä­isch vor­ge­hen. Das heißt, EU-Au­ßen­gren­zen si­chern und fai­re Las­ten­tei­lung – ge­nau­so fair üb­ri­gens, wie die Brüs­se­ler Sub­ven­tio­nen flie­ßen. Na­tio­na­le Al­lein­gän­ge ha­ben in Eu­ro­pa bis­her im­mer in die Ka­ta­stro­phe ge­führt. Was un­ter­schei­det CDU und SPD in der Flücht­lings­po­li­tik denn noch? KLÖCK­NER Die CDU bleibt ih­ren Über­zeu­gun­gen und Po­si­tio­nen treu. Was die SPD mitt­ler­wei­le will? Sie ringt noch, ob sie uns fol­gen soll. Ich glau­be, Herr Ga­b­ri­el ist da wei­ter als man­che Län­der­chefs der SPD.

FOTO: HANS-JÜR­GEN BAUER

Ju­lia Klöck­ner (42) ist Vi­ze­vor­sit­zen­de der CDU.

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