0:5 bei Bay­er – Bo­rus­sia ist zu­rück auf dem Bo­den

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

Bo­rus­sia hat ei­ne Er­fah­rung ge­macht. „Ei­ne ne­ga­ti­ve“, wie Trai­ner An­dré Schu­bert nach dem 0:5 in Leverkusen an­merk­te. Die Ge­schich­te da­zu ist be­mer­kens­wert. Ins­be­son­de­re sta­tis­tisch: Es war nicht nur die höchs­te Nie­der­la­ge seit dem 0:5 in Dort­mund im Sep­tem­ber 2012 und die ers­te seit dem 0:1 in Köln am 19. Sep­tem­ber die­sen Jah­res – vor al­lem war es die ers­te Nie­der­la­ge in der Bun­des­li­ga für den Trai­ner An­dré Schu­bert. So gab es bin­nen we­ni­ger Ta­ge für den Trai­ner, der bis da­hin na­he­zu nur Er­folgs­mel­dun­gen pro­du­zier­te, die zwei­te schlech­te Nach­richt: Dem Eu­ro­pa-Aus folg­te die ers­te Li­ga-Plei­te. Die fiel aus, wie es sich für die­se Sai­son ge­hört: über­di­men­sio­nal. Nor­mal kann Bo­rus­sia nicht. Erst gab es sechs Pflicht­spielNie­der­la­gen am Stück nebst dem Ab­gang von Lu­ci­en Fav­re, dann die Schu­bert-Se­rie mit dem Sprint von Platz 18 auf Platz drei oh­ne Nie­der­la­ge und nun das De­ba­kel in der BayA­re­na. „Es war ei­ne ka­ta­stro­pha­le Leis­tung von uns“, ge­stand Ka­pi­tän Gra­nit Xha­ka.

Die hat­te di­ver­se Grün­de: An­ge­sichts der ver­gan­ge­nen eng­li­schen Wo­chen wirk­ten die Bo­rus­sen mü­de, phy­sisch und men­tal, spä­tes­tens nach dem 0:2 war je­de Ge­gen­wehr pas­sé. Ne­ben­bei rück­te Leverkusen auch den Irr­glau­ben de­rer zu­recht, die in dem Fuß­ball-Leh­rer Schu­bert ein We­sen mit hö­he­ren Kräf­ten ver­mu­tet hat­ten. „Wir sind nicht von ei­nem an­de­ren Pla­ne­ten“, stell­te Sport­di­rek­tor Max Eberl klar. Es war, phi­lo­so­phisch ge­sagt, ei­ne Art Men­sch­wer­dung Schu­berts (Au­ßen­sicht), re­spek­ti­ve (Ei­gen­sicht): Es war der Be­leg des­sen, was der 44Jäh­ri­ge selbst schon lan­ge ge­sagt hat­te: „Ir­gend­wann kommt die ers­te Nie­der­la­ge.“

„Lan­ge nicht erlebt und doch wie­der­er­kannt“, dik­tier­te Eberl den Jour­na­lis­ten ein Zitat in den Block, das er selbst als Quint­es­senz die­ses Spiels wer­te­te: Die Ab­läu­fe pass­ten nicht – und wenn es nicht zu 100 Pro­zent passt, so war es auch in der Ver­gan­gen­heit schon, dann kann es auch mal en­den wie in Leverkusen. Erst­mals grif­fen Schu­berts Ide­en nicht, we­der sys­te­misch noch per­so­nell. Der Geist der Bo­rus­sen mag wil­lig ge­we­sen sein, das Fleisch war zu schwach: „Wir hat­ten ein ganz an­de­res Spiel vor“, sag­te Xha­ka.

Le­ver­ku­sens Pres­sing soll­te mit ei­ge­nem Pres­sing an­ge­gan­gen wer­den, dar­um die „pen­deln­de Vie­rer­ket­te“, um Über­zahl­si­tua­tio­nen zu schaf­fen. Nur, dass Bo­rus­sia dies nicht ag­gres­siv ge­nug mach­te. So gab es Un­ter­zahl­si­tua­tio­nen in Zo­nen, die nor­ma­ler­wei­se ta­bu sein soll­ten – und bei den To­ren wa­ren die De­fen­siv­spie­ler in Weiß nur Be­gleit­schutz, mal die Jun­gen (beim 0:2 Dahoud, Chris­ten­sen, El­ve­di), dann die Er­fah­re­ne­ren (beim 0:3 St­indl, Xha­ka). Dass es in den letz­ten bei­den Spie­len neun Ge­gen­to­re gab, soll­te ein The­ma sein in der Analyse. Doch be­inhal­tet Schu­berts Spek­ta­kel-An­satz ei­ne ge­wis­se de­fen­si­ve Of­fen­heit. Dem ent­ge­gen muss ei­ne gu­te Of­fen­si­vquo­te ste­hen – die gab es in Leverkusen nicht.

Der Nor­we­ger Ha­vard Nordtveit fand, dass „es viel­leicht ein Zei­chen“sei, und zwar ei­nes, dass al­len an­de­ren, aber auch den Bo­rus­sen zeigt, „dass wir von die­ser Welt sind und hart ar­bei­ten müs­sen“. So sah es auch Xha­ka: „Wenn wir den­ken, dass wir ein gu­tes Spiel ge­gen die Bay­ern ge­macht ha­ben und dann so ins Spiel in Leverkusen ge­hen kön­nen, dann sind wir auf dem fal­schen Weg.“Das ging durch­aus in Rich­tung Mann­schaft, der Ka­pi­tän hat of­fen­bar bei dem ei­nen oder an­de- ren ei­ne ge­wis­se ge­dank­li­che Flap­sig­keit aus­ge­macht.

Die muss bis mor­gen be­ho­ben sein: Denn in der Li­ga kann man vie­les kor­ri­gie­ren, so­gar ei­nen Start mit fünf Nie­der­la­gen. Im Po­kal gibt es aber nur ei­ne Chan­ce: Drin­blei­ben oder Nicht-Drin­blei­ben – das ist mor­gen die Fra­ge ge­gen Wer­der Bre­men im Ach­tel­fi­na­le. „Wir ha­ben ei­ne fan­tas­ti­sche Se­rie ge­spielt. Die wol­len wir jetzt mit zwei Sie­gen ab­schlie­ßen“, sag­te Max Eberl, der das letz­te Hin­run­den-Spiel am Sonn­tag ge­gen Darm­stadt mit ein­schloss. Klar ist: Nach dem Aus in Eu­ro­pa und dem En­de der Schu­bert-Se­rie in der Li­ga soll es im Po­kal nicht er­neut ei­ne ne­ga­ti­ve Er­fah­rung ge­ben.

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