Spar­mo­dell Mors­broich

Das Mu­se­um in Leverkusen zeigt, wie ein Kul­tur­in­sti­tut mit we­nig städ­ti­schem Geld viel Auf­se­hen er­regt und den Ruf mehrt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON BER­TRAM MÜL­LER

LEVERKUSEN/DÜSSELDORF Im Kul­tur­be­trieb ver­hält es sich wie übe­r­all: Je­der Eu­ro kann nur ein­mal aus­ge­ge­ben wer­den. Doch da Kul­tur zu den so­ge­nann­ten frei­wil­li­gen Leis­tun­gen zählt, die ei­ne Kom­mu­ne er­bringt, sieht sie sich den Bli­cken of­fi­zi­el­ler und selbst­er­nann­ter Spar­kom­mis­sa­re be­son­ders in­ten­siv aus­ge­setzt. Ge­ra­de klei­ne Mu­se­en ste­hen mehr denn je un­ter dem Zwang, ih­re Exis­tenz zu recht­fer­ti­gen - vor al­lem, wenn über die Stadt, der sie ge­hö­ren, ein Not­haus­halt ver­hängt ist.

Leverkusen zählt zu je­nen Städ­ten, de­nen die NRW-Re­gie­rung ei­nen Spar­kom­mis­sar

vor­ge­setzt hat

Wäh­rend Kom­mu­nal­po­li­ti­ker in gro­ßen, ver­gleichs­wei­se wohl­ha­ben­den Städ­ten wie Düsseldorf noch dar­auf drin­gen kön­nen, et­wa durch die Zu­sam­men­le­gung von Kul­tur­in­sti­tu­ten Fi­nanz­mit­tel ef­fek­ti­ver ein­zu­set­zen, er­schei­nen bei ei­nem Haus wie dem Mu­se­um Mors­broich in Leverkusen be­reits al­le Spar­mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft. So sieht es je­den­falls des­sen Di­rek­tor Mar­kus Hein­zel­mann. Oder geht da viel­leicht doch noch was?

Leverkusen zählt zu je­nen Städ­ten, de­nen die NRW-Re­gie­rung ei­nen Spar­kom­mis­sar vor­ge­setzt hat. Ei­ne sol­che Auf­sicht lässt in der Re­gel nicht über ei­ne Er­hö­hung des Kul­tur­etats mit sich re­den. Hein­zel­mann muss mit ei­ner städ­ti­schen Gr­und­fi­nan­zie­rung in Hö­he von 1,09 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr aus­kom­men und sich den Rest von Spon­so­ren be­sor­gen; von de­nen stam­men ihm zu­fol­ge im­mer­hin 90 Pro­zent des Aus­stel­lungs­etats. Oh­ne die­se Un­ter­stüt­zer könn­te das Mu­se­um Mors­broich kaum ei­ne Wech­sel­aus­stel­lung ar­ran­gie­ren. Mu­se­ums­chef Mar­kus Hein­zel­mann ist stolz dar­auf, dass sein Haus et­wa im Ver­gleich mit Mu­se­en ähn­li­cher Grö­ße in Bochum, Kre­feld und Mön­chen­glad­bach „am güns­tigs­ten und am ef­fek­tivs­ten“wirt­schaf­te.

Nun könn­te man fra­gen, ob die 92.000 Eu­ro der 1,09 Mil­lio­nen, die als So­ckel für Wech­sel­aus­stel­lun­gen re­ser­viert sind, nicht ent­behr­lich wä­ren, da doch die Spon­so­ren so spen­da­bel sind. Doch dann wür­de man die Rech­nung oh­ne die Wohl­tä­ter ma­chen. Spon­so­ren ge­ben nur dann et­was, wenn der Be­schenk­te selbst Geld in ein Pro­jekt ein­bringt.

Man könn­te eben­so fra­gen, ob man den Be­su­chern nicht preis­güns­ti­ge­re, wo­mög­lich po­pu­lä­re­re Aus­stel­lun­gen an­bie­ten kön­ne, al­so et­wa Wie­ner Fan­tas­ti­schen Rea­lis­mus statt Ger­hard Rich­ter. Ein Le­ver­ku­se­ner Rats­herr be­zeich­ne­te das Mu­se­um Mors­broich ein­mal als „eli­tä­ren Schup­pen“. Des­sen Di­rek­tor aber be­kennt sich zum Ni­veau sei­nes Hau­ses: „Wir wol­len nicht die Qua­li­tät ver­min­dern, son­dern Kul­tur auf ho­hem Ni­veau al­len ver­mit­teln, die dar­an In­ter­es­se ha­ben.“Das ge­schieht durch ein um­fang­rei­ches Pro­gramm un­ter an­de­rem für Kin­der und auch für aus­län­di­sche Be­su­cher.

Hein­zel­mann ver­weist im Üb­ri­gen auf Un­ter­su­chun­gen, die be­le­gen, dass sich die In­ves­ti­ti­on in Kul­tur nicht nur als Bil­dungs­maß­nah­me, son­dern auch in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht lohnt. Ein an­ge­se­he- nes Mu­se­um sei für je­de Stadt ein Stand­ort­vor­teil. Wer sich aus be­ruf­li­chen Grün­den ir­gend­wo nie­der­las­sen wol­le, der ge­he am liebs­ten in ei­ne Stadt, „auf die man nicht im­mer blöd an­ge­spro­chen wird“.

Gu­te Aus­stel­lun­gen sind die Vor­aus­set­zung jeg­li­chen Re­nom­mees. Doch wä­ren die durch Ko­ope­ra­tio­nen mit an­de­ren Mu­se­en nicht preis­güns­ti­ger zu be­kom­men? Hein­zel­mann ver­weist dar­auf, dass auch die­se Mög­lich­keit be­reits aus­ge­schöpft wer­de. Vor Jah­ren teil­ten sich das Köl­ner Mu­se­um Lud­wig und das Mu­se­um Mors­broich ei­ne Ger­hard-Rich­ter-Schau. Au­ßer­dem reicht Mors­broich sei­ne Aus­stel­lun­gen oft an an­de­re Mu­se­en wei­ter. Al­ler­dings legt Hein­zel­mann Wert dar­auf, dass sein Haus da­bei stets die ers­te Sta­ti­on ist. Dar­auf grün­de sich die Iden­ti­tät sei­nes Mu­se­ums. „Wir ar­bei­ten aus dem Ort her­aus“, sagt er und denkt an die nächs­te, am 31. Ja­nu­ar 2016 be­gin­nen­de Aus­stel­lung: „Auf­schluss­rei­che Räu­me. In­te­ri­eur als Por­trät“, ei­ne Schau, die sich nur in ei­nem weit­läu­fi­gen, in zahl­rei­che Räu­me auf­ge­teil­ten Schlöss­chen wie dem­je­ni­gen in Leverkusen stim­mig in­sze­nie­ren las­se.

Noch ein­mal die Fra­ge: Wie könn­te man spa­ren? Et­wa in­dem man die Öff­nungs­zei­ten ver­min­dert? „Nein“, sagt Hein­zel­mann, „da­durch ver­är­gert man nur die Be­su­cher.“Oder in­dem man auf Wech­sel­aus­stel­lun­gen ver­zich­tet und al­lein die Schau­samm­lung zeigt? Nein, auch das wä­re für ihn kei­ne Lö­sung. Dann spar­te man zwar Geld, auch das der Spon­so­ren, doch der Na­me Leverkusen wür­de sich über­re­gio­nal nur noch mit Bay­er und dem Bun­des­li­ga-Ver­ein ver­bin­den. Für man­chen, der er­wägt, in Leverkusen be­ruf­lich Fuß zu fas­sen, wä­re das zu we­nig. Schließ­lich will nie­mand auf sei­ne Stadt blöd an­ge­spro­chen wer­den.

FOTO: UWE MISERIUS

Ju­wel in der Mu­se­ums­land­schaft: das Mu­se­um Schloss Mors­broich in Leverkusen.

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