Hu­go Jun­kers, Mer­gers und Ak­qui­si­tio­nen

Beim Un­ter­neh­mens­fo­rum Nie­der­rhein konn­ten sich Un­ter­neh­mer übet Rechts­fra­gen in­for­mie­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIET­DORF

Der Hu­go-Jun­kers-Han­gar leuch­tet in­nen in sanf­tem Blau und Rot, auf dem Au­ßen­ge­län­de steht hell an­ge­strahlt die JU 52 und zieht so­fort die Bli­cke auf sich. Die Gäs­te wer­den das fas­zi­nie­ren­de his­to­ri­sche Flug­zeug spä­ter noch nä­her be­trach­ten kön­nen, ver­spricht Thors­ten Ne­u­mann, Noi-Chef-Ca­te­rer und Be­trei­ber von Glad­bachs neu­es­ter Event-Lo­ca­ti­on. Dann lotst er die Be­su­cher in ei­nen Vor­trags­raum im ers­ten Stock. Auf die Teil­neh­mer am Un­ter­neh­mens­fo­rum der Ka­pell­mann Aka­de­mie war­tet ein Vor­trag über die recht­li­chen Be­din­gun­gen und Fall­stri­cke bei Un­ter­neh­mens­käu­fen und -ver­käu­fen.

Zum zwei­ten Mal in die­sem Jahr fin­det die Ver­an­stal­tungs­rei­he statt, zu der Un­ter­neh­mer aus der Re­gi­on ge­la­den sind. Das Fo­rum sol­le, so Mal­te Schulz von der gast­ge­ben­den Kanz­lei Ka­pell­mann und Part­ner, Un­ter­neh­mern Ge­le­gen­heit ge­ben, sich über ak­tu­el­le Rechts­fra­gen zu in­for­mie­ren.

Rechts­an­walt Tho­mas Bunz ist Ex­per­te für Ge­sell­schafts­recht und Un­ter­neh­mens­käu­fe. Er er­klärt den Zu­hö­rern, dass es oh­ne an­gel­säch­si­sche Fach­be­grif­fe in die­sem Be­reich nicht ge­he und dann den Un­ter­schied zwi­schen ei­nem Mer­ger und ei­ner Ak­qui­si­ti­on. Ein Mer­ger ent­spricht im All­ge­mei­nen ei­ner Fu­si­on – aus zwei Un­ter­neh­men wird eins. Als Bei­spiel für ei­ne sol­che Fu­si­on ver­weist er auf Daim­ler und Chrysler, ein Zu­sam­men­ge­hen, das frei­lich nicht funk­tio­niert hat. Ei­ne Ak­qui­si­ti­on da­ge­gen sei ein Kauf, bei dem zwei selbst­stän­di­ge Un­ter­neh­men er­hal­ten blie­ben, aber ein Ei­gen­tü­mer­wech­sel statt­fin­de. Im All­ge­mei­nen sei­en Un­ter­neh­mens­käu­fe und -ver­käu­fe im Mit­tel­stand nicht so ver­brei­tet. „Der Mit­tel­stand ist ten­den­zi­ell ri­si­ko­scheu“, stellt der An­walt fest. Aber es gibt na­tür­lich auch für Mit­tel­ständ­ler gu­te Grün­de, zu kau­fen oder zu ver­kau­fen. Et­wa wenn der Ei­gen­tü­mer sich aus Al­ters­grün­den zu­rück­zie­hen will und kei­nen Nach­fol­ger hat. Oder wenn sich die Ge­sell­schaf­ter zer­strei­ten, so Bunz. „Das kann zu­ge­hen wie bei ei­nem Ro­sen­krieg“, sagt der An­walt. Denk­ba­re Käufer von mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men sind Mit­be­wer­ber oder Fi­nanz­in­ves­to­ren wie War­ren Buf­fet, der ei­nen deut­schen Pro­du­zen­ten von Mo­tor­rad­zu­be­hör ge­kauft hat. Schließ­lich kann auch das ei­ge­ne Ma­nage­ment zu­grei­fen und kau­fen – der so­ge­nann­te Ma­nage­men­tBuy-Out. Aber Kauf ist nicht gleich Kauf, er­klärt der Ju­rist. Bei ei­nem Sha­re De­al wer­den An­tei­le ge­kauft, der Ei­gen­tü­mer wech­selt, das Un­ter­neh­men bleibt, wie es ist. Bei ei­nem As­set De­al wer­den die Wirt­schafts­gü­ter des Un­ter­neh­mens ge­kauft: Grund­stü­cke, Ma­schi­nen, Pa­ten­ten, Ar­beits­ver­trä­ge oder den Na­men. Der Vor­teil: Man kann sich die Ro­si­nen her­aus­pi­cken und muss nicht al­les kau­fen. Der Nach­teil: Man kann bei­spiels­wei­se Lie­fer­ver­trä­ge nicht ein­fach über­neh­men, son­dern braucht die Zu­stim­mung der Ver­trags­part­ner, die sich das manch­mal be­zah­len las­sen.

Dass an ei­nem Un­ter­neh­mens­ver­kauf gan­ze Ar­me­en von Ju­ris­ten ar­bei­ten, kann man sich vor­stel­len. Auch, dass sehr um­fang­rei­che Ver­trä­ge da­bei her­aus­kom­men kön­nen. Es gibt aus­führ­li­che Re­ge­lun­gen und Ga­ran­ti­en, Klau­seln zum Kauf­preis und zu den Steu­ern. So­gar ein Wett­be­werbs­ver­bot ist mög­lich: Der Ver­käu­fer ver­pflich­tet sich dann, zwei Jah­re lang nicht in der glei­chen Bran­che ak­tiv zu wer­den.

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