Ka­len­der­blatt 14. De­zem­ber 1979

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG -

Der Dop­pel­mord an dem Mün­che­ner Arzt Ot­to Prau und sei­ner Haus­häl­te­rin führte zu ei­nem auf­se­hen­er­re­gen­den Pro­zess. Die Op­fer wa­ren nach Os­tern 1960 in Prauns Vil­la am Starn­ber­ger See ge­fun­den wor­den. Die Po­li­zei glaub­te an ei­nen er­wei­ter­ten Selbst­mord und leg­te den Fall zu den Ak­ten. Es war der ers­te in ei­ner gan­zen Rei­he von Er­mitt­lungs­feh­lern. Mo­na­te spä­ter wur­de bei der Ver­le­sung von Prauns Tes­ta­ment be­kannt, dass des­sen Be­kann­te, viel­leicht auch Ge­lieb­te, Ve­ra Brüh­ne, ei­ne Fin­ca auf Mallor­ca er­ben soll­te. Dies war der An­lass, die To­des­fäl­le noch ein­mal neu auf­zu­rol­len. Nun stand für die Po­li­zei fest, dass man es mit ei­nem Dop­pel­mord zu tun hat­te, ver­an­lasst von Brüh­ne, durch­ge­führt von ih­rem Kom­pli­zen Jo­hann Fer­bach. Brüh­ne (Foto) war ei­ne schil­lern­de Per­sön­lich­keit, über die die Me­di­en gern be­rich­te­ten. Der Pro­zess ge­riet schnell zum Me­dien­spek­ta­kel. Selbst über in­ti­me De­tails aus Brüh­nes Se­xu­al­le­ben wur­de vor den Rich­tern ge­spro­chen. Al­les ge­lo­gen, sag­te Brüh­ne, die sich je­doch selbst im­mer wie­der in Wi­der­sprü­che ver­strick­te und die Wahr­heits­fin­dung nicht ver­ein­fach­te. Sie und ihr Kom­pli­ze wur­den zu le­bens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Nach 18 Jah­ren wur­de Brüh­ne durch Mi­nis­ter­prä­si­dent Franz Jo­sef Strauß be­gna­digt. Die Fra­ge ih­rer Schuld konn­te nie ge­klärt wer­den. Heu­te wä­re ein Ur­teil auf­grund der da­ma­li­gen Be­weis­la­ge aber min­des­tens un­wahr­schein­lich.

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