Schö­ne Be­sche­rung

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

DÜSSELDORF/PA­RIS Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw muss­te sich nicht ver­zwei­felt die Haa­re rau­fen und die bö­sen Mäch­te des Fuß­ball-Schick­sals be­kla­gen. Denn der DFB hat­te mal wie­der Los­glück. Das ge­hört bei den gro­ßen Tur­nie­ren of­fen­bar da­zu. Bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schafts-End­run­de im kom­men­den Jahr in Frank­reich tritt sein Team in der Vor­run­de ge­gen Po­len, die Ukrai­ne und Nord­ir­land an. „Un­se­re Grup­pe“, sag­te Löw, „ist für uns mach­bar, klar. Wir sind der Fa­vo­rit, die­se Rol­le neh­men wir an, das ist un­ser An­spruch.“Wi­der­spruch ern­te­te der Welt­meis­ter-Trai­ner da­mit nicht. Klar. Ein Blick auf die Geg­ner. Po­len Ob­wohl der Nach­bar im Os­ten in der Welt­rang­lis­te auf Platz 34 vier Rän­ge hin­ter Nord­ir­land und fünf hin­ter der Ukrai­ne liegt, ist Po­lens Aus­wahl mit gro­ßer Si­cher­heit der schwers­te Geg­ner für den Welt­meis­ter. In der EM-Qua­li­fi­ka­ti­on be­zwang die Mann­schaft von Trai­ner Adam Na­val­ka die Deut­schen in Warschau mit 2:0. Und sie war auch bei der 1:3-Nie­der­la­ge in Frankfurt im Sep­tem­ber ein un­an­ge­neh­mer Geg­ner. Das Team kann ein sehr ho­hes Tem­po ge­hen und ist bei ih­ren schnel­len Ge­gen­stö­ßen über die Au­ßen­po­si­tio­nen ex­trem ge­fähr­lich. In der Mit­te gibt es schließ­lich ei­nen Ab­neh­mer von Welt­klas­se. Ro­bert Le­wan­dow­ski, der für Bay­ern München in die­sem Jahr ge­gen Wolfsburg ei­nen Fün­fer­pack auf den Ra­sen zau­ber­te, trifft auch für sein Hei­mat­land bei je­der Ge­le­gen­heit. Er ist schnell, ex­trem wen­dig, kopf­ball­stark und sehr be­gabt im Um­gang mit dem Ball. Le­wan­dow­ski hat gar kei­ne Schwä­chen. Sein Trai­ner Na­val­ka sag­te: „Ro­bert gibt un- se­rem Spiel das ge­wis­se Et­was.“Sein deut­scher Kol­le­ge Löw er­klär­te: „Wir wis­sen, was die Po­len kön­nen.“Klar. Ukrai­ne Im Os­ten des Lan­des herr­schen im­mer noch Kriegs­zu­stän­de, pro-rus­si­sche Re­bel­len und ukrai­ni­sche Sol­da­ten ste­hen sich un­ver­söhn­lich ge­gen­über. In der Na­tio­nal­mann­schaft aber herrscht Ei­nig­keit. Be­son­de­re Qua­li­tä­ten hat das Team in der Ab­wehr, es ließ in der Qua­li­fi­ka­ti­on nur vier Ge­gen­to­re zu – Deutsch­land neun. In den Play­offs pro­fi­tier­te die Ukrai­ne ge­gen Slo­we­ni­en von And­rej Jar­mo­len­kos Ab­schluss-Qua­li­tä­ten. Der Stür­mer ist ne­ben dem hoch­be­gab­ten Flü­gel­flit­zer Jew­ge­ni Ko­no­pljan­ka vom FC Se­vil­la der po­pu­lärs­te Spie­ler der Mann­schaft, die nicht die gro­ßen fuß­bal­le­ri­schen Fä­hig­kei­ten ver­gan­ge­ner ukrai­ni­scher Teams hat, aber durch ih­re Ge­schlos­sen­heit über­zeugt. Eben­so wie Po­len be­herrscht die Ukrai­ne das Kon­tern, im neu­en Tak­tik-Deutsch: das Um­schalt­spiel. „Da­mit müs­sen wir uns aus­ein­an­der­set­zen“, er­klär­te Löw. Klar. Nord­ir­land Der DFB-Te­am­ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff hat be­son­ders gu­te Er­in­ne­run­gen an Nord­ir­land. In der Qua­li­fi­ka­ti­on zur Welt­meis­ter­schaft 1998 ret­te­te er die Na­tio­nal­elf mit ei­nem Hattrick in sechs Mi­nu­ten vor ei­ner Bla­ma­ge. Deutsch­land ge­wann nach 0:1-Rück­stand mit 3:1 in Bel­fast. Das war zu Zei­ten, als es im deut­schen Fuß­ball der­art mäch­tig zu rum­peln be­gann, dass man sich das heu­te gar nicht mehr vor­stel­len mag. Weil auch die Nord­iren nicht eben mit dem feins­ten Werk­zeug ar­bei­te­ten, hat­te der Ball in Bel­fast ganz sel­ten mal Bo­den­kon­takt. Die be­mit­lei­dens­wer­ten Mit­tel­feld­spie­ler schau­ten der Ku­gel mit trau­ri­gem Blick hin­ter­her, wenn sie wie- der den Luf­t­raum über der Mit­tel­li­nie durch­quer­te. Ein we­nig vom ehe­mals in­sel­ty­pi­schen Kick-an­dRush hat sich bei Nord­ir­land er­hal­ten. Es setzt wie sein gro­ßer Nach­bar Ir­land auf die so­ge­nann­ten lan­gen Bäl­le und ist vor al­lem bei Stan­dard­si­tua­tio­nen ge­fähr­lich. Dann kön­nen die Nord­iren ih­re Kopf­ball­stär­ke und ih­ren Mut in An­schlag brin­gen. Mit ei­ner ganz ähn­li­chen Spiel­wei­se hat Ir­land den Deut­schen im Ok­to­ber ei­ne 0:1-Nie­der­la­ge bei­ge­bracht. Löw sag­te im Ver­gleich der bei­den Teams: „Das ist auch ei­ne Mann­schaft, die na­tür­lich unbequem ist.“Klar.

FOTO: IMAGO

Auf den Po­len Ro­bert Le­wan­dow­ski wird die deut­sche Ab­wehr mit Jo­nas Hec­tor und Mats Hum­mels (v.l.) be­son­ders ach­ten müs­sen.

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